Güstrow-Geschichte: Stuckengel von Zar Peter und 700 Jahre alte Knochen
Stuckengel und Knochen: Güstrows Geschichte am Tag der Städtebauförderung

Einen besonderen Tag durften Güstrower und Gäste den ganzen Samstag erleben: Zum Tag der Städtebauförderung und aufgrund der partiellen Markteröffnung gab es viel zu feiern. Die Stadt, die oft als „Klein-Paris des Nordens“ bezeichnet wird, präsentierte ihre reiche Geschichte auf eindrucksvolle Weise.

200.000 Euro für die Altstadtsanierung

Seit 1991 flossen rund 200.000 Euro in die Sanierung der größtenteils mittelalterlichen Altstadt. Davon stammten etwa 120.000 Euro aus Städtebaufördermitteln, der Rest kam von der Stadt und privaten Bauherren. Zu den geretteten Gebäuden zählen der Derzsche Hof und das Renaissance-Bürgerhaus in der Gleviner Straße, in dem einst Sachsens Kurfürst August der Starke wohnte. Bei Führungen und auf eigene Faust konnten Besucher die historischen Häuser erkunden und Geschichte hautnah erleben.

Einblicke in verborgene Winkel

Interessierte erhielten Zugang zu verborgenen Orten wie dem düsteren Ex-Eiskeller der Spirituosenfabrik Winkelhausen in der Hollstraße 15. Auch die Türen zu einem der wenigen noch unsanierten Gebäude in der Altstadt öffneten sich: Eigentümer Matthias Schulz führte durch die seit 30 Jahren leerstehenden Räume seines Hauses in der Gleviner Straße 6. Hier residierte 1712 der russische Zar Peter I. Über ihm prangten bombastische handgefertigte Stuckengel, die restauriert werden müssen. Schulz hofft, noch dieses Jahr mit der Sanierung der 560 Quadratmeter beginnen zu können, nachdem Corona und der Ukraine-Krieg seine Pläne verzögert hatten. „Es muss auch losgehen, Feuchtschäden durchziehen die Mansarde“, erklärte er. Die Baukosten für das Einzeldenkmal mit spätbarocken Zügen schätzt er auf etwa 1,4 Millionen Euro und hofft auf Städtebauförderung. Zur Belebung der Altstadt sind sechs Wohn- und zwei Geschäftsräume geplant – sogar im Zimmer Peters I. wird künftig jemand privat wohnen.

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Neues Wasserspiel am Markt

Der historische Marktplatz wurde für 7,4 Millionen Euro saniert. Am Samstag sprudelten erstmals moderne Wasserspiele aus 12 Spritzdüsen – zur Freude der Kleinsten und umringt von Schaulustigen. Bürgermeister Sascha Zimmermann eröffnete den Tag der Städtebauförderung zunächst am Borwin-Brunnen, der ebenfalls wieder in Gang gesetzt wurde. „Wir wollen nach zwei Jahren Sanierung feiern, was bald abgeschlossen ist“, sagte Zimmermann. Der gesamte Markt soll zum Stadtfest am 13. Juni eröffnet werden, einzelne Elemente wie Bänke folgen im Laufe des Sommers.

Archäologische Funde unter dem Markt

Archäologe Bertram Faensen berichtete in einem Vortrag im Rathaus über die Funde während der Leitungsverlegungen. Gleich zu Beginn der Ausgrabungen stieß man auf Skelette – schließlich befand sich hier einst ein Friedhof. Man fand Fahrspuren aus dem 13. Jahrhundert, mittelalterliche Straßenschichten, Mauerwerk der schmalen Markthandelshäuser aus dem 14. Jahrhundert und Gruben, deren Sand zum Bau der ersten Bürgerhäuser diente. Besonders spannend: Backstein-Grüfte reicher Kaufleute und Ratsherren, die sich ein Grab im alten Nordschiff der damals wesentlich größeren Pfarrkirche am Markt gekauft hatten. Dazu kamen Sargbeschläge mit Vanitas-Motiven und Münzen.

Leben kehrt zurück

Auf dem neuen Markt herrschte buntes Treiben: Vereine präsentierten sich, es gab ein Bühnenprogramm, Seifenblasen, Blumen und natürlich Essen und Trinken. Viele Besucher genossen den Sonnenschein beim Sekt, darunter Christiane Kalina und Hans-Joachim Wiede, die nach Jahren auf dem Land wieder nach Güstrow zurückgekehrt sind. „Güstrow ist wirklich eine schöne Stadt und hat ein sehr reizvolles Umfeld“, meinten sie. „Wir hoffen sehr, dass jetzt wieder mehr Leben einzieht, denn Läden und Gastronomie haben während der Bauphase doch sehr gelitten.“

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