Molkerei-Milliardär mischt sich in baden-württembergische Regierungsbildung ein
Der bekannte Milchunternehmer Theo Müller (86) hat sich mit einer brisanten Forderung in die politischen Verhandlungen nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg eingeschaltet. Der Chef der Müllermilch-Gruppe und langjährige CSU-Anhänger erklärte in einem Interview, die CDU solle eine Zusammenarbeit mit der AfD in Betracht ziehen.
Knappes Wahlergebnis führt zu Regierungspoker
Bei der Landtagswahl am 8. März wurden die Grünen mit 30,2 Prozent zwar stärkste Kraft, doch die CDU landete mit 29,7 Prozent nur knapp dahinter. Im neuen Landtag verfügen beide Parteien über gleich viele Sitze, was die Regierungsbildung erheblich erschwert. Die Grünen beanspruchen trotzdem das Amt des Ministerpräsidenten für sich.
Aus der CDU kam der Vorschlag, den Regierungschef nach der Hälfte der Legislaturperiode auszutauschen – zunächst einen grünen, dann einen schwarzen Ministerpräsidenten. Doch Cem Özdemir (60), Spitzenkandidat der Grünen, lehnte diesen Vorschlag ab.
Müllers klare Empfehlung an die CDU
Theo Müller, selbst seit über drei Jahrzehnten CSU-Mitglied, widerspricht der bisherigen Verhandlungsstrategie der CDU deutlich. „Die CDU muss sich nicht kleinmachen und Juniorpartner von Cem Özdemir werden“, sagte der Unternehmer. „Sie könnte stattdessen auch mit der AfD regieren oder sich von ihr dulden lassen.“
Sein konkreter Rat an die Schwesterpartei lautet: Angriff statt Kompromiss. „Auf jeden Fall sollte die CDU bei der Wahl des Ministerpräsidenten im Landtag einen eigenen Kandidaten ins Rennen schicken“, forderte Müller. „Die Wahl ist geheim. Wer dort am Ende wen wählt, weiß niemand.“
Lob für AfD-Spitzenpolitiker Frohnmaier
Der Milchmilliardär ging in seinen Aussagen noch weiter und äußerte sich positiv über AfD-Spitzenmann Markus Frohnmaier (35). Müller sagte, Frohnmaier mache „einen sehr guten Eindruck“. Konkret erklärte er: „Ich wüsste nicht, was gegen eine CDU-geführte Landesregierung spricht, die mit der AfD von Herrn Frohnmaier zusammen regiert.“
Frohnmaier, der als Vize der AfD-Bundestagsfraktion und Vertrauter von Co-Parteichefin Alice Weidel (47) gilt, war im Endspurt des Wahlkampfs in die USA gereist, um Kontakte zur Bewegung von Ex-Präsident Donald Trump (79) zu pflegen. In der Vergangenheit war der Politiker vor allem wegen seiner Russland-Nähe aufgefallen, außerdem soll er in der rechtsextremen „German Defense League“ aktiv gewesen sein.
Müllers eigenes Verhältnis zur AfD
Die Frage nach Theo Müllers persönlichem Verhältnis zur AfD beantwortete der Unternehmer in einem früheren Interview mit der „Neuen Zürcher Zeitung“ im Jahr 2024 mit den Worten: „Irgendwas dazwischen.“ Diese Aussage gewinnt vor dem Hintergrund seiner aktuellen Forderungen neue Brisanz.
Zeitplan für die Regierungsbildung
Der neu gewählte Landtag von Baden-Württemberg tritt am 12. Mai erstmals zusammen. Bereits einen Tag später, am 13. Mai, soll der Ministerpräsident gewählt werden. Bisher schließt die CDU eine Zusammenarbeit mit der AfD offiziell aus, doch die Intervention des einflussreichen Unternehmers könnte diese Position ins Wanken bringen.
Die politische Landschaft in Baden-Württemberg steht somit vor einer entscheidenden Weichenstellung. Die Forderungen des milliardenschweren Milchunternehmers werfen die Frage auf, ob wirtschaftliche Einflüsse die demokratischen Prozesse bei der Regierungsbildung verändern könnten.



