35. Filmkunstfest MV: Tanz, Tränen und Traditionen in Schwerin
35. Filmkunstfest MV: Tanz, Tränen und Traditionen

Das 35. Filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern hat am Dienstag offiziell seine Pforten geöffnet. Bereits in den ersten Stunden ereigneten sich Dinge, die so nicht erwartet worden waren. Von einer spontanen Tanzeinlage bis hin zu bewegenden Preisverleihungen – das Festival in Schwerin bot gleich zum Auftakt eine bunte Mischung aus Unterhaltung und tiefgründigen Momenten.

Wetten, dass...? in Schwerin

Thelma Buabeng, bekannt aus Karoline Herfurths Film „Wunderschön“ oder der ZDF-Reihe „Die Polizistin“, moderierte erstmals die Eröffnung des Filmkunstfestes. Die Schauspielerin mit ghanaischen Wurzeln hatte zuvor mit Festivalchef Volker Kufahl gewettet, dass sie das Publikum zum Tanzen bringen würde. In der Heimat ihrer Eltern beginne schließlich jede gesellige Zusammenkunft mit Tanz. Kufahl, überzeugt, die Mecklenburger besser zu kennen, hielt dagegen – und verlor. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Melanie tanzte er jedoch mit, was einen doppelten Grund zur Freude bot: Beide feierten neben der Eröffnung auch ihren Hochzeitstag.

Frauenpower aus Island gefeiert

Island ist in diesem Jahr das Gastland des Filmkunstfestes. Volker Kufahl erklärte, dass ihn der isländische Dokumentarfilm „Ein Tag ohne Frauen“ begeistert habe. Der Film thematisiert den historischen isländischen Frauenstreik vom 24. Oktober 1975, bei dem 90 Prozent der Frauen im Land ihre Arbeit – einschließlich der Hausarbeit – niederlegten. Islands Botschafter in Deutschland, Auđunn Atlason, erinnerte sich an diesen Tag: Er sei damals vier gewesen, und plötzlich sei seine Mutter an ihrem Geburtstag verschwunden gewesen. Sein Vater, sein Bruder und seine Schwester hätten ratlos dagessesen. Gleichberechtigung werde in Island großgeschrieben, betonte der Botschafter. Ein kleines Land könne es sich nicht leisten, dass die Hälfte der Bevölkerung ihr Potenzial nicht ausschöpfe. Aktuell hätten Frauen die Ämter der Ministerpräsidentin, der Präsidentin, der Außenministerin und des Polizeipräsidenten inne, zudem gebe es eine Bischöfin.

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Auszeichnung vor der Ausstrahlung

„Es ist das erste Mal, dass ich einen Preis für einen Film bekomme, der noch gar nicht gelaufen ist“, freute sich ein sichtlich gerührter Dieter Schumann über den WIR-Vielfaltspreis der überparteilichen Initiative „WIR. Erfolg braucht Vielfalt“. Verliehen wurde die Auszeichnung am Eröffnungsabend für Schumanns neuesten Dokumentarfilm „Garten der Hoffnung“, der erst im Anschluss uraufgeführt wurde. Schumann widmete den Preis seinen Protagonisten vom Nachbarschaftsgarten im Schweriner Stadtteil Mueßer Holz, die fast alle zur Premiere erschienen waren.

Dankesworte aus dem Krankenbett

Bereits am Eröffnungsabend wurden zwei weitere Preise vergeben. Drehbuchautor und Regisseur Henning Beckhoff erhielt von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig das gemeinsam vom Land und dem Künstlerhaus Lukas in Ahrenshoop gestiftete Förderstipendium. Das Ehrenstipendium – ebenfalls ein Aufenthalt im Künstlerhaus Lukas – ging in diesem Jahr an den renommierten Regisseur Christian Petzold. Er musste jedoch krankheitsbedingt nicht nur seine geplante Masterclass im Rahmen der Branchentage des Filmkunstfestes absagen, sondern auch alle anderen Termine in Schwerin. Seine Dankesworte für die Auszeichnung übermittelte er per Video und verabschiedete sich anschließend wieder ins Bett.

Geldregen angekündigt

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) eröffnete traditionell das Filmkunstfest und bekannte sich trotz der angespannten Haushaltslage zur Filmförderung, die auch im aktuellen Doppelhaushalt unverändert bleibt. Zudem habe sich das Land für eine Reform der Filmförderung auf Bundesebene eingesetzt. Bedauerlich sei jedoch, dass der Bund das Zukunftsprogramm Kino beendet habe. „Wir als Land stellen den Kinos weiter 750.000 Euro zur Verfügung und wünschen uns, dass auch der Bund seinen Teil – das waren ebenfalls 750.000 Euro – wieder übernimmt“, so Schwesig. Dazu ergreife das Land nun im Bundesrat die Initiative.

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