Münchner Nahverkehrs-Streik: Wirte und Händler beklagen massive Umsatzeinbrüche und Frust
Münchner Nahverkehrs-Streik: Wirte und Händler klagen über Umsatzeinbrüche

Münchner Nahverkehrs-Streik: Wirte und Händler beklagen massive Umsatzeinbrüche und Frust

Der erneute Nahverkehrs-Streik in München legt nicht nur Busse und Bahnen lahm, sondern trifft Wirte, Händler und ihre Beschäftigten ins Mark. Massive Umsatzeinbrüche, Lohneinbußen und Frust über fehlende Unterstützung bringen viele Innenstadtbetriebe an ihre Belastungsgrenze. Die Situation offenbart die Abhängigkeit der Münchner Wirtschaft von einem funktionierenden öffentlichen Personennahverkehr.

Gastronomie leidet unter massiven Umsatzverlusten

Gastronom und Wiesn-Wirt Lorenz Stiftl, der mehrere Lokale in der Stadt betreibt, darunter den Spöckmeier am Marienplatz, berichtet von dramatischen Einbrüchen. "Du kannst davon ausgehen, dass es etwa die Hälfte weniger ist", so Stiftl im Interview. Für ihn ist die Laufkundschaft fast unverzichtbar, bleibt sie aus, bricht der Umsatz deutlich ein. Die Situation trifft nicht nur ihn selbst hart, auch für die Belegschaft sei sie eine große Belastung, da viele Mitarbeiter nach Umsatz bezahlt werden.

Logistische Herausforderungen für Beschäftigte

Die Anreise zur Arbeit gestaltet sich während der Streiktage äußerst schwierig. Viele Mitarbeiter müssen auf Taxis oder Uber zurückgreifen, was zu Verspätungen führt. Leandros Schenk, Geschäftsführer vom Baricentro am Sebastiansplatz, erzählt: "Ich habe in der Vergangenheit schon meinen Koch oder meinen Barmann mit dem Auto abgeholt." Andjelko Kaser, Store-Manager im Modeladen Vintage Revivals, berichtet von einer Kollegin, die bei Streiks die Nacht vorher bei Kollegen oder Freunden übernachtet, um pünktlich zur Arbeit zu kommen.

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Einzelhandel verzeichnet deutliche Umsatzrückgänge

Nicht nur die Gastronomie, auch der Einzelhandel leidet massiv unter den Streiktagen. Im Second-Hand-Shop Vintage Revivals bleiben Kunden fern, was zu Umsatzeinbrüchen von 20 bis 30 Prozent führt. Besonders hart trifft es die Betreiber der vielen Standl um den Marienplatz herum, deren Geschäft fast vollständig von Laufkundschaft abhängig ist. Ein anonym bleibender Blumenverkäufer fordert wütend: "Weniger streiken, mehr arbeiten!"

Frust über fehlende Unterstützung und Priorisierung

Leandros Schenk äußert Unverständnis über bestimmte Entscheidungen während der Streiks. Dass die U-Bahn bei Heimspielen des FC Bayern trotz Streik nach Fröttmaning fährt, wundert ihn: "Da frage ich mich: Was ist euch denn wichtiger? Die eigene Wirtschaft im Sinne der mittelständischen Unternehmen oder das Fußballspiel?" Von der Stadt München wünscht sich der 24-jährige mehr Unterstützung. Seine Meinung nach sollte die oberste Priorität sein, "dass die Erwerbstätigen in die Arbeit kommen können."

Traurigkeit über unverkaufte Waren

Obst- und Gemüsehändlerin Nusha Zeqiraj vom Nebenstand am Marienplatz zeigt sich traurig über die Situation. "Es ist schade, wenn man so viele schöne Sachen aufbaut und dann nicht verkaufen kann", sagt sie. Während Gastronom Lorenz Stiftl betont, grundsätzlich nichts gegen Gewerkschaften zu haben, fehlt ihm inzwischen das Verständnis für die extremen Ausmaße der aktuellen Streiks: "Früher gab es auch schon Streiks, aber diese Extreme gab es so nicht."

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