Kommunikation in der Krise: Bahn reagiert, Berliner Senat bleibt stur
Es gibt Situationen, in denen selbst professionelle Kommunikation zur absoluten Fehlleistung wird. Nicht aufgrund mangelnder Qualität, sondern weil der Zeitpunkt und die Botschaft völlig unpassend sind. Die Deutsche Bahn stand kürzlich genau vor diesem Dilemma.
Eigentlich ist es völlig legitim und sogar notwendig, dass ein Unternehmen wie die Deutsche Bahn für sein Image wirbt. Die aktuellen Werbespots mit der bekannten Komikerin Anke Engelke sind zweifellos professionell produziert, klug konzipiert und humorvoll umgesetzt. Doch Kommunikation existiert niemals im luftleeren Raum.
Die tragische Realität verdrängt die Werbebilder
Nach der tragischen Tötung eines Fahrscheinkontrolleurs wirkte der augenzwinkernde Imagefilm der Bahn plötzlich unangemessen und geschmacklos. Die Realität eines gewaltsamen Todes stand in scharfem Kontrast zu den heiteren Werbebildern. In dieser sensiblen Situation erkannte das Bahn-Management schließlich die Notwendigkeit zum Handeln.
Die Deutsche Bahn zog Konsequenzen und stoppte die gesamte Kampagne – zwar etwas spät, aber dennoch nachvollziehbar. Diese Entscheidung zeigt zumindest ein gewisses Maß an Einsicht und Sensibilität für die aktuelle Stimmungslage.
Berliner Senat agiert diametral entgegengesetzt
Völlig anders verhält sich dagegen der Berliner Senat in vergleichbaren Krisensituationen. Während Stromausfälle, gefährliches Glatteis und chaotische Verkehrsverhältnisse das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger massiv erschüttern, posten führende Mitglieder des Senats unbeirrt weiter ihre Erfolgsmeldungen und Selbstinszenierungen.
Diese beharrliche Weigerung, die Kommunikation der realen Krise anzupassen, steht in krassem Gegensatz zum Vorgehen der Deutschen Bahn. Krisen dulden keine Wohlfühlbilder, wenn die Realität dringende Probleme und echte Gefahren zeigt. Die Sturheit der Hauptstadt-Politik in kommunikativen Fragen wird von vielen Beobachtern kritisch bewertet.
Während die Bahn ihre Werbekampagne zurückzog, um Respekt vor der Tragödie zu zeigen, scheint der Berliner Senat in einer Parallelwelt der Selbstbeweihräucherung zu verharren. Diese unterschiedlichen Herangehensweisen werfen grundsätzliche Fragen über verantwortungsvolle Kommunikation in schwierigen Zeiten auf.



