Berliner Bürgersteige geben nach: Drei Kehrmaschinen-Einbrüche in einer Woche
In der deutschen Hauptstadt Berlin kommt es derzeit zu einer beunruhigenden Serie von Unfällen: Innerhalb weniger Tage sind gleich drei Kehrmaschinen in Gehwege eingebrochen und haben dabei teilweise beträchtliche Schäden verursacht. Die Vorfälle werfen Fragen nach der Stabilität der Berliner Infrastruktur auf.
Dramatische Szenen in Steglitz, Mitte und Zehlendorf
Den Auftakt machte am Dienstag ein Vorfall in der Schloßstraße im Bezirk Steglitz. Vor dem Einkaufszentrum „Das Schloss“ sackte der Gehweg plötzlich weg, als eine Kehrmaschine der Berliner Stadtreinigung (BSR) dort ihren Dienst verrichtete. Das Fahrzeug fiel in ein etwa zwei Meter tiefes Loch, das sich direkt über der U-Bahn-Linie U9 gebildet hatte.
„Der Oberstreifen des Gehweges hat nachgegeben und es ist zu einer Versackung gekommen“, erklärte ein Sprecher des Bezirksamts Steglitz-Zehlendorf gegenüber Medien. Als Grundursache wird eine vermoderte Holzschalung unter der Straßenoberfläche vermutet. Der Vorfall hatte unmittelbare Auswirkungen auf den öffentlichen Nahverkehr: Die U9-Linie zwischen Bundesplatz und Rathaus Steglitz musste vorübergehend gesperrt werden.
Weitere Einbrüche folgen
Nur zwei Tage später, am Donnerstagmorgen, wiederholte sich das Szenario in der Almstadtstraße im Bezirk Mitte. Auch hier brach eine Kehrmaschine in den Bürgersteig ein. Die Berliner Feuerwehr musste mit hydraulischem Spezialgerät anrücken, um das Fahrzeug zu bergen. „Es ist dann eigenständig aus dem Loch gerollt“, berichtete ein Feuerwehrsprecher. Verletzt wurde bei diesem Vorfall niemand.
Untersuchungen ergaben, dass an der Unglücksstelle etwa ein Viertel Kubikmeter Erdreich fehlte. Die Ursache dafür bleibt vorerst unklar. Ein Trinkwasserrohrbruch konnte ausgeschlossen werden, ebenso wie Probleme mit dem Abwasserkanal, der mit einem Roboter untersucht wurde.
Klinik-Gärtner wird zum Opfer
Den vorläufigen Höhepunkt der Serie bildete ein weiterer Vorfall am Freitag an der Argentinischen Allee in Zehlendorf. Diesmal war keine BSR-Maschine betroffen, sondern der hauseigene Kehrwagen des Krankenhauses Waldfriede. Der Klinik-Gärtner wollte den Bereich vor dem Krankenhaus säubern, als das rechte Hinterrad der Maschine etwa 40 Zentimeter tief im Bürgersteig versank.
Erste Vermutungen deuten darauf hin, dass der Gehweg an dieser Stelle möglicherweise unterspült war. Der Vorfall ereignete sich direkt an der Ecke Fischerhüttenstraße und verdeutlicht erneut die Fragilität mancher Berliner Gehwegkonstruktionen.
Gewichtsproblematik und Reaktionen
Die Berliner Feuerwehr gibt zu bedenken, dass selbst kleine Kehrmaschinen ein erhebliches Gewicht aufweisen. „Eine kleine Kehrmaschine wiegt leer in der Regel rund 2,5 Tonnen“, erklärt ein Sprecher. Hinzu komme noch etwa eine Tonne Zuladung, was ein zulässiges Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen ergibt – eine Belastung, die offenbar nicht alle Berliner Gehwege dauerhaft tragen können.
Die Berliner Stadtreinigung zeigt sich besorgt über die Vorfälle. Ein BSR-Sprecher teilte mit: „Die Ermittlungen zu den Unfallursachen dauern noch an.“ Die beiden betroffenen BSR-Fahrzeuge seien bereits wieder auf den Betriebshöfen. Gleichzeitig betonte der Sprecher: „Unsere Gehwegreinigung erfolgt in der Regel mit einer Kombination aus Kehrmaschinen- und Handreinigung.“
Infrastruktur unter der Lupe
Die Serie von Kehrmaschinen-Einbrüchen wirft grundsätzliche Fragen zur Berliner Infrastruktur auf:
- Sind viele Gehwege den modernen Reinigungsmethoden nicht gewachsen?
- Wie verbreitet sind veraltete Baumaterialien wie Holzschalungen unter den Straßen?
- Müssen Reinigungsstrategien überdacht werden?
Während die Ursachen im Einzelnen noch geklärt werden müssen, steht fest: Berlin muss sich mit der Stabilität seiner Bürgersteige auseinandersetzen. Die Vorfälle zeigen, dass selbst alltägliche städtische Dienstleistungen wie die Straßenreinigung zu unerwarteten Herausforderungen führen können, wenn die darunterliegende Infrastruktur Schwachstellen aufweist.



