Tragödie in Berliner Hochhaus: Säugling stirbt bei verheerendem Brand
Ein verheerender Brand in einem Berliner Hochhaus hat am Dienstagabend zu einer menschlichen Tragödie geführt. In einer sogenannten Messie-Wohnung im Bezirk Lichtenberg brach gegen 20 Uhr ein Feuer aus, das sich aufgrund der extremen Unordnung und zahlreicher Gegenstände rasend schnell ausbreitete. Die Berliner Feuerwehr rückte mit einem Großeinsatz von 170 Einsatzkräften an, begleitet von zahlreichen Polizeibeamten.
Schockierender Fund im verrauchten Hausflur
Als die Feuerwehrleute mit Atemschutzgeräten in das 20-geschossige Gebäude in der Dolgenseestraße in Friedrichsfelde vordrangen, machten sie einen schockierenden Fund. Im Hausflur der dritten Etage fanden sie eine 26-jährige Frau und ihre beiden kleinen Kinder bewusstlos vor. Notärzte begannen sofort mit Reanimationsmaßnahmen, doch für den neun Monate alten Säugling kam jede Hilfe zu spät – er verstarb an den Folgen der Rauchvergiftung.
Die Mutter und ihr fünfjähriger Sohn wurden in kritischem Zustand ins Krankenhaus eingeliefert. Insgesamt mussten acht Menschen mit teils schweren Verletzungen medizinisch versorgt werden, darunter auch der 75-jährige Mieter, in dessen Wohnung das Feuer laut ersten Ermittlungen ausgebrochen war. Das Landeskriminalamt hat die Ermittlungen zur genauen Brandursache aufgenommen.
Großangelegte Rettungsaktion und Evakuierung
Der Portier des Hochhauses hatte den Brandmelder in der betreffenden Wohnung piepen gehört und starken Rauch bemerkt, woraufhin er sofort Alarm schlug. Während die Flammen aus den Fenstern loderten und schwarzer Qualm durch die Gänge zog, begann eine großangelegte Rettungsaktion. 70 Menschen wurden aus dem verrauchten Gebäude in Sicherheit gebracht, viele Bewohner konnten sich jedoch auch selbst retten.
„Ich habe das Feuer auch oben bei mir gerochen, der ganze Hausflur war voller Rauch“, berichtete eine anonyme Mieterin aus dem 16. Stock am nächsten Morgen. Die Feuerwehr habe ihr geraten, ein nasses Tuch an die Türritze zu legen, um sich vor dem Rauch zu schützen. Sie durfte über Nacht in ihrer Wohnung bleiben, während viele andere Bewohner das Gebäude verlassen mussten.
Folgen des Brands: 21 Wohnungen gesperrt
Am Tag nach dem Brand zog die Wohnungsgesellschaft Howoge eine erste Bilanz. Noch immer waren 21 Wohnungen in dem Gebäude polizeilich gesperrt. Die Firma betonte, man stehe in engem Austausch mit allen Mietern, die nun ohne Obdach dastehen. Die meisten von ihnen hätten über die Nacht privat unterkommen können.
Die Stromversorgung sei vollständig gewährleistet, teilte die Howoge mit. Allerdings sei ein Teil der Heizungen vorerst abgeschaltet worden, gleiches gelte für den Aufzug. Techniker arbeiteten intensiv daran, die Versorgung wiederherzustellen. Das Bezirksamt Lichtenberg organisierte in der Nacht für elf Menschen Hotelzimmer in der Nähe und stellte auch ein Shuttle dorthin bereit.
Hilfsbereitschaft in der Nachbarschaft
Linda Rockmann von der nahegelegenen Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtung Betonoase erlebte den Einsatz hautnah mit. „Es war ein drauf und drunter, ein Durcheinander. Viele haben geweint, viele waren schockiert über den Brand“, beschrieb sie die Situation. Sie habe eine ältere Frau, die schlecht zu Fuß und trotz Kälte nur leicht bekleidet war, zu einem italienischen Restaurant in der Nähe begleitet.
Voll des Lobes war Rockmann für die Polizei und Feuerwehr: „Sie haben alles super organisiert und waren auch hilfsbereit, als ich nach einer Decke für die Frau gefragt habe.“ Sie selbst kochte den ganzen Abend Tee für die Menschen, die draußen warten mussten. Viele Kinder, die ihren Jugendclub besuchen, hätten sich Sorgen gemacht, ob Freunde oder Bekannte verletzt worden seien.
Weitere Schäden in angrenzenden Räumen
Constanze Körner arbeitet in einem Büro des Vereins Lesben* Leben Familie (LesLeFam) unterhalb der ausgebrannten Wohnung. Sehr viel Löschwasser war durch die Decke gekommen, wie sie berichtete. „Als ich die Tür öffnete, war es entsprechend schlimm.“ Deckenplatten voller Wasser seien auf die Möbel und den Boden gefallen. „Unsere Möbel, unsere Technik – ist alles kaputt.“ Arbeiten sei in den Räumen derzeit nicht möglich.
Zweiter Hochhausbrand innerhalb kurzer Zeit
Erst am Dienstag hatte es in einem anderen Hochhaus in Lichtenberg gebrannt. Im Anschluss nahm die Polizei eine Bewohnerin und ihren Freund fest, es wird wegen schwerer Brandstiftung ermittelt. Anwohner hatten am Dienstagnachmittag eine starke Rauchentwicklung in einer Wohnung in der 16. Etage des 21-stöckigen Hochhauses in der Frankfurter Allee bemerkt.
Die Bau- und Wohnungsaufsicht prüft nun alle betroffenen Wohnungen des aktuellen Brandes, damit der Eigentümer sie schnell wieder herrichten kann. Für die betroffenen Familien und besonders für die trauernden Angehörigen des verstorbenen Säuglings beginnt nun eine schwierige Zeit der Bewältigung.



