Mit Schweineherz im Takt: Eva Jacobs Kampf für Frankfurter Kultclub
Die lebensfrohe Eva Jacob (82) tanzt wieder im Lesbenclub La Gata in Frankfurt – nur sechs Wochen nach einer Herzoperation, bei der Ärzte ein Loch in ihrer Herzscheidewand mit Schweinegewebe verschlossen haben. Eigentlich war die Sängerin der legendären Jacob Sisters nur zur Voruntersuchung für eine Knie-Operation in der Frankfurter Uniklinik, als der medizinische Befund sie überraschte: Ein Loch im Herzen erforderte sofortige Behandlung.
Minimalinvasive Operation mit biologischem Material
Am 19. Januar führten Spezialisten der Universitätsklinik Frankfurt einen minimalinvasiven Eingriff über die Leiste durch. Dabei verwendeten sie Gewebe aus dem Herzbeutel oder den Herzklappen von Schweinen, um das Loch in der Herzscheidewand zu schließen – eine gängige medizinische Praxis bei solchen Eingriffen. „Ich habe jetzt Teile vom Schwein in mir. Mein Herz schlägt wieder im Takt“, scherzt die 82-Jährige gegenüber BILD und fügt augenzwinkernd hinzu: „Ich hoffe, ich muss nicht grunzen!“
Die Entertainerin, die mit ihren Schwestern in den 1950er- und 1960er-Jahren als erste deutsche Girlgroup weltweit Erfolge feierte, hat ihre Ernährung inzwischen angepasst und versucht, sich gesünder zu ernähren. Dies nicht nur wegen der Herzoperation, sondern auch wegen der anstehenden Knie-Operation Ende März, bei der ein neues Kniegelenk eingesetzt werden soll. „Ich will wieder richtig hüpfen können“, erklärt Eva Jacob. „Meine Schwester und ich haben so viel getanzt in unserem Leben, da geht eben mal was kaputt.“
Kampf für den ältesten Lesbenclub der Welt
Doch statt sich nach zwei Operationen in wenigen Wochen zu schonen, kämpft Eva Jacob bereits wieder – diesmal nicht für sich selbst, sondern für einen Ort, der vielen Frauen am Herzen liegt. Der weltweit älteste Club für lesbische Frauen, das La Gata in Frankfurt, steht vor dem Aus. Der 85-jährigen Besitzerin Ricky wurde zum 31. März gekündigt, was die Betreiberin so erschüttert hat, dass sie ihr Haus kaum noch verlässt.
Für die Stammgäste bedeutet die Schließung den Verlust ihres Wohnzimmers, ihres Schutzraums und ihres Zuhauses. Eva Jacob, deren Tochter Angie regelmäßig den Club besucht, positioniert sich deutlich: „Meine Tochter geht so gerne hierher. Sie liebt es. Warum muss immer alles kaputtgemacht werden, was über so lange Zeit gewachsen ist?“ Ihre Tochter bezeichnet die kuschelige Bar als „Mein Wohnzimmer!“
Vom eigenen Herzen zum Herzen einer Community
Im Club La Gata bewegt sich Eva Jacob vorsichtig zur Musik – das Knie schmerzt noch, das Herz heilt noch, aber ihr Wille ist ungebrochen. Erst ließ sie ihr eigenes Herz reparieren, jetzt kämpft sie für das Herz einer ganzen Community. „Ob schwul, lesbisch oder was auch immer. Wir sind doch alle gleich!“, betont die 82-Jährige mit der charakteristischen Lebensfreude, die sie trotz gesundheitlicher Herausforderungen nicht verloren hat.
Die Jacob Sisters, bestehend aus Johanna (†76), Hannelore (†59), Eva (82) und Rosi (84), tourten in den 1950er- und 1960er-Jahren um die Welt und waren die erste deutsche Girlgroup. Heute steht Eva Jacob symbolisch für eine Generation, die trotz Alter und gesundheitlicher Einschränkungen nicht aufhört, für das einzustehen, was ihr wichtig ist – sei es die eigene Gesundheit oder der Erhalt kultureller Räume.



