Spitzenkandidaten im Fragebogen-Check: Wer wird König des Ländles?
Stuttgart – Die Spannung im Südwesten erreicht ihren Höhepunkt: Nur noch wenige Tage trennen Baden-Württemberg von der entscheidenden Landtagswahl am 8. März. Aktuelle Umfragen zeigen ein dramatisch enges Rennen zwischen den beiden führenden Kräften. Die CDU unter Manuel Hagel und die Grünen mit Cem Özdemir liegen nur noch ein bis zwei Prozentpunkte auseinander. Während eine Neuauflage der grün-schwarzen Koalition damit immer wahrscheinlicher wird, bleibt die Frage nach dem künftigen Ministerpräsidenten völlig offen. BILD am Sonntag hat den direkten Vergleich gewagt und beide Spitzenkandidaten zu ihren Positionen befragt.
Persönliche Vorbilder und politische Grundsätze
Manuel Hagel (37), christdemokratischer Spitzenkandidat, betont seine wirtschaftspolitische Ausrichtung: „So dieses eine Vorbild – im Sinne von ‚genau so will ich sein‘, habe ich nicht. Das Original gibt es immer nur einmal.“ Stattdessen nennt er eine Mischung aus Wirtschaftskompetenz, Geschwindigkeit und Arbeitsethos als seinen Stil. Sein christlicher Glaube sei „Quelle und Grenze meines Tuns“ und präge sein Politikverständnis fundamental.
Cem Özdemir (60), grüner Herausforderer, verweist auf eine ganze Reihe prägender Persönlichkeiten: „Alle Menschen, die sich für Freiheit und Menschlichkeit eingesetzt haben oder einsetzen.“ Von Willy Brandt über Richard von Weizsäcker bis zu Joschka Fischer und Winfried Kretschmann reicht seine Liste. Seine moralischen Leitlinien wurzeln in den Werten seiner Eltern: Anstand, Respekt, Fleiß und Achtung vor dem Anderen.
Kontroverse Positionen zu Bundeswehr und Migration
Beide Kandidaten bejahen die Frage nach einem möglichen Bundeswehrdienst für 18-Jährige heute. Hagel betont: „Ja – aus Überzeugung. Ich habe großen Respekt vor jeder und jedem, die das tun.“ Özdemir verweist auf seine eigenen Erfahrungen mit Truppenpraktika und die veränderte weltpolitische Lage.
In der Migrationsfrage zeigen sich deutliche Unterschiede. Hagel fordert: „Wir werden doch immer Migration brauchen – aber eben in unseren Arbeitsmarkt und nicht in die Sozialsysteme.“ Özdemir betont dagegen: „Baden-Württemberg ist ein Einwanderungsland und soll es bleiben.“ Beide fordern jedoch eine gesteuerte Zuwanderung und klare Grenzen bei irregulärer Migration.
Sicherheitspolitik und Wirtschaftsförderung
In Sicherheitsfragen zeigen sich beide Kandidaten überraschend einig. Sowohl Hagel als auch Özdemir setzen auf verstärkte Polizeipräsenz und den Ausbau KI-gestützter Videoüberwachung. Hagel will „mehr Personal, eine noch besseren Ausstattung und mehr rechtliche Möglichkeiten für unsere Landespolizei“. Özdemir verspricht eine „Einstellungsoffensive“ und Entlastung der Polizei von Bürokratie.
Wirtschaftspolitisch könnte der Unterschied kaum größer sein. Hagel attackiert den „grünen Kulturkampf gegen das Auto“ und fordert das Ende des Verbrennerverbots. Seine Vision: „Technologie ist der Schlüssel für die Zukunft.“ Dazu plant er eine KI-Universität. Özdemir setzt auf Deregulierung und Investitionen: „Weg mit unnötigen Vorschriften und Berichtspflichten, schnelle und einfache Verfahren.“ Neben der Automobilindustrie will er Gesundheitswirtschaft, KI, Verteidigung sowie Luft- und Raumfahrt stärken.
Die Konkurrenz im Hintergrund
Während CDU und Grünen um die Spitzenposition kämpfen, positioniert sich die AfD als dritte Kraft. Spitzenkandidat Markus Frohnmaier (35) setzt auf harte Einwanderungspolitik und Wirtschaftsförderung. Umfragen sehen die Partei bei 18 bis 19 Prozent – fast doppelt so viel wie 2021, aber deutlich unter dem Bundestrend. Innerparteiliche Kritik an Frohnmaiers Wahlkampftaktik wird laut.
Die SPD kämpft unter Andreas Stoch (56) gegen massiven Bedeutungsverlust. Umfragen sehen die Sozialdemokraten nur noch bei sieben bis neun Prozent. Ein peinlicher Vorfall mit französischen Pasteten während eines Tafel-Besuchs hat Stoch zusätzlich geschadet.
Die Linke tritt mit einem Dreier-Team an: Kim Sophie Bohnen (26), Amelie Vollmer (22) und Mersedeh Ghazaei (28). Ihr radikales Programm mit Enteignungen und Wahlrecht ab dreimonatigem Aufenthalt zielt auf enttäuschte Grünen-Wähler. Umfragen sehen die Partei bei sechs Prozent.
Für die FDP kämpft Hans-Ulrich Rülke (64) um den Verbleib im Landtag. Der Fraktions- und Landeschef schließt Koalitionen mit AfD und Grünen aus. Umfragen sehen die Liberalen knapp über der Fünf-Prozent-Hürde, Hoffnungen auf Regierungsbeteiligung haben sich jedoch weitgehend zerschlagen.
Persönliches und Privates
Beide Spitzenkandidaten verraten auch Privates. Hagel, verheiratet mit Franziska und Vater dreier Söhne, nennt seine Frau als wichtigsten politischen Ratgeber: „Sie hat ein unglaublich gutes Gespür für Menschen und Augenblicke.“ Auf die Frage nach Sparsamkeit antwortet er scherzhaft: „Derzeit spare ich vor allem an meiner Freizeit.“
Özdemir, der Mitte Februar in Tübingen die kanadische Juristin Falvia Zaka heiratete, betont: „Ich schalte Zuhause und bei der Arbeit stets das Licht aus, wenn es nicht benötigt wird.“ Seine Schwäche: gute regionale Küche und Plattenläden. Auch er nennt seine Frau als wichtige Ratgeberin.
Die Entscheidung liegt nun bei den Wählerinnen und Wählern Baden-Württembergs. Eines ist sicher: Das Rennen um die Villa Reitzenstein bleibt bis zur letzten Stimmenauszählung spannend.



