Reza Pahlavi in Berlin: Hoffnungsträger oder Spaltfigur der iranischen Opposition?
Reza Pahlavi in Berlin: Hoffnungsträger oder Spaltfigur?

Reza Pahlavi in Berlin: Hoffnungsträger oder Spaltfigur der iranischen Opposition?

Es ist ein kalter Januartag, als sich Reza Pahlavi mit einer Videoansprache auf Instagram an die Protestbewegung im Iran wendet. Seit Tagen erschüttern Demonstrationen, ausgelöst durch eine schwere Wirtschaftskrise, das Land. In seiner Botschaft fordert er die Menschen auf, zwei Tage später auf die Straße zu gehen oder von den Balkonen Parolen zu rufen. Was dann geschieht, überrascht viele: In den Metropolen folgen Massen dem Aufruf, und für einen Moment wirkt es, als habe die zersplitterte Opposition eine einheitliche Stimme gefunden. Getragen wird diese von einer Wut, die sich seit Jahren aufgestaut hat – über politische Repression, fehlende Perspektiven und steigende Preise.

Ein Besuch in Berlin und die Spaltung der Opposition

Nun reist Pahlavi, der Sohn des letzten Schahs, für politische Gespräche nach Berlin. Es ist sein erster offizieller Besuch in der deutschen Hauptstadt. Für viele Exil-Iraner verkörpert er die Möglichkeit eines politischen Übergangs, während andere in ihm ein Symbol für ein monarchisches System sehen, dessen Versprechen sich schon einmal als trügerisch erwiesen haben. An kaum einer Figur zeigen sich die Brüche innerhalb der iranischen Opposition so deutlich wie an Reza Pahlavi.

Die schwersten Proteste und der folgende Krieg

Die Proteste im Januar werden vom iranischen Sicherheitsapparat in nur zwei Nächten brutal niedergeschlagen, wobei Tausende getötet werden. Dennoch nährten der Aufruf und die Bilder aus den Städten kurzzeitig Hoffnung auf einen politischen Umbruch. Es handelte sich um die schwersten Proteste in der Geschichte der Islamischen Republik. Nur wenige Wochen später beginnt der Krieg, als Israel und die USA den Iran angreifen. In Teilen der Opposition wird dieser als Chance für einen Machtwechsel gesehen. Pahlavi unterstützt den Kurs und stellt sich demonstrativ an die Seite von US-Präsident Donald Trump und Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu. Doch die Führung der Islamischen Republik bleibt an der Macht, und Ernüchterung breitet sich aus.

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Historische Verbindungen zu Deutschland

Die Geschichte der Pahlavi-Dynastie ist eng mit politischem Protest in Deutschland verknüpft. Beim Staatsbesuch von Schah Mohammad Reza Pahlavi in West-Berlin im Jahr 1967 kam es zu heftigen Demonstrationen. Der Student Benno Ohnesorg wurde am Rande von einem Zivilpolizisten erschossen – ein Ereignis, das bundesweit Empörung auslöste und als Zäsur für die westdeutsche Studentenbewegung gilt.

Die umstrittene Rolle von Reza Pahlavi

Der Schah regierte den Iran autoritär, unterdrückte die Opposition und setzte einen berüchtigten Geheimdienst ein, der brutal gegen Gegner vorging. Gleichzeitig trieb er das Land mit großen Reformprojekten und einer engen Anbindung an den Westen voran. Für viele seiner Gegner stand die Monarchie am Ende für politische Repression, Ungleichheit und eine Entfremdung zwischen Staat und Gesellschaft, was 1979 zur Revolution führte. Reza Pahlavi hatte das Land kurz zuvor verlassen, um in den USA eine Pilotenausbildung zu beginnen. Seit Jahrzehnten lebt er im Exil und behauptet, für einen Bruch mit den dunklen Kapiteln der iranischen Monarchie zu stehen. Er spricht von Demokratie, einem säkularen Staat und freien Wahlen, bleibt jedoch bei Fragen zur Rolle seines Vaters oft vage, was ihm Kritik einbringt.

Gespaltene Meinungen unter Iranerinnen und Iranern

Im Iran selbst und im Exil wird Pahlavi sehr unterschiedlich gesehen. Amir, ein IT-Experte aus Berlin, unterstützt Pahlavi und hält die konstitutionelle Monarchie für ein geeignetes politisches System. Hesam, ein Sprachlehrer in Teheran, meint, die Gesellschaft warte nicht mehr auf Reformen. Andere, wie der Tierarzt Taha, kritisieren Pahlavi dafür, dass er die Zerstörung der Infrastruktur seines Landes befürwortet. Mina, eine Studentin, glaubt, dass Pahlavis Rückhalt aus der Not heraus entstanden ist, da es keine bedeutende Opposition gebe.

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Expertenanalyse zur Spaltung

Der Iran-Experte Arash Azizi sieht darin ein größeres Muster. Der Krieg habe die Spaltung unter Iranerinnen und Iranern weiter vertieft. Große Protestbewegungen hätten oft Schwierigkeiten, sich in eine einheitliche Führung zu übersetzen, und im Iran komme eine Geschichte politischer Gewalt hinzu, die bis heute nachwirke. Azizi betont, dass es breite Einigkeit über das Ziel einer Demokratie gebe, aber wichtige Unterschiede darüber, welche Form sie annehmen sollte. Der Krieg habe eine weitere Bruchlinie geschaffen, indem er die Frage aufwirft, ob man für oder gegen den Krieg ist.

Ausblick und offene Fragen

Reza Pahlavi bereitet sich unterdessen auf seine Reise nach Berlin vor. Während seine Anhänger gespannt auf seine Ankunft warten, sind erste Proteste gegen den Besuch bereits angekündigt. Im Iran läuft an diesen Tagen eine Waffenruhe aus, und das Land blickt auf eine mögliche zweite Verhandlungsrunde zwischen Vertretern aus Washington und Teheran. Die Sorge ist groß, dass der Krieg weitergeht. Welche Rolle der Sohn des Schahs am Ende spielen kann, bleibt offen und spiegelt die tiefen Spaltungen innerhalb der iranischen Opposition wider.