Stillgelegtes DDR-Atomkraftwerk in Rheinsberg lockt heute als Besuchermagnet
Stillgelegtes DDR-AKW in Rheinsberg wird zum Besuchermagnet

Stillgelegtes DDR-Atomkraftwerk in Rheinsberg lockt heute als Besuchermagnet

Das idyllische Städtchen Rheinsberg in Brandenburg ist weithin bekannt für sein prunkvolles Schloss und die malerische Seenlandschaft. Doch in dem Ort verbirgt sich auch ein weniger bekanntes Relikt der Geschichte – das erste Atomkraftwerk der Deutschen Demokratischen Republik. Seit über drei Jahrzehnten außer Betrieb, hat das Kraftwerk seinen ursprünglichen Zweck längst hinter sich gelassen. Laut dem Online-Reisemagazin „Travelbook“ lockt der stille Koloss inzwischen zahlreiche Besucher an und hat sich zu einem unerwarteten touristischen Highlight entwickelt.

Historische Bedeutung und Funktion des Kraftwerks

Die Geschichte des Atomkraftwerks Rheinsberg begann im Jahr 1960 mit dem Baustart. Im Jahr 1966 produzierte es als Teil des „VE Kombinat Kernkraftwerke ‚Bruno Leuschner‛“ erstmals Strom. Mit einer Leistung von 70 Megawatt konnte es eine Stadt von der Größe Potsdams mit Energie versorgen und diente zudem als wichtige Forschungs- und Ausbildungsstätte. Rund 650 Menschen fanden hier Arbeit und ein Zuhause in einer eigens angelegten Siedlung, was die wirtschaftliche und soziale Bedeutung des Standorts unterstreicht.

Stilllegung und verzögerter Rückbau als Glücksfall

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands im Jahr 1990 wurde das Atomkraftwerk stillgelegt. Wenige Jahre später begann der aufwendige Rückbau unter der Leitung der Entsorgungswerk für Nuklearanlagen GmbH (EWN). Ursprünglich für das Jahr 2014 geplant, verzögert sich das Ende des Projekts nun bis in die 2040er Jahre. Grund hierfür sind technische Schwierigkeiten und ungeklärte rechtliche Fragen. Doch gerade diese Verzögerung erweist sich als unerwarteter Glücksfall, da sie einen besonderen Zugang zum Inneren des Kraftwerks ermöglicht.

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Geführte Touren bieten einzigartige Einblicke

Seit dem Jahr 1990 finden regelmäßig geführte Touren durch das stillgelegte Areal statt. Ehemalige Mitarbeiter gewähren dabei einzigartige Einblicke in Bereiche, die in einem im Betrieb befindlichen Kraftwerk niemals zugänglich wären. Vom Reaktorschacht bis hin zu den Kontrollräumen – Besucher erleben aus erster Hand die faszinierende Technik, die einst das „Gehirn“ des Kraftwerks bildete. Diese authentischen Erfahrungen machen die Führungen zu einem besonderen Erlebnis für Geschichtsinteressierte und Technikbegeisterte.

Praktische Informationen zu den Führungen

  • Teilnehmer müssen mindestens 14 Jahre alt sein.
  • Eine telefonische Anmeldung bei der EWN ist erforderlich.
  • Ein gültiger Ausweis muss mitgebracht werden.
  • Festes Schuhwerk und bequeme Kleidung werden empfohlen.
  • Die Führungen sind nicht barrierefrei.
  • Die Teilnehmerzahl pro Gruppe ist auf 15 Personen begrenzt.
  • Die Teilnahme ist kostenlos.
  • Interessierte sollten sich frühzeitig melden, da die Plätze sehr begehrt sind.

Die Kombination aus historischer Bedeutung, technischer Faszination und der Möglichkeit, ein Stück DDR-Geschichte hautnah zu erleben, macht das stillgelegte Atomkraftwerk in Rheinsberg zu einem einzigartigen Besuchermagnet in Brandenburg. Die Verzögerungen beim Rückbau haben somit einen positiven Nebeneffekt geschaffen, der die Attraktivität der Region weiter steigert.

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