Großeinsatz im Engelbergtunnel: Feuerwehr-Professor erklärt die besonderen Gefahren
Ein verheerender Brand im Engelbergtunnel auf der Autobahn 81 bei Leonberg in Baden-Württemberg sorgte am Dienstag für einen massiven Großeinsatz der Rettungskräfte. Insgesamt 386 Einsatzkräfte mit 57 Fahrzeugen waren im Einsatz, um das Feuer zu bekämpfen. Drei Personen wurden bei dem Vorfall verletzt. Professor Roland Goertz, Direktor des Feuerwehrwissenschaftlichen Instituts der Universität Wuppertal, erläutert im Detail, warum Tunnelbrände zu den gefährlichsten Szenarien im Straßenverkehr zählen und wie sich Betroffene im Ernstfall richtig verhalten sollten.
Warum Tunnelbrände so gefährlich sind
Glücklicherweise stoppte der Fahrer den brennenden Lkw, der mit Kühlschränken beladen war, direkt am Tunneleingang des viel befahrenen Engelbergtunnels. Dieser Tunnel erstreckt sich über etwa 2,5 Kilometer Länge und besteht aus zwei separaten Röhren, die durch Querschläge als Rettungs- und Fluchtwege verbunden sind. Dennoch betont Professor Goertz: „Ein Feuer in einem Autobahntunnel stellt ein Hochrisiko-Szenario dar. Der Brand im Engelbergtunnel war ein typisches und sehr anspruchsvolles Einsatzszenario für die Feuerwehr. Tunnelbrände gehören zu den komplexesten Lagen im gesamten Straßenverkehr.“
Roland Goertz, 56 Jahre alt, ist Professor für chemische Sicherheit und abwehrenden Brandschutz an der Universität Wuppertal. Er erklärt, dass im Tunnel Rauch und Hitze nicht einfach nach oben abziehen oder sich seitlich ausbreiten können. „Dadurch breitet sich Rauch im Tunnel in der Regel deutlich schneller aus als bei vergleichbaren Bränden im Freien – häufig drei- bis fünfmal schneller. Für Personen im Tunnel entsteht sehr rasch eine kritische Situation durch Sichtbehinderung, Hitze und toxische Brandgase.“ Viele Fahrer bemerken einen Brand erst, wenn sie sich bereits im Tunnel befinden, da der Rauch dort besser sichtbar ist. Wenn sie dann ihr Fahrzeug im Tunnel anhalten, kann sich das Feuer laut dem Experten schlagartig entwickeln.
Richtiges Verhalten im Notfall: Lebensrettende Tipps
Was sollten Autofahrer tun, wenn im Tunnel vor ihnen ein Fahrzeug brennt? Professor Goertz gibt klare Empfehlungen: „Eine Rettungsgasse bilden, das Fahrzeug verlassen und sich auf dem kürzesten Weg über die ausgeschilderten Rettungswege in Sicherheit bringen. Typischerweise sind die Rettungsweglängen auf der Beschilderung angegeben.“ Das Bilden der Rettungsgasse ist nach seiner Einschätzung von entscheidender Bedeutung, da es im Tunnel sehr eng ist und die Feuerwehr sich sonst kaum bewegen kann.
Nach dem Brand im Engelbergtunnel sind von dem Lastwagen nur noch Trümmer übrig geblieben. Dieser Vorfall unterstreicht die Wichtigkeit von Präventionsmaßnahmen und korrektem Verhalten in solchen Extremsituationen. Die Feuerwehr arbeitete unter Atemschutz, um das Feuer zu löschen, und demonstrierte dabei den hohen Einsatzstandard, der bei Tunnelbränden erforderlich ist.
Die Kombination aus beengten Verhältnissen, schneller Rauchausbreitung und potenziell giftigen Gasen macht Tunnelbrände zu einer ernsthaften Bedrohung für die öffentliche Sicherheit. Daher sind Aufklärung und regelmäßige Schulungen für alle Verkehrsteilnehmer unerlässlich, um im Ernstfall richtig reagieren zu können.



