AfD-Kandidat Thormann droht Linken-Demonstranten mit Verbot - Experte sieht Rechtsextremismus
AfD-Kandidat droht Linken mit Verbot - Experte sieht Rechtsextremismus

AfD-Kandidat droht politischen Gegnern mit Verbot und Polizeiaktionen

In Mecklenburg-Vorpommern sorgt eine umstrittene Rede des AfD-Direktkandidaten Tommy Thormann für erhebliche Aufregung. Bei einer Parteiveranstaltung am Ostermontag in Sassnitz auf Rügen richtete der 31-jährige Politiker, der im Wahlkreis 33 für den Landtag kandidiert und dem Kreisvorstand der AfD angehört, deutliche Drohungen an Teilnehmer einer Gegendemonstration der Linken.

Videomaterial zeigt aggressive Konfrontation

Das brisante Videomaterial vom 6. April dokumentiert, wie Thormann mit erhobener Stimme und deutlichen Gesten in Richtung der Linken-Demonstranten spricht. „Sie, die sie dastehen, hassen unsere Kultur, sie hassen unsere Identität, und sie hassen Deutschland“, erklärte der AfD-Mann laut den Aufnahmen. Weiter drohte er: „Sobald wir in Regierungsverantwortung kommen, werden wir euch in Grund und Boden verbieten.“ Diese Aussage versprach er ausdrücklich.

Noch konkreter wurde Thormann mit der Ankündigung, sich darauf zu freuen, „wenn morgens um 6 Uhr bei euch die Polizei klingelt und euch aus dem Bett holt“. Dabei adressierte er die Gegendemonstranten direkt und stellte klar: „Das dahinten hat ja die Linke angemeldet.“ Die Aufnahmen zeigen deutlich, dass sich seine Äußerungen gezielt an die Teilnehmer der von der Linken angemeldeten Demonstration richteten.

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Thormann bestreitet Parteiverbot - widersprüchliche Darstellungen

Auf Nachfrage des Nordkuriers bestritt Thormann nicht, die zitierten Aussagen getätigt zu haben. Allerdings wies er zurück, damit einer Partei gedroht zu haben. In einem Facebook-Post nach der Berichterstattung des NDR sprach er von „Geschichten aus dem Paulaner Garten“ und fühlte sich „extrem diffamiert“. Seine Erklärung: Das Videomaterial sei aus dem Zusammenhang gerissen worden. Er habe zuvor über die in den USA verbotene Antifa gesprochen und „gewaltbereite linksextreme Akteure“ gemeint, nicht eine demokratische Partei.

Diese Darstellung wird auch von AfD-Landessprecher Leif-Erik Holm unterstützt. Allerdings widerspricht Malte Paschirbe vom Bündnis „Rügen für Alle“, der vor Ort war, dieser Interpretation entschieden. „Wer politische Gegner verbieten will, obwohl sie sich auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung bewegen, stellt sich gegen zentrale Prinzipien unserer Demokratie“, so Paschirbe.

Experte ordnet Thormann rechtsextremem Spektrum zu

Für Extremismusexperte Stefan Kollasch vom Regionalzentrum für demokratische Kultur in Mecklenburg-Vorpommern ist Thormann „ein klarer Vertreter von rechtsextremen Akteuren in der AfD, die immer mehr an Einfluss gewinnen“. Der Sassnitzer Politiker sei dem „völkischen Ultranationalismus“ zuzuordnen, so Kollasch.

Als Belege führt der Experte mehrere Vorfälle an:

  • Thormann verwendete das White-Power-Zeichen, eine in der rechtsextremen Szene übliche Handgeste
  • Der Gruß stehe für die Überlegenheit der sogenannten Weißen Rasse und beziehe sich klar auf neonazistische Ideologien
  • Die Drohungen in Sassnitz passten ins Gesamtbild seiner politischen Ausrichtung

Kollasch betont: „Wer ankündigt, in politischer Verantwortung unliebsame Gruppen verbieten zu wollen, der steht selbst mit der Demokratie und dem Rechtsstaat auf Kriegsfuß.“ Dabei spiele es eine untergeordnete Rolle, wem genau die Worte galten.

Reaktionen der Linken und weitere Beteiligte

Hennis Herbst, Landesvorsitzender der Linken in Mecklenburg-Vorpommern, geht in seiner Kritik noch weiter. Er unterstellt Thormann „Nazisprech“ und der AfD einen „Gestapo-Säuberungswahn“. Herbst erklärt: „Den politischen Gegner will die AfD aus den Betten zerren, die Zivilgesellschaft will die AfD brechen. Wir lassen uns hiervon aber nicht einschüchtern.“

Interessant ist auch die Anwesenheit weiterer AfD-Politiker während der umstrittenen Rede. Das Videomaterial aus Sassnitz zeigt, dass sowohl Dario Seifert, AfD-Bundestagsabgeordneter, als auch Michael Kasch, AfD-Vize-Landessprecher, bei Thormanns Auftritt vor Ort waren. Ihre Reaktionen auf die Äußerungen sind bisher nicht öffentlich dokumentiert.

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Der Vorfall wirft grundsätzliche Fragen über den Umgang mit politischen Gegnern und die Grenzen demokratischer Auseinandersetzung auf. Während Thormann betont, nur gewaltbereite Extremisten gemeint zu haben, sehen Beobachter in seinen Aussagen eine gefährliche Eskalation der politischen Rhetorik.