Krisenmanagement in Berlin: Wegners Aussagen zu Stromausfall erneut kontrovers
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) gerät wegen seiner Angaben zum ersten Tag des großen Stromausfalls in der Hauptstadt erneut unter massiven Druck. Die Diskussionen um das Krisenmanagement des CDU-Politikers nehmen weiter an Intensität zu und werfen Fragen zur Transparenz der Kommunikation auf.
Telefonate und Tennisspiel im Fokus der Kritik
Wegner hatte bereits eingeräumt, am Mittag des 3. Januars eine Stunde lang Tennis gespielt zu haben und dies mit dem Wunsch begründet, „den Kopf freibekommen zu wollen“. Nun berichtet der „Tagesspiegel“ über neue Ungereimtheiten: Demnach soll Wegner den Umfang seiner Telefonate am Vormittag desselben Tages falsch dargestellt haben. Die Senatskanzlei weist diese Vorwürfe jedoch entschieden zurück.
Wie die Zeitung detailliert ausführt, legen Angaben der Senatskanzlei nahe, dass es vor dem Tennisspiel noch keine Telefonate von Wegner mit dem Kanzleramt oder dem Bundesinnenministerium gegeben hat. Dies steht im Widerspruch zu Wegners eigenen Aussagen im Interview mit Welt TV am 7. Januar, wo er erklärte: „Ich habe in der Tat um 8.08 Uhr begonnen, die Telefonate zu führen.“ Er betonte dabei Gespräche mit Krisenstäben und der Bundesregierung.
Senatskanzlei verteidigt den Regierenden Bürgermeister
Die Senatskanzlei reagierte umgehend auf die Vorwürfe und verwies auf Wegners Interview. Senatssprecherin Christine Richter teilte mit: „Es ist alles hierzu gesagt. Zu der Frage, wann der Regierende Bürgermeister mit den genannten Stellen telefoniert hat, hat er sich bei Welt TV nicht erklärt.“ Sie betonte, dass Wegners Aussage zum Tennisspiel zwischen 13 und 14 Uhr „allein als Ergänzung zu verstehen“ sei.
Die Hintergründe der Veröffentlichung sind dabei bemerkenswert: Die Senatskanzlei hatte die Informationen zu den Telefonaten dem „Tagesspiegel“ zufolge erst nach einem Eilantrag der Zeitung vor dem Berliner Verwaltungsgericht freigegeben. Wegner selbst hatte am 4. Januar noch behauptet, er sei den „ganzen Tag am Telefon gewesen“. Das Tennismatch räumte er erst später nach einer entsprechenden Veröffentlichung des öffentlich-rechtlichen Senders RBB ein.
Politische Reaktionen und Vorwürfe
Die Opposition reagierte scharf auf die neuen Enthüllungen. Der Berliner Grünen-Fraktionsvorsitzende Werner Graf warf Wegner vor, er habe die Öffentlichkeit getäuscht. Der SPD-Spitzenkandidat für die Abgeordnetenhauswahl, Steffen Krach, forderte: „Wegner muss die ganze Wahrheit übers Netz bringen. Aber momentan sieht es nicht danach aus, als ob ihm das gelingen wird.“
Der Hintergrund der gesamten Diskussion ist ein mutmaßlich linksextremistischer Brandanschlag Anfang Januar, der einen mehrtägigen Stromausfall im Südwesten Berlins zur Folge hatte. Zeitweise waren davon rund 100.000 Menschen betroffen, was die Bedeutung eines effektiven Krisenmanagements besonders unterstreicht.
Die anhaltende Kontroverse zeigt, wie sensibel das Thema Krisenkommunikation in einer Metropole wie Berlin ist und welche hohen Erwartungen an die Transparenz politischer Amtsträger gestellt werden.



