Brandenburg eröffnet erste Kinderschutzambulanzen für missbrauchte Kinder
Brandenburgs erste Kinderschutzambulanzen eröffnen

Brandenburg führt erstmals spezielle Kinderschutzambulanzen ein

Das Bundesland Brandenburg hat nach langer Zeit des Wartens endlich seine ersten Kinderschutzambulanzen eröffnet. Diese speziellen Einrichtungen bieten einen geschützten Raum für Kinder, bei denen der Verdacht auf Misshandlung oder Missbrauch besteht. Bisher war Brandenburg das einzige Bundesland in Deutschland, das über keine derartigen Ambulanzen verfügte.

Start in Potsdam und Eberswalde mit weiteren Standorten geplant

Im Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam wird in der kommenden Woche die erste Kinderschutzambulanz ihre Türen öffnen. Bereits im April hat am GLG Werner Forßmann Klinikum in Eberswalde eine weitere Ambulanz ihren Betrieb aufgenommen. Petra Degenhardt, Chefärztin der Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie in Potsdam, bestätigte diese Entwicklung.

Weitere Standorte sind bereits in Planung: Voraussichtlich im Sommer sollen Kinderschutzambulanzen in Frankfurt (Oder) und Lauchhammer folgen. Auch in Cottbus und Neuruppin sind entsprechende Einrichtungen geplant. Die Kinder werden dabei stets über das Jugendamt zugewiesen, beispielsweise nach Hinweisen aus Kindertagesstätten, Schulen oder von Kinderärzten.

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Geschützte Umgebung mit Spielzeug und Puppenhaus

Die neuen Ambulanzen bieten gegenüber herkömmlichen Untersuchungsorten entscheidende Vorteile. Bislang mussten betroffene Kinder meist in der Rettungsstelle oder stationär untersucht werden – eine belastende Situation für die jungen Patientinnen und Patienten. In den Kinderschutzambulanzen hingegen schaffen Spielzeug, Bücher und speziell ein Puppenhaus eine entspannte Atmosphäre.

Alexandra Mebus-Haarhoff, Leiterin des Jugendamts Potsdam, erklärt: „Ein geschützter Raum ist weniger belastend für das Kind und birgt dadurch auch weniger die Gefahr einer Retraumatisierung.“ Ein längerer Aufenthalt im Krankenhaus sei bei nicht akuten Fällen oft nicht sinnvoll und zudem teuer.

Mehr Zeit für schwierige Fälle und gezielte Diagnostik

Chefärztin Petra Degenhardt betont die verbesserte medizinische Versorgung: „Künftig müssen wir nicht mehr mit 20 anderen wartenden, hustenden Kindern und relativ hohem Zeitdruck eine Diagnostik machen.“ Stattdessen können sich die Medizinerinnen und Mediziner ausreichend Zeit für die schwierigen Fälle nehmen und auch mögliche Folgetermine vereinbaren.

Die Spielzeuge und das Puppenhaus sollen es den Kindern erleichtern, von ihren Erlebnissen zu erzählen und sich untersuchen zu lassen. Diese kindgerechte Umgebung ist ein wesentlicher Bestandteil des Konzepts.

Hoher Bedarf und finanzielle Unterstützung

Der Bedarf an solchen Einrichtungen ist laut Hans Leitner, ehemaliger Leiter der Fachstelle Kinderschutz im Land Brandenburg, sehr hoch. Pro Jahr müsse man sich etwa 700 mögliche Kindeswohlgefährdungen genauer anschauen. Bisher halfen teilweise Kinderschutzambulanzen aus Berlin, etwa an der Charité, bei der Untersuchung von Kindern aus Brandenburg aus.

Das Land Brandenburg stellt nach Angaben des Ministeriums eine Anschubfinanzierung für die neuen Kinderschutzambulanzen zur Verfügung. Diese Investition in den Kinderschutz markiert einen wichtigen Schritt für das Bundesland, das nun endlich mit den anderen Bundesländern gleichzieht.

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