Historische Wassermühle erwacht als Kunstschatz zu neuem Leben
Bei klirrender Kälte um den Gefrierpunkt erlebte die mehr als 700 Jahre alte Stover Wassermühle in Nordwestmecklenburg ein beeindruckendes Frühlingserwachen. Zahlreiche Besucher strömten zu der ersten Veranstaltung unter neuer Führung, um sowohl die historische Mühlentechnik mit ihren durch dicke Riemen angetriebenen Turbinen und Motoren als auch die neu eingerichteten Kunstausstellungen zu bestaunen.
Künstlerfamilie verliebt sich in historisches Gebäude
Pächterin Sabine Römer, eine leidenschaftliche Künstlerin, hatte gemeinsam mit ihren Söhnen Parzival und Finley ursprünglich nur nach einem Atelier gesucht. Doch das historische Gebäude mit seiner besonderen Atmosphäre begeisterte die gesamte Familie sofort. „Es ist ein wahrer Kunstschatz, diese Mühle. Die darf nicht einfach so dastehen und nicht zur Kenntnis genommen werden“, betont Sabine Römer mit Überzeugung.
Für die Auftaktveranstaltung lud sie die Fotografin Chantal Ditz ein und gestaltete mit ihr gemeinsam eine temporäre Ausstellung, die bei den Besuchern großen Anklang fand. Während die Werke von Chantal Ditz nach dem Wochenende wieder abgebaut wurden, bleiben Römers eigene Kunstwerke dauerhaft in der Mühle präsent.
Zukunftspläne: Café und regionaler Laden
Im Erdgeschoss gaben Parzival und Finley Römer bereits einen Vorgeschmack auf die geplanten gewerblichen Aktivitäten. Parzival verkaufte regionales Gemüse – ein erster Schritt hin zu einem festen Standbein für die Familie. „Ich möchte hier einen Laden für regionale Produkte betreiben und ein Café eröffnen“, verrät Sabine Römer ihre Vision für die Zukunft.
Die Kittlitzerin hofft, nach Erteilung der notwendigen Baugenehmigung im Jahr 2027 mit den Umbauarbeiten beginnen zu können. Bis dahin soll die Mühle regelmäßig für Kunstveranstaltungen und Ausstellungen genutzt werden.
Technikbegeisterte und ehemalige Angestellte schwelgen in Erinnerungen
Besonders bewegend war für viele Besucher die Begegnung mit der industriellen Vergangenheit der Mühle. Bis vor einem Jahr wurde in dem historischen Gebäude noch gewerblich geschrotet – damit war die Stover Wassermühle die am längsten betriebene Wassermühle in ganz Mecklenburg-Vorpommern.
Eine Schwarz-Weiß-Fotografie mit dem Titel „Mein Kollektiv am Arbeitsplatz“ zeigte mehrere ehemalige Angestellte aus DDR-Zeiten. „Die kenne ich fast alle noch“, erklärte Peter Valenta den anderen Besuchern und teilte so persönliche Erinnerungen an die Arbeitszeit in der Mühle.
Obwohl die Temperaturen am ersten Veranstaltungstag recht kühl blieben und die Besucherzahl entsprechend moderat ausfiel, konnte dies am Sonntag mehr als wettgemacht werden. Die Kombination aus historischer Technik, zeitgenössischer Kunst und persönlichen Geschichten schuf eine einzigartige Atmosphäre, die den Beginn einer neuen Ära für das 700-jährige Gebäude markiert.



