Brandenburg: Antisemitische Straftaten bleiben auf hohem Niveau - Politiker fordern entschlossene Maßnahmen
Antisemitismus in Brandenburg: Straftaten bleiben hoch

Brandenburg: Antisemitische Straftaten bleiben auf hohem Niveau

Die aktuellen Zahlen zu antisemitischen Straftaten in Brandenburg zeigen eine anhaltend besorgniserregende Entwicklung. Nach wie vor liegen die Fallzahlen deutlich über dem Niveau von 2022, also der Zeit vor dem Gaza-Krieg. Politiker verschiedener Parteien fordern nun ein entschlossenes und umfassendes Vorgehen gegen Judenhass in allen gesellschaftlichen Bereichen.

Statistiken belegen anhaltend hohe Fallzahlen

Im Jahr 2025 registrierte die Polizei in Brandenburg insgesamt 243 Straftaten gegen Jüdinnen und Juden sowie 19 politisch motivierte Straftaten gegen jüdische Einrichtungen. Diese Daten gehen aus der Antwort des Brandenburger Innenministeriums auf eine Kleine Anfrage des SPD-Landtagsabgeordneten Andreas Noack hervor. Zur Einordnung: Bereits 2024 hatte die Kriminalstatistik 276 antisemitische Straftaten erfasst, aufgeteilt in 20 Vorfälle gegen jüdische Einrichtungen und 256 weitere antisemitische Delikte.

Besonders alarmierend ist der deutliche Anstieg der Zahlen von 2022 auf 2023, der zeitlich mit dem Ausbruch des Gaza-Krieges im Oktober 2023 zusammenfällt. Die Fachstelle Antisemitismus Brandenburg dokumentierte im vergangenen Jahr sogar 484 antisemitische Vorfälle – ein Zuwachs von 28,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Diese Statistik umfasst auch Vorfälle unterhalb der strafrechtlichen Relevanz und gibt somit ein umfassenderes Bild der tatsächlichen Situation.

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Politiker warnen vor Verharmlosung

Der Beauftragte gegen Antisemitismus in Brandenburg, Andreas Büttner, betont mit Nachdruck: „Antisemitismus ist kein Randphänomen und kein Relikt der Vergangenheit. Er zeigt sich heute offen, aggressiv und zunehmend enthemmt.“ Diese Einschätzung wird durch konkrete Vorfälle untermauert: Auf dem Grundstück des Beauftragten selbst war im Januar in Templin (Uckermark) ein Brandanschlag verübt und ein Symbol der palästinensischen Terrororganisation Hamas angebracht worden.

Andreas Noack und Andreas Büttner fordern in einer gemeinsamen Erklärung ein mehrgleisiges Vorgehen gegen Antisemitismus:

  • Konsequente Strafverfolgung aller antisemitischen Straftaten
  • Klare Benennung antisemitischer Tatmotive in allen Fällen
  • Ausreichende personelle Ausstattung der Sicherheitsbehörden
  • Enge Zusammenarbeit mit jüdischen Gemeinden und zivilgesellschaftlichen Initiativen
  • Verstärkte Präventionsarbeit an Schulen und in der politischen Bildung

Soziale Medien als Verbreitungsplattform

Die Politiker weisen zudem auf die besondere Rolle sozialer Netzwerke hin: „Antisemitismus verbreitet sich zunehmend über soziale Netzwerke. Er beginnt nicht erst mit der Straftat. Er beginnt mit Worten, mit Ressentiments, mit Ausgrenzung. Deshalb muss auch dort entschieden widersprochen werden.“ Diese Erkenntnis unterstreicht die Notwendigkeit, bereits bei ersten Anzeichen von Judenhass einzugreifen und klare Grenzen zu setzen.

Die Straftaten umfassen ein breites Spektrum von Delikten, darunter Beleidigungen, Bedrohungen, Propagandadelikte und Körperverletzungen. Die anhaltend hohen Zahlen zeigen, dass Antisemitismus in Brandenburg weiterhin ein ernstzunehmendes Problem darstellt, das einer koordinierten und nachhaltigen Bekämpfung bedarf.

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