Görlitzer Park in Berlin: Zaun und nächtliche Schließung gegen Drogenproblem
Es ist ein seit Jahren schwelender Konflikt in der Hauptstadt: Der Görlitzer Park in Kreuzberg soll wegen seines massiven Drogenproblems eingezäunt und nachts geschlossen werden. Ab Anfang März plant der Berliner Senat die nächtliche Schließung der Zugänge, doch der genaue Termin bleibt bewusst ungenannt, um weitere Eskalationen zu vermeiden.
Umstrittene Maßnahme mit hohen Kosten
Für den Bau zusätzlicher Zäune und die Installation von 16 Toren mit acht Drehkreizen investierte der Senat knapp 1,8 Millionen Euro. Hinzu kommen jährliche Kosten von etwa 800.000 Euro für einen privaten Wachdienst. Die Polizei erhofft sich von der nächtlichen Schließung bessere Möglichkeiten zur Verfolgung von Kriminellen, da der Park als dunkles Versteck entfällt.
Die Diskussion zeigt tiefe Gräben in der Berliner Gesellschaft: Während einige Kreuzberger auf mehr Sicherheit und Ruhe hoffen, befürchten andere eine Verlagerung des Drogenhandels und der damit verbundenen Probleme in die umliegenden Straßen und Hauseingänge. Die Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel hatte die Idee bereits 2023 nach einer angeblichen Gruppenvergewaltigung ins Spiel gebracht.
Politisches Symbol und soziale Probleme
Der Görlitzer Park hat sich zu einem politischen Symbol entwickelt. Für viele steht er für ein alternatives, offenes Berlin, das bei sozialen Problemen auf Prävention und Sozialarbeit setzt. Für CDU, Teile der SPD, FDP und AfD dagegen symbolisiert er das Scheitern linksalternativer Ideologien.
Tatsächlich hat sich im Park über zwei Jahrzehnte ein intensiver Drogenhandel etabliert: Was mit Cannabis begann, weitete sich zum Angebot von Kokain und Crack aus. Die Nachbarn leiden besonders unter aggressiven Süchtigen und Obdachlosen, die die Umgebung zum Wohnen, Schlafen und als Toilette nutzen.
Widerstand und wissenschaftliche Begleitung
Grüne, Linke, das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg und mehrere Anwohner-Initiativen leisten erbitterten Widerstand. Die Anwohner-Initiative „Görli zaunfrei“ kündigte bereits Demonstrationen an und spricht ironisch vom „Kiezrundgang durch Deutschlands gefährlichsten Park“.
Parallel zur Zaunmaßnahme verspricht der Senat mehr Geld für Sozialarbeit, Drogenkonsumräume und Wohnungen für Süchtige. Eine begleitende wissenschaftliche Untersuchung soll zeigen, ob die nächtliche Schließung positive Effekte für die Umgebung bringt und den Drogenhandel tatsächlich eindämmt.
Innensenatorin Iris Spranger (SPD) hofft auf einen „Musterpark“, während Berlins Staatssekretär für Inneres, Christian Hochgrebe (SPD), betont, es sei Zeit, „über neue Ansätze nachzudenken und auch mal unkonventionelle Lösungen in den Blick zu nehmen“. Der Ausgang dieses Experiments bleibt ungewiss, doch eines ist sicher: Der Kampf um den Görlitzer Park ist mehr als nur ein Streit um Zäune und Tore – er ist ein Spiegelbild gesellschaftlicher Konflikte in der deutschen Hauptstadt.



