Streit um Eisbachwelle in München: Surfer fordern Wiedereröffnung trotz Haftungsfrage
Münchner Eisbachwelle: Surfer fordern Wiedereröffnung

Konflikt um Münchner Eisbachwelle erreicht neuen Höhepunkt

Die Debatte um die legendäre Eisbachwelle in München hat sich deutlich verschärft. Surferinnen, Surfer und zahlreiche Unterstützer fordern mit Nachdruck die Wiedereröffnung des weltbekannten Surfspots, obwohl die Stadtverwaltung weiterhin erhebliche Sicherheitsbedenken und ungeklärte Haftungsfragen ins Feld führt. Der CSU-Oberbürgermeisterkandidat Clemens Baumgärtner positioniert sich demonstrativ auf der Seite der Aktivisten und wirft der aktuellen Stadtführung ausdrücklich Untätigkeit sowie bloße Wahlkampf-Posen vor.

Demonstration für die Rückkehr der Welle

Am vergangenen Sonntag versammelten sich zahlreiche Menschen auf der Eisbachbrücke, um für die Rückkehr der Surfwelle zu protestieren. Organisiert wurde die Kundgebung von Conni Grundmann und Tanja Thaler, zwei engagierten Surferinnen. Die Menge hielt Schilder mit eindeutigen Botschaften in die Luft, darunter „Posen reicht nicht: Welle statt Wahlkampf“ mit einem Foto von Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) sowie „Make the Eisbach great again“. Auffallend fehlten bei der Demonstration lediglich die Surfer selbst in ihren Neoprenanzügen auf der eigentlich leeren Welle.

Tanja Thaler, eine begeisterte Surferin, verwies im Gespräch auf eine lange Tradition: „30 Jahre lang ist hier eigenverantwortlich gesurft worden“, betonte sie. Im Jahr 2022 wurde zwar die Rampe unter der Welle entfernt, doch durch einen glücklichen Zufall funktionierte die Welle weiter. Der tragische Unfall, bei dem im vergangenen Jahr eine Surferin ums Leben kam, werde nun „als Legitimation genommen“, die Welle dauerhaft zu sperren.

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Die zentrale Frage der Haftung

Das Kernproblem bleibt die ungeklärte Haftungsfrage. Tanja Thaler zieht einen deutlichen Vergleich: „Ich vergleiche das immer mit einem Klettersteig. Ein solcher wird jedes Jahr von der Bergwacht geprüft. Dann liegt es ja auch in der Eigenverantwortung der Kletterer, wenn sie ihn benutzen.“ Die Aktivistin unterstrich, dass die Surfgemeinschaft sogar bereit sei, eventuelle Schäden selbst zu reparieren. „Wir wollen nicht einmal, dass die Stadt Geld ausgibt“, stellte sie klar.

Ihre Mitstreiterin Conni Grundmann richtete deutliche Worte an die versammelte Menge: „Die Politik nutzt die Welle als Wahlprogramm. Aber leider passiert nichts“, kritisierte sie die ihrer Ansicht nach ausbleibenden konkreten Maßnahmen der Verantwortlichen.

Politischer Beistand von Clemens Baumgärtner

Unter den Demonstranten befand sich auch der CSU-Oberbürgermeisterkandidat Clemens Baumgärtner, der seine volle Unterstützung für die Anliegen der Surfer bekundete. „Ich habe immer gesagt, ich bin für die Surfwelle“, erklärte Baumgärtner und führte mehrere Gründe an. Zum einen gehe es um die Sportler selbst, zum anderen um den internationalen Ruf Münchens als Surfstadt. „Wir sind die einzige Stadt, die nicht am Meer liegt und trotzdem unter den 100 Top-Surf-Städten ist“, betonte er.

Baumgärtner zeigte sich unzufrieden damit, dass Politiker verschiedener Couleur sich zwar verbal hinter die Surfwelle stellen, diesen Worten aber keine Taten folgen lassen. Sein konkreter Vorschlag: „Erst einmal die ganzen Gutachten vorlegen, die sich mit der Haftung beschäftigen.“ Damit solle der Öffentlichkeit transparent gemacht werden, warum die Eisbachwelle weiterhin geschlossen bleibt.

Persönliche Betroffenheit der Anwohner

Sylvie van Luchem demonstrierte gemeinsam mit ihren beiden Söhnen Tommy und Elliott, die in unmittelbarer Nähe der Eisbachwelle aufgewachsen sind. Die Brüder waren fast täglich nach der Schule zum Surfen an der Welle. „Wir wollen das Freiheitsgefühl zurück“, forderten sie einstimmig. Für sie ist die Eisbachwelle ein identitätsstiftendes Element Münchens: „Das Oktoberfest, die Berge und die Welle. München ist nichts ohne die Welle.“

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Die emotionale Debatte zeigt, dass die Eisbachwelle weit mehr als nur ein Sportplatz ist. Sie symbolisiert für viele Münchner ein Stück Lebensgefühl und städtische Identität. Während die Surfgemeinschaft auf Eigenverantwortung und Tradition pocht, beharrt die Stadt auf rechtlichen und sicherheitstechnischen Bedenken. Die Lösung dieses Konflikts wird wohl weiterhin die Gemüter in der bayerischen Landeshauptstadt erhitzen.