Der Anna-Seghers-Preis 2026 geht an die chilenische Autorin Daniela Catrileo und die deutsche Schriftstellerin Sonja M. Schultz. Die mit jeweils 12.500 Euro dotierte Auszeichnung der Anna-Seghers-Stiftung wird am 6. Juni in der Akademie der Künste Berlin verliehen, wie die Stiftung mitteilte. Die Verleihung findet im jährlichen Wechsel zwischen Mainz und Berlin statt.
Brückenbauer zwischen deutschen und lateinamerikanischen Literaturen
Der Anna-Seghers-Preis wird laut Stiftung an junge Autorinnen und Autoren aus dem deutschen Sprachraum und aus Lateinamerika verliehen, die im Sinne von Anna Seghers eine Brücke zwischen beiden literarischen Welten schlagen und mit ihren Werken für eine gerechtere Welt eintreten.
Daniela Catrileo: Stimme der Mapuche-Kultur
Die 1987 in Chile geborene Autorin und Philosophie-Dozentin Daniela Catrileo wuchs zweisprachig auf: Spanisch und Mapundungun, die Sprache des indigenen Volkes der Mapuche. Ihre Erzählungen, Romane und Essays konzentrieren sich auf Formen von rassistisch und sexistisch motivierter Gewalt, hieß es. Eine Jurorin betonte, dass Catrileo sich aller Mittel und Gattungen der Literatur sowie der mündlichen Ausdrucksformen der Mapuche-Kultur bediene – und darüber hinaus auch der Musik, der bildenden Künste und der Performance.
Sonja M. Schultz: Rebellion in der DDR
Die 1975 im Umland von Hamburg geborene und in Berlin lebende Preisträgerin Sonja M. Schultz veröffentlichte 2019 ihr viel beachtetes Romandebüt „Hundesohn“. Ihr zweiter Roman „Mauerpogo“ aus dem Jahr 2025 stellt junge rebellische Menschen in den erzählerischen Mittelpunkt, die in einem nicht mehr existierenden Land leben, der DDR. Es gehe um die Selbstbehauptung von Jugendlichen, „die in das normative Wertesystem einer Gesellschaft nicht passen wollen“, wurde ein Juror zitiert.
Die feierliche Preisverleihung findet am 6. Juni in der Akademie der Künste in Berlin statt. Die Stiftung würdigt mit dem Preis das literarische Schaffen der beiden Autorinnen und ihren Beitrag zum interkulturellen Dialog.



