Wahlkampf-Panne in Baden-Württemberg: Stochs Tafel-Besuch endet mit Feinkost-Debatte
Gut eine Woche vor der entscheidenden Landtagswahl in Baden-Württemberg gerät SPD-Spitzenkandidat Andreas Stoch in eine unangenehme Situation. Was als demonstrativer Besuch bei der Tafel in Bühl begann, entwickelte sich durch eine anschließende private Einkaufsbitte an seinen Fahrer zu einer öffentlichen Kontroverse, die den Politiker nun zu einer Entschuldigung zwingt.
„Ich bin da in einen Fettnapf marschiert“
„Das bedauere ich sehr“, erklärte Stoch bei einem Podium der „Badischen Neuesten Nachrichten“ in Baden-Baden. Der Spitzenkandidat räumte ein, dass die Sequenz im Kontext des Tafel-Besuchs irritierend wirken müsse. „Auch bei dem Besuch bei der Tafel ging es mir um die vielen Menschen, die Unterstützung brauchen“, betonte Stoch und gestand: „Ich bin da in einen Fettnapf marschiert.“
Auslöser der Debatte war ein TV-Porträt des SWR, das den Politiker während seines Wahlkampfs begleitete. Nach dem Besuch im Tafelladen ist in dem Beitrag zu sehen, wie Stoch seinem Fahrer offenbar einen privaten Einkaufsauftrag erteilt.
Die Entenpastete-Affäre im Detail
Auf Nachfrage des SWR erklärte Stoch sein Verhalten: „Wenn ich in Baden unterwegs bin, nutze ich dies manchmal, um im benachbarten Frankreich bei einem Metzger einzukaufen.“ Der Politiker schwärmte: „Eine schöne Entenpastete ist was Herrliches. Die bekommt man hierzulande nicht in der Qualität und zu dem Preis.“
In dem Video ist zu hören, wie Stoch zu seinem Fahrer sagt: „Dann schickst du mir ein Bild von der Auslage und ich sage dir, was du mir bringst.“ Allerdings betonte der SPD-Chef später, dass es zu dem geplanten Einkauf letztlich gar nicht gekommen sei. Beim „BNN“-Podium präzisierte er: „Es ging tatsächlich um Leberwurst. Und die kostet 1,80 Euro pro 100 Gramm.“
Kritik aus der Bevölkerung
Unter dem SWR-Film auf YouTube häufen sich inzwischen kritische Kommentare. Ein Nutzer schreibt: „Unfassbar“, während ein anderer User dem Politiker vorwirft, Wasser zu predigen und selbst Wein zu trinken. Besonders deutlich wird ein weiterer Kommentar: „Gerade von einem SPD-Kandidaten aus Baden-Württemberg sollte man mehr politische Sensibilität erwarten.“
Wahlkampf im Südwesten
Die Affäre trifft Stoch in einer heißen Phase des Wahlkampfs. Vor allem Grüne und CDU buhlen um das Amt des Ministerpräsidenten, wobei CDU-Spitzenkandidat Hagel gegen Cem Özdemir von den Grünen antritt. Interessant ist die aktuelle Umfragelage: Während die CDU lange klar in Führung lag, zeichnet sich nach jüngsten Erhebungen ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit den Grünen ab. Die SPD hingegen kommt in Umfragen zuletzt nur auf etwa 7 Prozent.
Bemerkenswert ist, dass erst vor wenigen Tagen auch CDU-Spitzenmann Hagel nach Bekanntwerden eines Videos in die Kritik geraten war. Die Landtagswahl am 8. März verspricht somit spannend zu werden, wobei die aktuelle Debatte um Stochs Tafel-Besuch und den anschließenden Feinkost-Auftrag die politische Sensibilität im Wahlkampf einmal mehr in den Fokus rückt.



