Berliner Hauptbahnhof: Rolltreppen-Defekt wird zur Fitness-Challenge für Reisende
Berlin: Rolltreppen-Defekt im Hauptbahnhof sorgt für Chaos

Berliner Hauptbahnhof: Rolltreppen-Defekt wird zur Fitness-Challenge für Reisende

Fast 150 Stufen hoch zur S-Bahn: Wegen defekter Rolltreppen wird Berlins Hauptbahnhof zur echten Fitness-Challenge für Reisende. Seit fast vier Wochen sind etwa zwei Drittel der 52 Rolltreppen stillgelegt – aufgrund technischer Probleme und aus Sicherheitsgründen. Wer als Tourist im Hauptbahnhof ankommt, muss sich aktuell 147 schwere Schritte nach oben schleppen, um von den Fernzügen im zweiten Untergeschoss hoch zur S-Bahn zu gelangen.

Warten auf Ersatzteile und genervte Reisende

Der Treppenwitz könnte sich noch weiter ziehen, denn auf wichtige Ersatzteile für die gestörten Getriebe wird weiterhin gewartet. Kein Wunder, dass sich die Deutsche Bahn nicht auf einen festen Termin festlegen will, an dem alles wieder reibungslos rollt. Die Stimmung in einem der nach Fahrgastzahlen größten Bahnhöfe Europas ist durchwachsen. Einer der extra engagierten Kofferträger fasst es mit typischer Berliner Schnauze zusammen: „Manche nehmen's locker, manche nicht so.“

Reihe von Verwaltungsproblemen in der Hauptstadt

Das Rolltreppen-Problem reiht sich nahtlos ein in andere Aufreger der vergangenen Monate. Sie alle bedienen das Klischee vom Dilettantismus der Berliner Verwaltung. Zu Jahresbeginn schlitterten die Menschen wochenlang über dick vereiste Gehwege, weil Anwohner und Hauseigentümer nicht wie vorgeschrieben zur Schneeschippe griffen. Jetzt liegt auf vielen Gehwegen buchstäblich haufenweise Streusplitt, und das wohl noch lange. Die Straßenreinigung erwartet, dass das Zusammenfegen voraussichtlich bis Mitte April dauern wird.

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Die leicht verzweifelt wirkende Bitte der Behörden, die Berliner könnten zur Beschleunigung doch selbst zum Besen greifen, irritierte viele Bürger. Das hat auch mit dem offenkundigen Desinteresse vieler Einwohner am Erscheinungsbild der Stadt zu tun. Auch wenn Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) betont, Berlin gelte international noch immer als „Sehnsuchtsort“, fällt die Vermüllung Berlins im Vergleich zu anderen Metropolen unangenehm auf.

Politischer Kontext und weitere Herausforderungen

Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) hat sich vorgenommen, die Metropole zu einer „funktionierenden Stadt“ zu machen. Angeschoben hat er dafür eine tiefgreifende Verwaltungsreform, um endlich klar zu bestimmen, welche Aufgaben anliegen und wer wofür zuständig ist. Doch sein Image als Berlins Regierender Hausmeister bekam tiefe Kratzer durch den Vorfall „Tennis-Gate“. Am 3. Januar, während des größten Stromausfalls in der Berliner Nachkriegsgeschichte mit rund 100.000 Betroffenen, spielte Wegner ein Tennismatch mit seiner Lebensgefährtin.

Bundesweit beachtet wurde auch die Eröffnung eines sündhaft teuren, gut drei Kilometer langen Abschnitts der Stadtautobahn A100 – nach zwölf Jahren Bauzeit und Hunderten Millionen Euro Kosten. Doch die erhoffte zügige Fahrt durch den Osten der Stadt wurde jäh ausgebremst: Rund um die Anschlussstelle brach in Treptow immer wieder Verkehrschaos aus.

Sicherheitslage und organisierte Kriminalität

Laut und wild war Berlin schon immer – aber im internationalen Vergleich nicht übermäßig gefährlich. Doch auch da scheint etwas zu bröckeln: Es gibt seit Monaten immer mehr Schießereien in der Stadt, denn die Hauptstadt ist Schauplatz eines Bandenkriegs, den die organisierte Kriminalität aus der Türkei nach Deutschland getragen hat. Vor allem bei Ladenbesitzern mit türkischem Hintergrund, die Schutzgeld zahlen sollen, herrscht Furcht. Extra wurde deswegen im November die Sondereinheit „Ferrum“ des Landeskriminalamtes gegründet.

Weil das Problem aber längst nicht gelöst ist, setzt sie ihre Tätigkeit sechs weitere Monate fort. Immerhin: Bis dahin dürften die Rolltreppen im Hauptbahnhof wieder in Gang kommen. Bis dahin bleibt die Fitness-Challenge für Reisende bestehen – ein weiteres Kapitel in der Serie von Verwaltungsproblemen der deutschen Hauptstadt.

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