Das Aus für eine regionale Käse-Ikone: Uckerkaas-Produktion wird eingestellt
In der Uckermark nahe Prenzlau geht eine Ära zu Ende. Die seit 1999 produzierte regionale Käsespezialität Uckerkaas wird nach 25 Jahren aus den Regalen verschwinden. Die Entscheidung fiel der niederländischen Gründerfamilie Wolters nicht leicht, wie die 23-jährige Enkelin und Junior-Chefin Amy Wolters im Gespräch betont.
Tradition seit der Wende
Seit Anfang der 1990er Jahre hat die Familie Wolters in Bandelow nicht nur Landwirtschaft betrieben und Milchvieh gezüchtet, sondern auch nach traditioneller holländischer Art Käse produziert. Aus der selbstproduzierten Milch entstanden über die Jahre beliebte Spezialitäten in Geschmacksrichtungen wie Kümmel, Gartenkräuter und Bärlauch. Die Erzeugnisse entwickelten sich zu einer regionalen Marke mit hervorragendem Ruf, die deutschlandweit in Regalen und auf Frühstücksbüfetts zu finden war.
Gründe für das Ende der Käseproduktion
Verkaufsleiterin Nancy Dräger, seit 21 Jahren im Unternehmen tätig, bestätigte gegenüber dem Nordkurier: „Der Verkauf des eigenen Käses läuft Ende 2026 aus.“ Als Hauptgründe nannte die Geschäftsführung:
- Stark gestiegene Energiepreise
- Wachsende regulatorische Anforderungen
- Zunehmender wirtschaftlicher Druck auf kleine handwerkliche Betriebe
Amy Wolters bedauerte: „Diese Entscheidung ist der Familie nicht leicht gefallen, da der Käse einst den Ursprung der gesamten Entwicklung markierte.“
Zukunftsperspektiven für Q-Regio
Das Unternehmen stellt die Weichen für die Zukunft. Während die eigene Käseproduktion eingestellt wird, bleiben andere Produkte im Programm:
- Das begehrte Eis und Softeis wird weiterproduziert
- Fruchtaufstriche, Liköre und Sirupe der Marke ‚Uckermärker Fruchtzauber‘ bleiben im Sortiment
- Die Produktion dieser Artikel soll künftig direkt in der Q-Regio-Halle in Bandelow erfolgen
Für die Eisproduktion wird weiterhin die eigene Milch aus der Herde verwendet – ein wichtiger Bestandteil der transparenten Wertschöpfungskette.
Neue Strukturen und frischer Wind
Der Generationswechsel von Gründer zu Enkelin bringt Veränderungen mit sich. Sichtbar wird dies durch die Eröffnung des neuen Hofladens in der Q-Regio-Halle, wo das bisherige ‚Käsestübchen‘ umverlagert wurde. „Wir schaffen an zentraler Stelle ein moderneres, vielfältigeres Einkaufserlebnis“, erklärt Amy Wolters.
Käse wird auch in Zukunft im Sortiment bleiben – jedoch bezogen von ausgewählten Partnerbetrieben. Dazu gehören traditionelle Hersteller aus der niederländischen Heimat der Familie Wolters sowie andere regionale Manufakturen.
Positive Nachrichten für Mitarbeiter und Kunden
Trotz der Umstrukturierung gibt es gute Nachrichten:
- Es wird laut Geschäftsführung keine Kündigungen geben
- Das Q-Regio-Sortiment mit über tausend Erzeugnissen bleibt erhalten
- 70 Prozent der Lieferungen gehen an Wiederverkäufer, 30 Prozent an Privatkunden
- Der Online-Shop, mehrfach als bester Online-Shop prämiert, bleibt in Betrieb
Verkaufsleiterin Nancy Dräger bilanziert: „2026 ist nach einem eher durchwachsenen letzten Jahr erstaunlich positiv gestartet. Die Umsatzzahlen machen Hoffnung für eine Ära nach dem Uckerkaas.“
Wer noch einen der beliebten Käselaibe probieren möchte, sollte sich beeilen. Die verbleibende Produktion läuft bis Ende 2026 aus, dann verschwindet die regionale Spezialität endgültig aus den Läden. Das Unternehmen Q-Regio mit seinem florierenden Handel einheimischer Produkte bleibt jedoch erhalten und entwickelt sich unter neuer Führung weiter.



