Vom DDR-Verbot zur Sprachrettung: Eine Frau kämpft für ihr Plattdeutsch
Am Internationalen Tag der Muttersprache am 21. Februar rückt Cordula Czubatynski aus Quitzöbel die plattdeutsche Sprache in den Fokus. Während ihre Mutter und Großmutter noch selbstverständlich Platt sprachen, wurde ihr in der DDR-Schule deutlich gemacht: „Hier wird kein Plattdeutsch gesprochen.“ Diese Erfahrung prägte ihre Kindheit, doch heute setzt sie sich aktiv für den Erhalt dieser bildhaften Sprache ein.
Die Wiederentdeckung durch Naturschutzarbeit
Erst durch ihre berufliche Tätigkeit bei der Naturwacht fand Czubatynski zurück zu ihrer Muttersprache. Unter der Leitung des Biologen Frank Neuschulz, der sich nach der Grenzöffnung für länderübergreifenden Naturschutz an der Elbe engagierte, erlebte sie, wie Plattdeutsch als Brücke zwischen Mensch und Natur fungierte. „Die Naturwacht bediente sich bei kulturellen Anlässen der plattdeutschen Sprache, um Bauern Naturschutzprojekte wie die Deichrückverlegung am ‚Bösen Ort‘ näherzubringen“, erinnert sich Czubatynski.
Internationaler Tag der Muttersprache mit historischem Hintergrund
Der 21. Februar wurde von der UNESCO zum Internationalen Tag der Muttersprache erklärt, um weltweit die Sprachvielfalt zu schützen. Laut der UN-Organisation sind über die Hälfte aller gesprochenen Sprachen vom Aussterben bedroht. Das Datum erinnert an die blutigen Proteste von 1952 in Dhaka, Pakistan, als Urdu zur alleinigen Amtssprache erhoben wurde – obwohl es nur für drei Prozent der Bevölkerung Muttersprache war. Diese Sprachpolitik führte schließlich zur Gründung Bangladeschs.
Plattdeutsch-AG für die nächste Generation
Heute arbeitet Cordula Czubatynski als Erzieherin im Hort „Wirbelwind“ in Bad Wilsnack und hat dort eine Plattdeutsch-AG ins Leben gerufen. Fünfzehn Kinder nehmen regelmäßig teil, lesen Geschichten, singen Lieder und führen kleine Aufführungen auf – natürlich auf Plattdeutsch. Materialien erhält die Gruppe vom Verein für Niederdeutsch Land Brandenburg, dem Czubatynski seit drei Jahren angehört.
Ihr Engagement geht über die Schule hinaus: In Ledge trifft sich donnerstags um 14.30 Uhr eine plattdeutsche Gruppe in Gabis Schenke, und am ersten Dienstag im Monat versammeln sich Plattsprecher im ehemaligen Konsum in Bälow. „Wenn die plattdeutsche Sprache nicht mehr gesprochen wird, dann geht aus meiner Sicht ein weiteres Kulturgut verloren“, betont Czubatynski mit dem plattdeutschen Motto: „Leewer platt reden, as platt maoken.“
Ihre Arbeit wird vom plötzlichen Tod Frank Neuschulz überschattet, der 2008 mit nur 54 Jahren an einem Herzinfarkt starb. Doch sein Erbe lebt in Czubatynskis Engagement für Naturschutz und Sprachpflege weiter – zwei Bereiche, die sich in ihrer Biografie untrennbar verbinden.



