Martensteins provokante Idee: Touristen als städtische Müllabfuhr
In seiner täglichen Kolumne für BILD hat sich der Journalist Harald Martenstein (72) mit einem ungewöhnlichen Vorschlag zu Wort gemeldet. Der Autor, der selbst in der Hauptstadt lebt, fordert Touristen auf, bei ihrem Berlin-Besuch aktiv Müll zu sammeln. Als Anreiz sollen verschiedene Prämien locken – von kostenlosen Museumseintritten bis hin zu einem Schmatzer des Bürgermeisters.
Das Ausmaß des Berliner Dreckproblems
Martenstein beschreibt das Ausmaß der Verschmutzung in drastischen Worten: „Bei uns liegt so viel Dreck herum, dass wahrscheinlich ein Viertel der Weltbevölkerung in Berlin Urlaub machen müsste, um den Schlamassel restlos einzusammeln.“ Der Kolumnist zählt konkrete Beispiele auf: gebrauchte Kondome, Hundekotbeutel, stinkende Döner-Reste und sogar aus Fenstern geworfene Kühlschränke. Sein sarkastischer Kommentar zur Berliner Mentalität: „Berlin braucht im Grunde keine öffentlichen Klos, weil: Wir machen in der U-Bahn Kaka.“
Die Tourismusbehörde und das Berliner Lebensgefühl
Ironisch bezieht sich Martenstein auf den Slogan der Berliner Tourismusbehörde, die die Stadt als „mehr als eine Stadt – ein Lebensgefühl“ bewirbt. Dieses Lebensgefühl scheint jedoch nicht bezahlbaren Wohnraum einzuschließen, wie der Autor anmerkt: „Für eine billige Wohnung würden viele Berliner sogar ein ganzes Jahr lang kostenlos Müll wegräumen, aber die gibt’s halt nicht. Wohnraum ist nicht Teil des Berliner Lebensgefühls.“
Globalisierung eines ungewöhnlichen Konzepts
Martenstein spekuliert darüber, ob sich das Konzept der Touristenmüllabfuhr weltweit etablieren könnte. In typisch satirischer Manier entwirft er Visionen eines „Ekelurlaubs in Germany“, der besonders verwöhnte Reiche aus ihrer Komfortzone locken soll. Seine drastischen Beispiele reichen von „Erbrochenes auflecken in Bremen“ über „Kanalratten jagen in Ulm“ bis hin zu „Eiterpickel ausdrücken in Essen“.
Die Kolumne endet mit Martensteins charakteristischem Abschluss „Hochachtungsvoll Ihr Harald Martenstein“ und der Aufforderung an Leser, ihre Meinung zu äußern. Der Beitrag stellt weniger einen ernsthaften Lösungsvorschlag dar, sondern vielmehr eine beißende Sozialkritik an Berlins Zuständen und dem modernen Tourismus.



