Wenn jede Minute zählt, sind Landwirte und andere Betriebe oft schnell zur Stelle, um die Feuerwehren im Einsatz zu unterstützen. Etwa beim Wassertransport im vergangenen Februar in Pokrent, als eine Scheune in Brand geriet, oder im März, als Landwirte mit Teleskoplader und Trecker bei Rieps halfen, eine verunfallte Person aus einem Autowrack zu bergen. Viele Landwirte und Handwerksbetriebe engagieren sich in Notsituationen und stehen den Feuerwehren in der Region als wichtige Partner zur Seite. Damit diese Unterstützung künftig noch schneller und gezielter eingesetzt werden kann, soll der Einsatz der Helfer in Nordwestmecklenburg besser koordiniert werden – damit im Ernstfall keine wertvolle Zeit verloren geht.
Feuerwehren und Landwirte enger vernetzt
„Die Landwirte sind immer da und helfen uns, egal wie. Deshalb überlegte ich, wie man diese Zusammenarbeit noch weiter festigen könnte“, schildert Arne Borck. Und so suchte der seit Oktober vergangenen Jahres im Amt befindliche Kreiswehrführer Nordwestmecklenburgs nach einem Konzept beziehungsweise Instrument, mit dem die Unterstützung der Landwirte noch gezielter koordiniert werden könnte.
Bei einem Besuch im benachbarten Herzogtum Lauenburg erkundigte er sich deshalb, wie dort bei Feuerwehreinsätzen die Zusammenarbeit mit den Landwirten organisiert werde. Vor Ort erzählte man ihm von einer Initiative aus Süddeutschland namens „Redfarmer“, von der nach Bayern und Rheinland-Pfalz seit vergangenem Jahr auch Schleswig-Holstein Teil ist.
„Als ich abends wieder zu Hause war, habe ich mich also an meinen PC gesetzt und habe zu Redfarmer recherchiert“, sagt Borck. Der Kreiswehrführer war von dem Konzept überzeugt und kontaktierte den Initiator des Projekts in der Pfalz.
Landwirte und Technik in Datenportal hinterlegt
Redfarmer funktioniert im Grunde wie ein Datenportal. In diesem können sich Landwirte und Handwerksbetriebe eintragen, wenn sie bereit sind, im Falle eines Feuerwehreinsatzes in der Nähe die Kameraden zu unterstützen. Auch die jeweilige Technik, die ihnen dabei zur Verfügung stünde, sowie Kontaktmöglichkeiten hinterlegen sie auf der Internetseite.
Ob Tankfahrzeuge zum Wassertransport, Traktoren mit Scheibeneggen zum Anlegen von Schneisen bei Flächenbränden oder Radlader – die Einsatzleiter der Feuerwehren können auf der Internetseite im Ernstfall sehen, wo in einem 40 Kilometer Radius um den Einsatzort Technik abrufbar wäre und die Landwirte direkt kontaktieren. „Durch die Registrierung bei Redfarmer entsteht jedoch auch im Einsatzfall keine Pflicht, zu helfen“, betont der Kreiswehrführer.
Die Daten der Landwirte sind dabei geschützt, nur die Feuerwehren können auf diese zugreifen. „Wir werden über den Kreisfeuerwehrverband jeweils einen Code an die Feuerwehren herausgeben, über den sie sich bei Redfarmer einloggen können“, schildert Arne Borck.
Ziel ist es, langfristig die Informationen aus dem Datenportal auch an die Leitstelle anzubinden. „Sodass die Einsatzleiter der Feuerwehr, die ja vor Ort meist ganz viel im Kopf haben, einfach sagen können, sie bräuchten zum Beispiel von einem Landwirt eine Scheibenegge, und die Leitstelle dann im Portal nachschaut und den jeweiligen Landwirt in der Nähe kontaktiert“, schildert Arne Borck.
Wie aus den Angaben des Datenportals hervorgeht, ist die Teilnahme bei Redfarmer für alle Beteiligten kostenlos – und jeder Eintrag trägt dazu bei, dass die Feuerwehrleute und „roten Landwirte“ künftig noch schneller gemeinsam helfen können.



