Brandenburgs erste Kinderschutzambulanz eröffnet: Ein sicherer Hafen für missbrauchte Kinder
In einem historischen Schritt für den Kinderschutz hat Brandenburg seine erste Kinderschutzambulanz am Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam eröffnet. Damit schließt das Bundesland eine bisher bestehende Lücke, denn es war das letzte Bundesland ohne eine solche spezialisierte Einrichtung. Die Ambulanz bietet einen geschützten Raum, in dem Ärztinnen und Ärzte Kinder, bei denen der Verdacht auf Misshandlung oder Missbrauch besteht, sensibel und konzentriert untersuchen können.
Geschützte Umgebung statt Rettungsstelle
Laut Petra Degenhardt, Chefärztin der Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie, ermöglicht die Kinderschutzambulanz eine Untersuchung in einer ruhigen, kindgerechten Umgebung – fernab der oft hektischen Rettungsstellen oder Stationen. Die Räume sind mit Spielzeug, Büchern und sogar einem Puppenhaus ausgestattet, um den Kindern das Erzählen ihrer Erlebnisse und die medizinische Untersuchung zu erleichtern. Diese Ausstattung fördert das Einfühlungsvermögen und die Sensibilität, die für solche Fälle unerlässlich sind, wie Jugendminister Gordon Hoffmann (CDU) betonte.
Flächendeckende Versorgung geplant
Die Potsdamer Ambulanz ist nur der Anfang: Weitere Standorte sind bereits in Planung, um eine flächendeckende Versorgung in Brandenburg zu gewährleisten. Ende April soll die nächste Einrichtung in Eberswalde offiziell eröffnet werden, und auch Frankfurt/Oder, Neuruppin, Lauchhammer und Cottbus sind im Gespräch. Die Zuweisung der betroffenen Kinder erfolgt durch das Jugendamt, beispielsweise nach Hinweisen aus Kitas, Schulen oder von Kinderärzten.
Finanzielle Herausforderungen und Fallzahlen
Die Anschubfinanzierung von 170.000 Euro aus Lotto-Mitteln wurde von Gesundheitsminister René Wilke (SPD) als „eine Unzulänglichkeit“ bezeichnet. Eine Folgefinanzierung ist bisher nicht geklärt, obwohl sowohl das Gesundheits- als auch das Jugendministerium Mittel für die kommenden Haushalte angemeldet haben. Diese Unsicherheit könnte die langfristige Arbeit der Ambulanzen beeinträchtigen.
Im Jahr 2024 gab es in Brandenburg 8.501 Verfahren zur Abklärung einer möglichen Gefährdung des Kindeswohls. Nach Einschätzung der Jugendämter ist in etwa zehn Prozent dieser Fälle eine weitergehende Begutachtung erforderlich – ein klarer Bedarf für spezialisierte Einrichtungen wie die Kinderschutzambulanzen.
Emotionale Appelle und praktische Unterstützung
Potsdams Oberbürgermeisterin Noosha Aubel (parteilos), die früher in der Jugendhilfe tätig war, äußerte sich dringlich zu dem Thema. Sie schilderte erschütternde Erfahrungen aus ihrer Vergangenheit und wünschte dem Team der neuen Ambulanz möglichst wenige Fälle. Ihr Appell unterstreicht die Bedeutung einer solchen Einrichtung in einer Gesellschaft, in der Kinderschutz immer mehr an Priorität gewinnt.
Die Eröffnung der Kinderschutzambulanz markiert einen wichtigen Meilenstein für Brandenburg. Sie bietet nicht nur medizinische Expertise, sondern auch die notwendige emotionale Unterstützung für Kinder in Not. Trotz der finanziellen Ungewissheiten ist dies ein Schritt in die richtige Richtung, um misshandelten Kindern einen sicheren Ort zu bieten.



