Eurofighter neben Urlaubsfliegern: Luftwaffe übt auf zivilem Flughafen Lübeck
Luftwaffe übt mit Eurofightern auf Flughafen Lübeck

Eurofighter neben Urlaubsfliegern: Luftwaffe übt auf zivilem Flughafen Lübeck

Ein fernes Grollen durchdringt am Montagmorgen die trübe Wolkendecke über dem Flughafen Lübeck. Das nahende Flugzeug ist deutlich lauter als die üblichen Linienflieger, die hier normalerweise erwartet werden. Zuerst durchbricht Scheinwerferlicht die Wolken, dann nimmt die scharfkantige Silhouette Gestalt an. Das Dröhnen der Triebwerke wird immer intensiver, bis der erste Eurofighter der Luftwaffe auf der Landebahn aufsetzt – ein ungewöhnliches Bild an einem Ort, der typischerweise von Urlaubsfliegern in Richtung Mallorca oder London genutzt wird.

Training für den Ernstfall: „Dispersed Operations 2026“

Seit Montag trainieren Piloten des Taktischen Luftwaffengeschwaders 73 „Steinhoff“ aus Rostock-Laage in Mecklenburg-Vorpommern mit fünf Eurofightern auf dem Flughafen Lübeck. Die Übung mit dem Namen „Dispersed Operations 2026“ – zu Deutsch „verstreute Operationen“ – zielt darauf ab, Kampfjets schnell und flexibel von ihren Stammstandorten auf Ausweichplätze zu verlegen. Dabei sollen militärische Abläufe nahtlos in zivile Strukturen integriert werden.

Oberst Dominique Gentzsch, Kommodore des Geschwaders, landete als Erster mit seinem Kampfjet in Lübeck. Nachdem er ausgestiegen war, erläuterte er den ernsten Hintergrund der Übung: „Luftwaffenstützpunkte sind verwundbar. Präzisionswaffen können Startbahnen, Hangars und Treibstoffdepots treffen.“ Die Antwort darauf sei Flexibilität, und genau diese müsse intensiv trainiert werden.

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Flexibilität als Schlüssel zur Sicherheit

In der Praxis bedeutet dies, dass Piloten im Ernstfall schnell auf alternative Flugplätze ausweichen können müssen. „Wer im Ernstfall von jedem Flughafen starten und landen kann, der ist natürlich flexibler, weniger berechenbar und schwerer zu treffen“, fasst Kommodore Gentzsch das Ziel der Übung zusammen. Das Training auf einem zivilen Flugplatz stelle einen kleinen, aber konkreten Beitrag zur Sicherheit Deutschlands dar.

Für die rund 50 Soldaten aus Laage ist die Übung ein Test ihrer Anpassungsfähigkeit an eine fremde Umgebung. Sie sind bewusst mit „leichtem Gepäck“ angereist, darunter zwei olivgrüne Lastwagen mit Ersatzteilen, Werkzeug und Verpflegung. Auch für den Flughafen Lübeck stellt die Koordination eine Herausforderung dar, da das Personal seine Abläufe mit den militärischen Gästen abstimmen muss.

Kooperation zwischen Zivil und Militär

Stadtpräsident Henning Schumann (CDU) begrüßte die Piloten und wies darauf hin, dass Lübeck seit 2025 eine Projektgruppe für zivil-militärische Zusammenarbeit unterhält. Die Kooperation zwischen Blaulichtorganisationen und der Bundeswehr sei vor Ort bereits etabliert. „Aber es ist schon etwas ganz Besonderes, wenn fünf Eurofighter vier Tage lang bei uns trainieren“, so Schumann.

In den kommenden Tagen werden die Piloten von Lübeck aus zu regulären Übungsflügen über Nord- und Ostsee starten. Trainiert werden unter anderem Luftkampfmanöver und die Betankung der Kampfjets in der Luft. Die Bundeswehr verspricht, dass Anwohner und der zivile Flugbetrieb so wenig wie möglich beeinträchtigt werden sollen, wobei eine enge Abstimmung mit dem Flughafenbetreiber erfolgt.

Fluglärm als notwendige Konsequenz

Dennoch bleibt der Fluglärm eine unvermeidliche Konsequenz der veränderten Bedrohungslage in Europa. Kommodore Gentzsch betont, dass Abschreckung nur auf echten Fähigkeiten basieren kann: „Und echte Fähigkeiten entstehen nicht am Schreibtisch, sondern im Training unter realen Bedingungen an realen Orten.“ Bürger mit Fragen oder Beschwerden zum militärischen Flugbetrieb können sich unter der Nummer 0800-8620730 an das Luftfahrtamt der Bundeswehr wenden.

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