Bremen zieht erste Bilanz zum Gewaltschutz für Frauen und Mädchen
Als erstes Bundesland hat Bremen jetzt eine umfassende Bilanz zur Umsetzung der Istanbul-Konvention vorgelegt. Der Abschlussbericht zeigt, dass bereits zahlreiche Maßnahmen zum Schutz vor Gewalt realisiert wurden, gleichzeitig aber weiterer Handlungsbedarf besteht, insbesondere in den Bereichen Prävention und spezifische Beratungsangebote.
71 von 75 Maßnahmen erfolgreich umgesetzt
Bremen gilt als Vorreiter bei der Umsetzung der Istanbul-Konvention, die seit Februar 2018 in ganz Deutschland gilt und die Bundesrepublik zur Verhütung und Beseitigung von Gewalt gegen Frauen verpflichtet. Bereits im März 2022 entwickelte das Land einen umfangreichen Landesaktionsplan, von dem bisher 71 der geplanten 75 Maßnahmen erfolgreich umgesetzt wurden.
„Es ist ganz klar, dass wir mehr Prävention brauchen. Das ist das A und O“, betonte Bremens Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) bei der Vorstellung des Berichts. Die Angebote sollen sich künftig noch gezielter an Jungen und Männer richten, um geschlechtsspezifische Gewalt bereits im Ansatz zu verhindern.
Meilensteine und bestehende Lücken
Zu den bedeutendsten Erfolgen zählt die Eröffnung einer speziellen Gewaltschutzambulanz, in der bereits Hunderte Opfer von häuslicher oder sexualisierter Gewalt medizinische und psychologische Hilfe fanden. Als erstes Bundesland gründete Bremen zudem einen Betroffenenbeirat, der den Opfern eine direkte Stimme verleiht und sie aktiv in die Umsetzung von Schutzmaßnahmen einbindet.
Dennoch identifiziert der Bericht mehrere Bereiche mit Nachholbedarf:
- Spezielle Beratungsangebote zu Zwangsverheiratung
- Hilfsstrukturen bei weiblicher Genitalverstümmelung
- Unterstützung bei Fällen von digitaler Gewalt
Der bestehende Landesaktionsplan wird derzeit überprüft, um diese Lücken im Hilfesystem zu identifizieren und zu schließen. Das endgültige Ergebnis dieser Überprüfung soll bereits im April vorgestellt werden.
Ziel: Echte Gleichstellung und Diskriminierungsabbau
Die Istanbul-Konvention verfolgt das übergeordnete Ziel einer echten Gleichstellung von Frauen und Männern sowie die Abschaffung jeglicher Form von Diskriminierung. Bremens Bilanzbericht zeigt, dass das Bundesland auf diesem Weg bereits wichtige Schritte gemacht hat, gleichzeitig aber die Notwendigkeit kontinuierlicher Verbesserungen betont.
Die Gewaltschutzambulanz bleibt ein zentraler Anlaufpunkt für Betroffene von Vergewaltigung oder häuslicher Gewalt und symbolisiert Bremens Engagement für einen umfassenden Schutz vulnerabler Bevölkerungsgruppen.



