Berlin-Monitor zeigt alarmierende Demokratieskepsis: Zustimmung bröckelt in Hauptstadt
Demokratieskepsis in Berlin: Zustimmung sinkt laut Studie

Berlin-Monitor enthüllt besorgniserregende Demokratieentfremdung in der Hauptstadt

Der aktuelle "Berlin-Monitor" präsentiert alarmierende Daten zu den politischen und gesellschaftlichen Einstellungen der Berliner Bevölkerung. Die umfassende Studie der Universität Leipzig, die 2025 rund 2.000 repräsentativ ausgewählte Hauptstadtbewohner befragte, zeigt eine zunehmende Distanzierung vom demokratischen System in seiner gegenwärtigen Form.

Fragile Demokratieunterstützung mit wachsender Skepsis

Zwar bekennen sich noch 86 Prozent der Berliner Bevölkerung zur Demokratie als bestgeeignetem politischen System für Deutschland, doch dieser Wert markiert den niedrigsten Stand seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2019. Besorgniserregend ist, dass 40 Prozent der Befragten neben der Demokratie auch antidemokratische Alternativen wie einen starken Führer, ein Einparteiensystem oder eine Diktatur befürworten. Diese Gruppe wird von den Studienautoren als "fragile Demokraten" klassifiziert.

Konkret stimmen 27,9 Prozent der These zu, Deutschland benötige "eine einzige starke Partei, die die Volksgemeinschaft insgesamt verkörpert". Weitere 19,7 Prozent zeigen teilweise Zustimmung zu dieser Aussage. Der Wunsch nach einem Führer wird von 17,6 Prozent der Berliner Bevölkerung geäußert. Lediglich 62 Prozent, also knapp zwei Drittel, äußern sich insgesamt zufrieden mit der in Deutschland existierenden Demokratieform - ein deutlicher Rückgang gegenüber früheren Befragungswellen.

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Rechtsextreme und nationalistische Einstellungen weiter verbreitet

Die Studie dokumentiert, dass 8,7 Prozent der Befragten eine rechtsautoritäre Diktatur befürworten, während 24,4 Prozent chauvinistische Einstellungen zeigen. Obwohl diese Werte leicht unter denen früherer Berlin-Erhebungen liegen, übersteigen sie vergleichbare Untersuchungen für Ost- und Westdeutschland. Ausländerfeindlichkeit bekennen sich 15,1 Prozent, wobei auch dieser Wert einen leichten Rückgang verzeichnet.

Besonders aufschlussreich ist die Reaktion auf die These, Deutschland sei durch viele Ausländer "in einem gefährlichen Maß überfremdet": 30,7 Prozent stimmen dieser Aussage vollständig zu, weitere 19,8 Prozent zeigen teilweise Zustimmung.

Antisemitismus nimmt deutlich zu und verbreitet sich

"Antisemitismus bleibt ein zentrales Risiko für die demokratische Kultur", konstatieren die Studienautoren. Die Untersuchung zeigt nicht nur eine weite Verbreitung antisemitischer Ressentiments in Berlin, sondern dokumentiert auch, dass diese stärker ausgeprägt sind als in Ost- und Westdeutschland insgesamt. 12,4 Prozent glauben fest daran, dass Juden mehr als andere Menschen mit "Tricks" arbeiten, um ihre Ziele zu erreichen, während 11,2 Prozent diese Behauptung teilweise für richtig halten.

Besonders dramatisch ist der Anstieg israelbezogenen Antisemitismus: 35,6 Prozent werten die These "Israels Politik in Palästina ist genauso schlimm wie die Politik der Nazis im Zweiten Weltkrieg" als zutreffend, weitere 27,5 Prozent als teilweise zutreffend. Fast die Hälfte der Befragten (47,7 Prozent) plädiert dafür, sich lieber aktuellen Problemen zuzuwenden als dem Holocaust, was in der Wissenschaft als "Schuldabwehrantisemitismus" bezeichnet wird.

Die Studie zeigt zudem klare Zusammenhänge: Judenhass ist im rechten Spektrum deutlich stärker verbreitet als im linken, antisemitische Einstellungen nehmen mit zunehmender Social-Media-Nutzung zu und sind bei Menschen unter 30 Jahren besonders ausgeprägt.

Tief verwurzelter Antiziganismus in der Berliner Gesellschaft

Antiziganistische Einstellungen gegenüber Sinti und Roma erweisen sich als breit in der Berliner Gesellschaft verwurzelt. 30 Prozent der Befragten glauben, Sinti und Roma seien "nicht so zivilisiert", während 45 Prozent davon ausgehen, dass deren Anwesenheit zu Konflikten führe. Ein Viertel der Bevölkerung (25 Prozent) meint, Sinti und Roma sollten aus den Innenstädten verbannt werden, und 42 Prozent unterstützen die Aussage, dass Sinti und Roma durch ihr Verhalten selbst mit Schuld daran seien, diskriminiert zu werden.

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Alina Voinea, Ansprechperson des Landes Berlin zu Antiziganismus, kommentiert: "Das Ausmaß der antiziganistischen Einstellungen ist erschütternd, aber leider nicht überraschend. Die Ergebnisse belegen, was Betroffene seit Jahren berichten: Entsprechende Ressentiments sind weit verbreitet und tief in der Gesellschaft verankert."

Politische Reaktionen und geplante Gegenmaßnahmen

Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) wertet die Ergebnisse des Berlin-Monitors als deutliches "Warnsignal". "Die Studie zeigt, dass Demokratie nicht selbstverständlich ist und verteidigt werden muss", betont die Politikerin. Als konkrete Konsequenz plant Kiziltepe, noch in dieser Legislaturperiode in Berlin als erstem Bundesland ein Demokratiefördergesetz zu beschließen.

Ziel dieses Gesetzes ist es, eine kontinuierliche Förderung von Trägern gesetzlich festzuschreiben, die mit ihren Projekten wichtige Arbeit für den Erhalt und die Stärkung der Demokratie leisten. Damit soll institutionell verankert werden, was die Studie deutlich macht: Die demokratische Kultur in Berlin bedarf gezielter Unterstützung und kontinuierlicher Verteidigung gegen antidemokratische Tendenzen.