Martensteins klare Worte zur politischen Debattenkultur
In seiner täglichen Kolumne für BILD nimmt Harald Martenstein (72) Stellung zu den aktuellen politischen Auseinandersetzungen in Baden-Württemberg. Der erfahrene Journalist und Kolumnist richtet einen offenen Brief an CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel und setzt sich dabei grundsätzlich mit menschlicher Sexualität und politischer Moral auseinander.
Die Grundlagen menschlicher Anziehung
Sexualität ist nichts Böses oder Schmutziges, betont Martenstein gleich zu Beginn seiner Ausführungen. Fast jeder Mensch besitze die eine oder andere Sexualität, und man müsse sich dafür nicht schämen. Auch die meisten Frauen hätten sexuelle Wünsche, und Sex sei keine Erfindung der Männer. Der Sinn der sexuellen Anziehungskraft bestehe darin, Frauen und Männer zusammenzubringen, um den Fortbestand der Gattung zu sichern.
„Natürlich dürfen Menschen auch zum Vergnügen Sex haben“, stellt Martenstein klar. „Erlaubt ist, was Erwachsene freiwillig miteinander tun.“ Diese Selbstverständlichkeiten müsse man erwähnen, bevor man sich der politischen Situation in Baden-Württemberg zuwende.
Der konkrete Fall: Manuel Hagel und die braunen Augen
Kurz vor der Landtagswahl liege die CDU in den Umfragen vorn. Um das Blatt zu wenden, habe eine grüne Abgeordnete einen acht Jahre alten Filmausschnitt ins Netz gestellt, der zeigen solle, dass Hagel zum Ministerpräsidenten ungeeignet sei.
In dem Ausschnitt, als Hagel 29 Jahre alt war, spricht dieser über einen Schulbesuch. Eine Mädchenklasse mit 16-Jährigen sei dabei gewesen. Eine davon habe ihm besonders gefallen, gesteht Hagel, und er schwärmt von ihren braunen Augen.
„Das ist alles“, stellt Martenstein fest. „Es gab keinen Übergriff, kein aggressives Anbaggern. Gleichwohl soll dies, so das grüne Lager, ‚Sexismus‘ sein.“ Hagel habe lediglich die Augen des Mädchens gelobt – statt beispielsweise ihre Mathe-Kenntnisse.
Menschlichkeit versus politische Korrektheit
Was Hagel vorgeworfen werde, sei im Grunde, dass es sich bei ihm um einen Menschen handele und nicht um einen Roboter. „Ein junger Mann sieht ein Mädchen und ist bezaubert: Das kann passieren. Es passiert alle Tage. So ist das Leben“, argumentiert Martenstein.
Es sei kein Vergehen, Mensch zu sein. Es sei nicht mal ein Vergehen, ein Mann zu sein. Der Versuch, aus einer Banalität einen Skandal zu machen, sage viel aus über die innere Leere des Politikbetriebs.
Es gebe jede Menge echte Probleme und folglich jede Menge Gründe, die mutmaßlich Tüchtigsten in die wichtigen Ämter zu bringen. Ob jemand Moralvorschriften genüge, die schon 1970 überholt gewirkt hätten, dürfe man für unwichtig halten.
Politische Konsequenzen und Schlussfolgerungen
Martenstein ist überzeugt: „Dieser Schuss dürfte für die Grünen nach hinten losgehen.“ Der Hauptgeschädigte seien nicht Hagel, sondern Cem Özdemir.
Die Kolumne endet mit den charakteristischen Grußworten des Autors und dem Hinweis auf die Möglichkeit, Martenstein direkt zu schreiben. Der Text steht exemplarisch für Martensteins unverwechselbaren Stil: pointiert, persönlich und nicht selten provokant in seiner Direktheit.



