Bildungsministerin Oldenburg entsetzt über AfD-Abgeordneten: Rechtsextreme Comics an Schulen in MV verschickt
AfD-Abgeordneter verschickt rechtsextreme Comics an Schulen in MV

Bildungsministerin Oldenburg schockiert über AfD-Aktion: Rechtsextreme Comics an Schulen in Mecklenburg-Vorpommern verteilt

Eine sogenannte "Bücher-Verschenkaktion" des AfD-Bundestagsabgeordneten Christoph Grimm hat in Mecklenburg-Vorpommern für massive Empörung gesorgt. Der Politiker, der bis 2021 für die AfD im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern saß, verschickte Bücherpakete mit bedenklichem Inhalt an Schulen in seinem Wahlkreis, insbesondere in den Regionen Ludwigslust-Parchim und Nordwestmecklenburg.

Comics mit rechtsextremem Hintergrund in Schulpaketen

Den versendeten Materialien lag unter anderem der Comic "1813 - Eine Nation erwacht" bei, der in Frakturschrift gestaltet ist und mit Stickern versehen wurde, die den Aufdruck "Deutschland verteidigen!" tragen. Das 32-seitige Heftchen behandelt die Befreiungskriege auf eine unkritische und romantisierende Weise, die Kriegsgeschehnisse verherrlicht.

Herausgegeben wurde der Comic vom Grimbart Studio, das zur Tannwald Media in Leipzig gehört. Gründer und Geschäftsführer dieser Medienagentur ist Alexander Kleine, der als ehemaliges Mitglied der rechtsextremen Identitären Bewegung bekannt ist. Der Verlag beschreibt den Inhalt des Heftes als historischen Comic, der einen jungen Protagonisten durch die Wirren der Völkerschlachtszeit führt und dabei "das Vaterland von der fremden Besatzung befreien" lässt.

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Bildungsministerin bezeichnet Material als "Teufelszeug"

Mecklenburg-Vorpommerns Bildungsministerin Simone Oldenburg zeigte sich tief schockiert über die Aktion und nannte die Hefte in einer deutlichen Stellungnahme "Teufelszeug". "Es ist besonders perfide, bereits die Kleinsten mit extremistischem Gedankengut beeinflussen und indoktrinieren zu wollen", erklärte die Ministerin entschieden.

Oldenburg sieht in der Versendung der Materialien einen fundamentalen Verstoß gegen den demokratischen Bildungsauftrag an Schulen. Dieser Auftrag sieht vor, dass Schüler zu mündigen und handlungsfähigen Bürgern in der Demokratie heranwachsen und zur eigenen Urteilsbildung befähigt werden sollen. Die Ministerin wirft der AfD gezielte Propaganda vor und hat alle betroffenen Schulen angewiesen, das erhaltene Material umgehend zu vernichten.

Experten warnen vor NS-Bezügen und Gewaltverherrlichung

Stefan Kollasch vom Zentrum für demokratische Kultur Westmecklenburg bewertete die Comics gegenüber dem NDR als eindeutig problematisch. "Das angebotene Material hat einen offenen Bezug zu NS-Sprache und zu einem rechtsextremen Weltbild", so der Experte. Er betonte, dass der Comic keinesfalls für Kinder geeignet sei und gewaltverherrlichende Inhalte transportiere.

Diese Einschätzung steht in krassem Gegensatz zu Grimms eigener Darstellung. In einem Begleitschreiben an die Schulen, das der Redaktion vorliegt, empfiehlt der AfD-Politiker die Lektüre ausdrücklich für "Kinder im Grundschulalter, etwa um das siebte Lebensjahr" und behauptet, die Inhalte seien "altersgerecht konzipiert".

Grimm rechtfertigt Aktion in sozialen Medien

Über soziale Medien teilte Grimm mit, wie er auf die Idee zur Aktion gekommen sei. "Wenn man durch Buchläden geht und sich anschaut, was für Werte da teilweise transportiert werden sollen in Kinderbüchern, dann kann man sich wirklich nur noch an den Kopf fassen", schrieb der Abgeordnete. Diese Aussage unterstreicht die bewusste politische Motivation hinter der Verschenkaktion.

Die Vorfälle werfen ernste Fragen über den Umgang mit rechtsextremem Material im Bildungsbereich auf und zeigen, wie politische Akteure versuchen, Einfluss auf junge Menschen zu nehmen. Die schnelle Reaktion der Bildungsministerin und die klare Anweisung zur Vernichtung des Materials unterstreichen die Entschlossenheit, demokratische Werte an Schulen zu schützen.

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