Berlin hisst Roma-Flaggen: Aktionstag gegen Diskriminierung von Sinti und Roma
Mit einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm setzt Berlin am Internationalen Roma-Tag ein deutliches Zeichen gegen die Diskriminierung von Sinti und Roma. In insgesamt 13 Bezirken, darunter Schöneberg, Mitte, Friedrichshain und Lichtenberg, werden an den Rathäusern die charakteristischen blau-grünen Roma-Flaggen gehisst. Begleitet werden diese symbolischen Aktionen teilweise von Redebeiträgen, wie die Senatsverwaltung für Integration mitteilte.
Vielfältiges Programm gegen Antiziganismus
Neben den Rathäusern beteiligen sich zahlreiche Organisationen und Institutionen an dem Aktionstag. Das Roma Informations Centrum bietet am Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas im Tiergarten spezielle Workshops und informative Führungen an. Am Nachmittag startet um 15.00 Uhr vom Denkmal aus ein sogenannter Demolauf zur Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. Dort erwartet die Besucher ab 18.00 Uhr ein abwechslungsreiches Programm aus Filmvorführungen, künstlerischen Performances, Konzerten und einer abschließenden Party.
Parallel dazu wird im European Roma Institute for Arts and Culture in Mitte um 18.00 Uhr die Ausstellung „Yesterday is Tomorrow“ eröffnet. Diese besondere Schau präsentiert Werke verschiedener Künstlerinnen und Künstler, die traditionelle Handwerkstechniken der Roma-Kultur wiederbelebt und zeitgemäß interpretiert haben.
Senatorin Kiziltepe verurteilt anhaltende Ausgrenzung
Berlins Senatorin für Vielfalt und Antidiskriminierung, Cansel Kiziltepe von der SPD, betonte die aktuelle Dringlichkeit des Themas. „Sinti und Roma werden auch heute noch diskriminiert und ausgegrenzt – das passiert leider auch in Berlin. Aber wir nehmen das nicht einfach hin“, erklärte die Senatorin entschieden. Der Berliner Senat engagiere sich mit einer Vielzahl von Maßnahmen und in enger Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Organisationen für die gleichberechtigte Teilhabe dieser Minderheit sowie gegen Antiziganismus und Rassismus in allen Formen.
Besorgniserregende Umfrageergebnisse
Die Notwendigkeit solcher Initiativen unterstreichen die jüngsten Ergebnisse des Berlin-Monitors, der im Februar vorgestellt wurde. Die Studie offenbarte, dass antiziganistische Einstellungen in der Berliner Gesellschaft tief verwurzelt sind:
- 30 Prozent der Befragten glauben, Sinti und Roma seien „nicht so zivilisiert“ wie andere Bevölkerungsgruppen.
- 45 Prozent gehen davon aus, dass deren Anwesenheit regelmäßig zu sozialen Konflikten führe.
- 25 Prozent meinen sogar, Sinti und Roma sollten aus den Innenstädten verbannt werden.
- 42 Prozent unterstützen die problematische Aussage, dass Sinti und Roma durch ihr eigenes Verhalten mit Schuld an der Diskriminierung trügen.
Alina Voinea, die Ansprechperson des Landes Berlin zu Antiziganismus, kommentierte diese Zahlen mit deutlichen Worten: „Das Ausmaß der antiziganistischen Einstellungen ist erschütternd, aber leider nicht überraschend“. Die Ergebnisse zeigten, wie dringend Aufklärungsarbeit und gezielte Maßnahmen gegen Vorurteile notwendig seien.
Historischer Hintergrund des Roma-Tags
Der Internationale Roma-Tag geht auf ein historisches Ereignis zurück: den ersten Welt-Roma-Kongress, der vor 55 Jahren am 8. April 1971 in der Nähe von London stattfand. Zu diesem wegweisenden Treffen kamen Vertreterinnen und Vertreter aus verschiedenen Staaten zusammen, um über die Rechte und die kulturelle Anerkennung der Roma zu beraten. Seitdem dient der Tag weltweit als Mahnung und Aufruf zur Bekämpfung von Diskriminierung und zur Förderung der kulturellen Vielfalt.



