Die dunkle Geschichte der Burg Werdenfels: Hexenverfolgung im 16. Jahrhundert
Die Burgruine Werdenfels bei Garmisch-Partenkirchen in Bayern trägt den düsteren Beinamen „Hexenburg“ – und das nicht ohne Grund. Heute zeugen nur noch verfallene Mauern von einem der grausamsten Kapitel der Regionalgeschichte, bei dem zwischen 1589 und 1592 insgesamt 51 Menschen als angebliche Hexen gefoltert und hingerichtet wurden.
Der Beginn einer tödlichen Verfolgungswelle
Auslöser der Hexenjagd war eine giftige Mischung aus Aberglauben, Angst und sozialer Unsicherheit. Die Bevölkerung litt unter Pestausbrüchen, Missernten und allgemeiner Verunsicherung, was dazu führte, dass man nach Sündenböcken suchte. Am 28. September 1589 wurde mit der 55-jährigen Ursula Klöck die erste Verdächtige verhaftet – der Beginn einer zweijährigen Eskalation.
Ein lokaler Fischer hatte Klöck beschuldigt, sein Vieh verhext zu haben. Ein absurder „Beweistest“ mit einem kochenden Tontopf sollte ihre Schuld beweisen: Als der Topf zersprang und Klöck kurz darauf erschien, wurde dies als untrügliches Zeichen ihrer Hexerei gewertet. Sie wurde auf die Burg gebracht – und blieb nicht lange die Einzige.
Folter, Scheinprozesse und grausame Hinrichtungen
Bereits wenige Tage nach Klöcks Verhaftung saßen weitere Frauen in den Kerkern von Werdenfels, darunter eine 80-Jährige. Da Geständnisse zunächst ausblieben, begann am 20. Oktober 1589 die systematische Folter. Unter unvorstellbaren Schmerzen belasteten die Gefangenen andere Personen – teilweise sogar eigene Familienmitglieder –, was die Verfolgungswelle immer weiter ausdehnte.
In sogenannten „Malefiztagen“ wurden die Angeklagten in Scheinprozessen abgeurteilt. Ein Mitarbeiter des Stadtarchivs Garmisch-Partenkirchen erklärt dazu: „Natürlich waren diese Prozesse eine Farce. Die Urteile standen von vornherein fest.“ Die meisten Verurteilten endeten auf dem Scheiterhaufen.
Die Hinrichtungsmethoden waren besonders grausam: Einige Opfer wurden bei lebendigem Leib verbrannt. Selbst der zuständige Verwalter Caspar Poißl zeigte sich davon so schockiert, dass er anordnete, Verurteilte vor der Verbrennung zu erdrosseln. Doch diese humanere Praxis hielt nicht lange an – bald wurden wieder Menschen bei vollem Bewusstsein den Flammen übergeben. Der einzige männliche Verurteilte wurde vor seiner Hinrichtung sogar gerädert.
Das Ende der Verfolgungen und das heutige Erbe
Erst als auch wohlhabende und angesehene Familien von den Verfolgungen betroffen waren, kippte die Stimmung in der Bevölkerung. Verdächtige wurden versteckt, der Druck auf die Verantwortlichen wuchs. Anfang 1592 setzte sich Verwalter Poißl schließlich persönlich für die Freilassung der letzten Gefangenen ein – damit endeten die Hexenverfolgungen in Werdenfels.
Die Burg selbst wurde 1730 abgetragen, ihre Steine für den Bau einer Kirche verwendet. Das historische Geschehen ist bis heute nur teilweise aufgearbeitet. Aus dem Stadtarchiv heißt es: „Erinnerungskulturell ist dieses Kapitel bis heute nicht richtig aufgearbeitet.“
Trotz – oder vielleicht gerade wegen – ihrer düsteren Geschichte zieht die Ruine heute Besucher an, die sich für dieses dunkle Kapitel der bayerischen Regionalgeschichte interessieren. Die Ereignisse auf Burg Werdenfels stehen exemplarisch für die Hexenverfolgungen, die im 16. und 17. Jahrhundert in vielen Teilen Europas stattfanden und Tausende Menschen das Leben kosteten.



