Boris Palmer kritisiert Grüne: Sexismus-Vorwurf gegen CDU-Kandidat Hagel sei Wahlkampftaktik
Palmer kritisiert Grüne wegen Sexismus-Vorwurf gegen Hagel

Boris Palmer attackiert eigene Ex-Partei im Wahlkampf

In einer überraschenden Wendung im baden-württembergischen Landtagswahlkampf hat Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (53) seine ehemalige Partei, die Grünen, scharf kritisiert. Der parteilose Politiker, der selbst als möglicher Minister in einer künftigen grünen Landesregierung gehandelt wird, übt massive Kritik am Vorgehen der Grünen-Bundestagsabgeordneten Zoe Mayer (30).

Altes Video als Wahlkampfmittel?

Der Auslöser der Kontroverse ist ein acht Jahre altes Video, in dem der CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel (37) von einem Schulbesuch erzählt. In der Sendung „Auf ein Bier mit …“ des regionalen Senders Regio TV aus dem Jahr 2018 beschrieb der damalige CDU-Generalsekretär eine Schulklasse mit überwiegend Mädchen und erinnerte sich an eine Schülerin namens Eva mit „rehbraunen Augen“. Mayer hatte dieses Video geteilt und Hagel Sexismus vorgeworfen.

Palmer kritisiert in einem Facebook-Post nicht den Inhalt der Vorwürfe an sich, sondern den Zeitpunkt der Veröffentlichung. „Das berechtigte Anliegen, das Zoe Mayer umtreibt, hätte auch in zwei Wochen Aufmerksamkeit gefunden“, schreibt der Tübinger Oberbürgermeister. „Ein acht Jahre altes Video als Bundestagsabgeordnete der Grünen so kurz vor der Wahl zum Thema zu machen, erweckt bei vielen unweigerlich den Eindruck, es gehe gar nicht um die Sache, sondern nur darum, dem politischen Gegner zu schaden.“

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Palmer befürchtet Stimmenverluste für Grüne

Besonders brisant: Palmer, der im Wahlkampf den Grünen-Spitzenkandidaten Cem Özdemir unterstützt, befürchtet sogar negative Konsequenzen für seine ehemalige Partei. Er äußert die Sorge, dass das Vorgehen Mayers den Grünen im eng geführten Wahlkampf um das Ministerpräsidentenamt in Baden-Württemberg „sogar Stimmen kosten“ könnte.

In seinem Fazit stellt Palmer klar: „Das Problem ist also, dass ausgerechnet eine Bundestagsabgeordnete der Grünen 12 Tage vor der Wahl ein acht Jahre altes Video kommentiert und damit den Kandidaten der CDU für das Ministerpräsidentenamt zu beschädigen versucht.“ Der Oberbürgermeister betont, Mayer habe ihr Video nicht mit Özdemir abgestimmt und fügt hinzu: „Ich finde, es wäre besser gewesen, sie hätte das getan und mit ihrer berechtigten Kritik zwei Wochen gewartet.“

Mayer weist Vorwürfe zurück

Die Grünen-Politikerin Zoe Mayer weist die Vorwürfe Palmers entschieden zurück. Gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ erklärte sie, der Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung habe nichts mit der Landtagswahl zu tun. Vielmehr sei die Veröffentlichung des Hagel-Videos eine Reaktion auf eine vorangegangene Diskussion über sexistische Facebook-Nachrichten gewesen, die sie selbst als junge Frau erhalten habe.

„Ich hatte vergangene Woche eine längere Diskussion mit meinen Mitarbeitern über längere, sexistische Facebook-Nachrichten. Die bekam ich als junge Frau, da war ich 16 und schon politisch aktiv. Ich fand sie eklig“, so Mayer. Nach der Veröffentlichung ihres Videos zu diesen Erfahrungen habe ihr jemand das Interview mit Manuel Hagel zugeschickt. „Ein Timing gab es da nicht. Ich entschied mich dann am Montag, auch darüber ein Video zu machen.“

Die Kontroverse zeigt die hitzige Stimmung im Endspurt des baden-württembergischen Landtagswahlkampfs, bei dem sowohl CDU-Kandidat Manuel Hagel als auch Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir um das Ministerpräsidentenamt kämpfen. Palmers ungewöhnliche Kritik an seiner ehemaligen Partei unterstreicht die politischen Spannungen kurz vor der entscheidenden Abstimmung am 8. März.

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