Markus Söders kuriose Rechenkünste beim politischen Aschermittwoch
Beim politischen Aschermittwoch der CSU in Passau spielen Zahlen traditionell eine untergeordnete Rolle. Doch dieses Jahr überraschte CSU-Chef Markus Söder mit Berechnungen, die mit herkömmlicher Mathematik schwer in Einklang zu bringen sind. Der bayerische Ministerpräsident erregte sich erneut über die zwölf Milliarden Euro, die der Freistaat 2026 für den Länderfinanzausgleich abführen muss.
Die Bier-Rechnung, die nicht aufgeht
Markus Söder behauptete, mit dieser Summe könnte man jedem Erdbewohner eine Oktoberfest-Maß spendieren. Doch ein aufmerksamer Zeitungsleser aus dem unterfränkischen Miltenberg nahm den Taschenrechner zur Hand und stellte fest: Bei etwa 8,3 Milliarden Menschen dürfte die Maß nicht mehr als 1,45 Euro kosten. Tatsächlich verlangten die Wirte beim vergangenen Oktoberfest für die Maß ziemlich genau das Zehnfache. Selbst wenn man Bevölkerungsgruppen, denen aus religiösen Gründen Alkoholgenuss untersagt ist, sowie Minderjährige abzieht, geht Söders Rechnung bei Weitem nicht auf.
Architektonische Vergleiche unter der Lupe
Weiter behauptete der bayerische Regierungschef, mit dem Beitrag Bayerns zum Länderfinanzausgleich könnte man 13 Elbphilharmonien bauen. Bei Endkosten von 866 Millionen Euro für das Hamburger Wahrzeichen kommt diese Rechnung in etwa hin. Noch erstaunlicher ist Söders Aussage, der Freistaat könnte sich mit den zwölf Milliarden Euro 17-mal alle Schlösser und Burgen von Märchenkönig Ludwig II. leisten. Nach heutigen Maßstäben gingen Neuschwanstein, Herrenchiemsee, Linderhof und das Jagdschloss Schachen inflationsbereinigt für rund eine viertel Milliarde Euro her – geradezu ein Schnäppchen.
Fußballarena-Rechnung mit Interpretationsspielraum
Über Söders Behauptung, mit den Finanzausgleichs-Milliarden hätten 34 Münchner Allianz-Arenen errichtet werden können, kann man sich streiten. Wenn man die reinen Baukosten für das Stadion in Höhe von 340 Millionen Euro heranzieht, geht die Rechnung auf. Bezieht man jedoch den erheblichen Aufwand für die Infrastrukturmaßnahmen rund um die Arena mit ein (insgesamt 600 Millionen Euro), käme man beim 34-Fachen auf mehr als 20 Milliarden Euro.
Schon in früheren Jahren überraschte die CSU beim Aschermittwoch mit Aussagen über die Zahl der Zuhörer, die nicht stimmen konnten, weil die Dreiländerhalle so viele Menschen beim besten Willen nicht fassen kann. Dieses Mal zeigte sich, dass auch bei finanziellen Vergleichen eine gewisse kreative Freiheit herrscht.



