AfD-Kandidat droht Linken-Demo: Brisantes Video zeigt „in Grund und Boden verbieten“-Äußerung
AfD-Kandidat droht Linken-Demo in Sassnitz mit Verbot

Brisantes Video aus Sassnitz: AfD-Kandidat droht Linken-Demonstranten mit Verbot

In Mecklenburg-Vorpommern sorgt ein aufgenommenes Video für erhebliche politische Kontroversen. Das Material zeigt Tommy Thormann, den AfD-Direktkandidaten für die Landtagswahl im Wahlkreis 33 auf Rügen, bei einer Parteiveranstaltung am Ostermontag in Sassnitz. Deutlich ist zu sehen und zu hören, wie sich der 31-jährige Politiker an Teilnehmer einer angemeldeten Gegendemonstration der Partei Die Linke wendet und ihnen mit einem Verbot droht.

„Euch in Grund und Boden verbieten“: Thormanns umstrittene Aussagen im Wortlaut

Das Videomaterial dokumentiert, wie Thormann mit erhobener Stimme in Richtung der Gegendemonstranten spricht. „Sie, die sie dastehen, hassen unsere Kultur, sie hassen unsere Identität, und sie hassen Deutschland“, erklärt der AfD-Mann. Anschließend fügt er die bedrohliche Ankündigung hinzu: „Daher werde man, sobald wir in Regierungsverantwortung kommen, euch in Grund und Boden verbieten.“ Diese Zusage wiederholt er mehrfach während seiner Rede.

Weiter äußert Thormann, er freue sich darauf, „wenn morgens um 6 Uhr bei euch die Polizei klingelt und euch aus dem Bett holt“. Deutlich adressiert er dabei die anwesenden Linken-Demonstranten, indem er erklärt: „Das dahinten hat ja die Linke angemeldet.“ Die Aufnahmen zeigen eindeutig, dass sich diese Aussagen direkt an die politischen Gegner richten.

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AfD-Kandidat bestreitet Parteiverbotsdrohung – Zeugen widersprechen

Auf Nachfrage des Nordkuriers bestreitet Tommy Thormann die getätigten Äußerungen nicht, weist jedoch zurück, damit eine demokratische Partei mit einem Verbot bedroht zu haben. In einem Facebook-Post spricht er von „extremen Diffamierungen“ und behauptet, das Videomaterial sei aus dem Zusammenhang gerissen worden. Thormann erklärt, er habe zuvor über die in den USA verbotene Antifa gesprochen und sich mit seinen Worten ausschließlich gegen gewaltbereite linksextreme Akteure gerichtet, nicht gegen eine politische Partei.

Diese Darstellung wird von Malte Paschirbe vom Bündnis „Rügen für Alle“, der selbst vor Ort war, entschieden widersprochen. „Wer politische Gegner verbieten will, obwohl sie sich auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung bewegen, stellt sich gegen zentrale Prinzipien unserer Demokratie“, so Paschirbe. Auch die Aufnahmen selbst belegen, dass Thormann sich explizit an die Linken-Demonstration wandte.

Experten und Politiker verurteilen die Äußerungen scharf

Hennis Herbst, Landesvorsitzender der Linken in Mecklenburg-Vorpommern, wirft Thormann „Nazisprech“ vor und unterstellt der AfD einen „Gestapo-Säuberungswahn“. Herbst betont: „Den politischen Gegner will die AfD aus den Betten zerren, die Zivilgesellschaft will die AfD brechen. Wir lassen uns hiervon aber nicht einschüchtern.“

Stefan Kollasch, Extremismusexperte vom Regionalzentrum für demokratische Kultur in Mecklenburg-Vorpommern, ordnet Thormann als „klaren Vertreter von rechtsextremen Akteuren in der AfD“ ein, die zunehmend an Einfluss gewinnen. Der Sassnitzer Politiker sei dem „völkischen Ultranationalismus“ zuzuordnen. Als Beleg verweist Kollasch darauf, dass Thormann bereits das White-Power-Zeichen verwendet habe, eine in rechtsextremen Kreisen verbreitete Handgeste.

„Der Vorfall in Sassnitz passt ins Bild“, analysiert Kollasch. Dabei spiele es eine untergeordnete Rolle, wem genau die Worte galten. Wer ankündige, in politischer Verantwortung unliebsame Gruppen verbieten zu wollen, „der steht selbst mit der Demokratie und dem Rechtsstaat auf Kriegsfuß“.

Weitere AfD-Politiker bei umstrittener Rede anwesend

Das Videomaterial dokumentiert zudem, dass bei Thormanns kontroverser Rede auch zwei weitere prominente AfD-Politiker anwesend waren: Dario Seifert, AfD-Bundestagsabgeordneter, und Michael Kasch, AfD-Vize-Landessprecher in Mecklenburg-Vorpommern. Ihre Anwesenheit bei den umstrittenen Äußerungen wirft Fragen nach der Haltung der Partei zu solchen Aussagen auf.

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AfD-Landessprecher Leif-Erik Holm unterstützt auf Anfrage die Darstellung Thormanns und betont ebenfalls, es seien nur gewaltbereite linksextreme Akteure gemeint gewesen, nicht die Partei Die Linke. Diese Erklärung steht jedoch im deutlichen Widerspruch zu den dokumentierten Bild- und Tonaufnahmen sowie den Aussagen unabhängiger Zeugen.