40 Jahre Fünf-Seen-Lauf in Schwerin: Vom DDR-Start bis zum Jubiläums-Event
40 Jahre Fünf-Seen-Lauf: Schwerins Laufevent feiert Jubiläum

Vier Jahrzehnte Laufgeschichte: Schwerins Fünf-Seen-Lauf feiert Jubiläum

Ein früher Julimorgen in Schwerin. Möwen ziehen ihre Kreise über der Stadt, während sich auf dem Bertha-Klingberg-Platz die Reihen der Läufer füllen. Startnummern werden sorgfältig befestigt, letzte Nervosität wird in Gelächter aufgelöst. Es sind diese besonderen Sekunden unmittelbar vor dem Startschuss zum Schweriner Fünf-Seen-Lauf, der im Jahr 2026 sein stolzes 40-jähriges Bestehen feiert. Lediglich bedingt durch die Corona-Pandemie musste ein einziger Lauf in dieser langen Geschichte ausfallen. Für das Jubiläumsjahr werden wieder tausende begeisterte Läufer erwartet.

Die bescheidenen Anfänge eines großen Laufs

Die Idee für dieses besondere Sportevent kam ursprünglich aus dem Thüringer Wald. „Mein Freund Dietmar Büch und ich sind 1979 das erste Mal beim legendären Rennsteiglauf dabei gewesen“, erinnert sich Joachim Knipp, der heute 76-jährige Ideengeber und Mitbegründer des Fünf-Seen-Laufs. „Wir haben damals die anspruchsvollen 50 Kilometer in Thüringen absolviert und waren so begeistert von dieser Erfahrung, dass wir uns fest vorgenommen haben: Einen solchen inspirierenden Lauf braucht es unbedingt auch hier im Norden Deutschlands.“

Was zunächst in einer feucht-fröhlichen Runde festgehalten wurde, stieß in Schwerin anfangs auf erstaunliche Zurückhaltung. Erst 1982, nach einem weiteren eindrucksvollen Rennsteig-Erlebnis, kam endlich Bewegung in die Sache. „Unser engagierter Sportfreund Dietrich Bartel war sofort bereit, die organisatorische Leitung zu übernehmen“, berichtet Knipp. Nur wenige Tage später standen bereits erste konkrete Gedanken zur Streckenführung, zum Start und zum Ziel fest. 1984 gründete sich das offizielle Organisationsbüro mit sieben begeisterten Sportfreunden, und 1985 fiel am ersten Sonnabend im Juli endlich der lang ersehnte Startschuss.

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Politische Herausforderungen und unvergessene Momente

Schon die allererste Premiere entwickelte sich zu einem echten Paukenschlag. „Wir konnten damals stolze 1300 Teilnehmer begrüßen“, sagt Knipp. Diese beeindruckende Zahl hielt sich stabil und wuchs kontinuierlich. Bereits vor der politischen Wende kamen jährlich rund 3000 Starter nach Schwerin. Das besondere Markenzeichen war von Anfang an die einzigartige Streckenführung: Start in direkter Sichtweite des imposanten Schweriner Schlosses, Ziel auf der großen Festwiese im Stadtteil Lankow.

Auch politisch blieb der Lauf nicht isoliert. Bereits 1987 startete erstmals eine Gruppe aus Wuppertal. „Man hatte uns von der SED-Kreisleitung ausdrücklich geschult, keinen Kontakt zu West-Sportlern zu haben“, sagt Knipp und lacht heute darüber. „Aber Sportler sind eben Sportler – solche Grenzen existierten für uns einfach nicht.“ Mit der historischen Wende kamen dann völlig neue Herausforderungen auf die Organisatoren zu. 1990 fand der Lauf nur einen Tag nach der offiziellen Währungsunion statt. Die Startgelder waren noch in DDR-Mark gezahlt worden, während alle Rechnungen plötzlich in D-Mark beglichen werden mussten.

Hitzeschlachten und ein notwendiger Generationswechsel

Ende der 1990er-Jahre kehrte der Boom mit voller Kraft zurück. Über beeindruckende 15 Jahre hinweg zählte der Lauf regelmäßig mehr als 3000 begeisterte Teilnehmer, die beliebte 10-Kilometer-Strecke war teilweise bereits im Februar komplett ausverkauft. 2009, im Jahr der Bundesgartenschau, wurde ein absoluter Rekord erreicht: fast 4000 aktive Teilnehmer bei insgesamt 5000 Meldungen. Und dann kamen die unvergessenen Hitzeläufe mit Temperaturen von über 30 Grad Celsius. In solchen Extremfällen musste der Start kurzfristig um eine ganze Stunde vorverlegt werden.

Ab 2018 stand das traditionelle Zielgebiet in Lankow wegen umfangreicher Bauarbeiten nicht mehr zur Verfügung, gleich fünf verschiedene Baustellen tangierten die bewährte Strecke. „Wir mussten eine schwierige Entscheidung treffen: Machen wir unter diesen Bedingungen weiter oder nicht?“, sagt Kerstin Peter, die 2019 gemeinsam mit Dirk Polakowski die Leitung des Fünf-Seen-Laufes übernahm. Peter kennt den Lauf seit vielen Jahrzehnten, stand bereits 1996 am Verpflegungsstand und kam 2011 ins Organisationsbüro.

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Das moderne Laufevent mit sieben verschiedenen Strecken

Heute startet der traditionsreiche Lauf am Bertha-Klingberg-Platz mit direktem Blick auf das beeindruckende Schloss, während das Ziel auf der benachbarten schwimmenden Wiese liegt. Statt der ursprünglichen drei Strecken gibt es heute sieben verschiedene Optionen:

  • Kinderlauf für die jüngsten Teilnehmer
  • 5 Kilometer für Einsteiger
  • 10 Kilometer für Geübte
  • 15 Kilometer für Ambitionierte
  • Halbmarathon für erfahrene Läufer
  • Walken für alle, die es gemütlicher angehen
  • Kombiwertung für besonders Vielseitige

Der historische Verlauf existiert zwar nicht mehr in seiner ursprünglichen Form, doch wie Kerstin Peter betont: „Wir heißen nach wie vor Fünf-Seen-Lauf – und unsere modernen Strecken führen tatsächlich an fünf verschiedenen wasserführenden Stellen vorbei.“

Vorbereitungen für das große Jubiläumsjahr 2026

Im besonderen Jubiläumsjahr 2026 laufen die Vorbereitungen bereits auf Hochtouren. „Wir liegen derzeit bei rund 1000 frühen Anmeldungen und wünschen uns für das Jubiläum zwischen 4500 und 5000 begeisterte Teilnehmer“, verrät Peter. Zum 40. Geburtstag gibt es ein exklusives Sonder-T-Shirt und eine besonders gestaltete Medaille für alle Finisher. Bereits im Mai plant der Verein eine festliche Veranstaltung mit langjährigen Sponsoren, treuen Wegbegleitern und engagierten Ehrenamtlichen.

Und was bleibt nach vier bewegten Jahrzehnten? Vielleicht genau das, was Joachim Knipp von Beginn an erreichen wollte: Menschen bewegen, besondere Begegnungen ermöglichen und unvergessliche Erlebnisse schaffen. Der Schweriner Fünf-Seen-Lauf ist heute viel mehr als nur eine Strecke zwischen Start und Ziel – er ist ein lebendiges Stück Schweriner Stadtgeschichte, das Generationen verbindet und die Gemeinschaft stärkt.