Marcel Schulze liebt das zwanglose Leben in Thailand. Nach einer schweren Zeit mit Insolvenz, Depression und familiären Verlusten hat der 36-Jährige den radikalen Neuanfang gewagt. Seit April 2025 lebt er in Jomtien, etwa 9000 Kilometer von seiner alten Heimat entfernt. Im Gespräch mit unserer Zeitung wurde es emotional, als er ein Video seines Opas sah. Der 85-Jährige musste 2004 mit ansehen, wie seine Frau bei einem Autounfall starb und seine Tochter drei Monate später an Krebs. „Dann starb auch noch mein Onkel, und am Ende hatte ich nur noch meinen Opa und meine kleine Schwester“, erzählte Marcel Schulze mit Tränen in den Augen.
Der Weg nach Thailand
Vor seiner Auswanderung hatte Marcel Schulze viele Hürden zu überwinden. 2018 gründete er seine zweite Firma, die zunächst gut lief. Doch die Corona-Pandemie führte zu Kundenverlusten, und im Frühjahr 2020 musste er Insolvenz anmelden. „Ich verfiel in eine schwere Depression. 2023 hatte ich gar keinen Bock mehr auf Deutschland und wollte auswandern.“ Zunächst zog es ihn nach Spanien, wo er in einem Callcenter arbeitete und ein Online-Business aufbaute. Nach einem Jahr versuchte er sein Glück in Dubai, kehrte aber nach drei Monaten nach Spanien zurück. Im Januar 2025 entschied er sich: „In Spanien ist es mir zu kalt. Mit einem Online-Business kann man überall leben. Meine Wahl fiel auf Kolumbien oder Thailand.“ Ein Freund vermittelte ihm eine Wohnung in Jomtien, und im Mai 2025 zog er endgültig nach Thailand.
Das Leben in Thailand: Günstig und glücklich
Marcel Schulze zahlt nur 300 Euro Miete im Monat für eine zweietagige Wohnung mit Wohnzimmer, Schlafzimmer, Bad und kleiner Küche. Wasser kostet etwa fünf Euro, Strom 60 Euro – vor allem wegen der zwei Klimaanlagen, die rund um die Uhr laufen. Er kocht selten, denn das Essen ist extrem günstig: „Für eine gute, sättigende Mahlzeit zahlt man ungefähr 1,60 Euro: Reis, Hähnchen, Soße und in kleinen Restaurants sogar kostenloses Wasser. Mit 1500 Euro im Monat lebt man hier richtig gut.“ Die Thais sind seiner Erfahrung nach „super happy, super offen, super freundlich und zuvorkommend“. Er hat noch nie erlebt, dass jemand schlecht gelaunt war. Allerdings müsse man mit dem warmen und schwülen Klima klarkommen.
Die größte Hürde: Das Visum
Seit seiner Auswanderung 2023 war Marcel Schulze nicht mehr in Deutschland und hat seinen Opa seit einem Streit nicht mehr gesehen. Eine Rückkehr kommt für ihn nicht in Frage: „Auf gar keinen Fall. Ich will hier definitiv für immer bleiben.“ Aktuell hat er ein Education-Visum, mit dem er Thailändisch lernt. Sobald alles geklärt ist, möchte er ein Fünf-Jahres-Visum beantragen. Er betont, wie wichtig es sei, die Landessprache zu lernen: „Ich kann nicht als Deutscher in meinem eigenen Land sitzen und von allen fordern, sie sollen unsere Sprache lernen, aber wenn ich ins Ausland gehe, halte ich mich nicht daran. Das wäre Doppelmoral.“
Online-Business als Lebensgrundlage
Sein Leben finanziert Marcel Schulze mit einem Online-Business, in dem er digitale Produkte verkauft und auf seinem YouTube-Kanal „Erfolg unter Palmen“ (10.000 Abonnenten) zeigt, wie man online Geld verdient. Wer auswandern möchte, dem rät er: „Denkt an die Zeitverschiebung: Thailand liegt fünf Stunden voraus. Ein Remote-Job funktioniert oft nicht. Ich empfehle ein Online-Business, das unabhängig von Ort und Zeit läuft. Baut es schon vor der Auswanderung auf.“



