Generation 60plus hinter Gittern: Berliner Gefängnisse passen sich älteren Häftlingen an
Die demografische Entwicklung macht auch vor den Gefängnismauern nicht halt. In Berliner Justizvollzugsanstalten sitzen zunehmend Menschen ab 60 Jahren ein. Aktuelle Zahlen der Senatsjustizverwaltung zeigen: Bis Ende Januar dieses Jahres befanden sich 134 verurteilte Straftäter dieser Altersgruppe in Haft, darunter sechs Frauen. Zusätzlich waren 13 Seniorinnen und Senioren in Untersuchungshaft und 20 in der Sicherungsverwahrung in Tegel untergebracht.
Steigender Anteil älterer Inhaftierter
Der Anteil der Generation 60plus an der Gesamtzahl der Inhaftierten hat sich in den vergangenen zehn Jahren deutlich erhöht. Waren es vor einem Jahrzehnt noch vier Prozent, so liegt der Wert mittlerweile bei 6,5 Prozent. Im vergangenen Jahr saßen insgesamt etwa 8.670 Menschen in Berliner Gefängnissen ein, wovon rund 28 Prozent Untersuchungshäftlinge waren.
Ein Großteil der verurteilten Straftäter über 60 Jahre verbüßt ihre Strafe im sogenannten offenen Vollzug. Wie eine Justizsprecherin gegenüber der Deutschen Presse-Agentur mitteilte, verfügt dieser an zwei Standorten über speziell eingerichtete Stationen für ältere Insassen. Im offenen Vollzug können Häftlinge tagsüber die Anstalten verlassen, um beispielsweise einer Arbeit nachzugehen, Beratungstermine wahrzunehmen oder Familienbesuche zu absolvieren.
Barrierefreiheit wird zum zentralen Thema
Die Landeseigene Immobilienmanagement-Gesellschaft (BIM) hat bei Besichtigungen in den Justizvollzugsanstalten „diverse Umbaubedarfe“ festgestellt. Diese betreffen insbesondere die barrierefreie Gestaltung von Gebäuden sowie notwendige Sanierungsmaßnahmen. Die geplanten Anpassungen umfassen:
- Verbesserte Zugänge zu den Gebäuden
- Erweiterte Bewegungsmöglichkeiten innerhalb der Anstalten
- Angepasste Sanitärbereiche
- Berücksichtigung älterer Gefangener bei Neubauprojekten
Bislang existieren in Berliner Haftanstalten noch keine speziellen Pflegeabteilungen. Bei pflegebedürftigen Straftätern, deren Unterbringung in regulären Gefängnissen nicht mehr möglich ist, kommt das Justizvollzugskrankenhaus zum Einsatz. Die Justizverwaltung plant jedoch, bei anstehenden Sanierungsarbeiten im geschlossenen Männervollzug eine Station für ältere Inhaftierte einzurichten, die auch den Bedürfnissen pflegebedürftiger Personen gerecht wird. Auch für den geplanten Erweiterungsbau der Sicherungsverwahrung ist eine solche Station vorgesehen.
Bundesweite Entwicklungen im Strafvollzug
Die Herausforderungen einer älter werdenden Häftlingspopulation beschäftigen nicht nur Berlin, sondern die Justizbehörden in ganz Deutschland. In anderen Bundesländern wurden bereits konkrete Maßnahmen umgesetzt:
- Im benachbarten Brandenburg verfügt die Vollzugsanstalt Brandenburg an der Havel über eine Abteilung mit neun Haftplätzen speziell für „lebensältere Gefangene“.
- Sachsen betreibt in der Vollzugsanstalt Waldheim eine eigene Abteilung für Häftlinge ab 60 Jahren.
- Nordrhein-Westfalen hat im Gefängnis Bielefeld-Senne eine vergleichbare Einrichtung geschaffen.
- Rheinland-Pfalz eröffnete im Januar in der JVA Wittlich eine neue Pflegeabteilung, die auch Häftlinge aus dem Saarland aufnimmt. Diese bietet größere Räume, Pflegebetten, barrierefreie Badezimmer, Alarmknöpfe und eine Gemeinschaftsküche für Insassen mit Pflegestufe.
Die Justizvollzugsanstalten stehen vor der Aufgabe, sich auf eine kontinuierlich älter werdende Insassenschaft einzustellen. Während einige Bundesländer bereits spezialisierte Pflegeabteilungen eingerichtet haben, konzentriert sich Berlin zunächst auf barrierefreie Umbauten und die Schaffung altersgerechter Stationen. Die Entwicklung zeigt deutlich: Der Strafvollzug muss sich den veränderten demografischen Realitäten stellen und entsprechende Infrastrukturen schaffen.



