„Schimmel-Bus“-Eklat: Deutsche Bahn droht Partner Ecovista mit sofortiger Kündigung
Der Schienenersatzverkehr zwischen Berlin und Hamburg entwickelt sich für zahlreiche Fahrgäste zu einem echten Albtraum. Nach massiven Beschwerden über schimmelige Sitze, eklige Gerüche und technische Mängel bei Ersatzbussen des Bahn-Partners Ecovista zieht die Deutsche Bahn nun drastische Konsequenzen.
Fahrgastbeschwerden lösen heftige Reaktion der Bahn aus
Was die Fahrgäste Hartmut Senff und Tobias Küstermann am vergangenen Sonntag in einem Ecovista-Ersatzbus auf der Strecke von Quitzow nach Schwerin in Mecklenburg-Vorpommern erleben mussten, ist kaum zu glauben. Schimmelige Sitzpolster, vermoderte Gerüche und abgefahrene Reifen machten die Fahrt zu einer unzumutbaren Erfahrung. Diese Vorfälle sind jedoch kein Einzelfall, wie zahlreiche weitere Beschwerden von Reisenden belegen.
Die Deutsche Bahn reagierte umgehend auf die öffentlich gewordenen Missstände. Ein Sprecher der DB InfraGO bestätigte gegenüber Medien, dass dem Auftragnehmer Ecovista eine Frist zur sofortigen Abstellung aller Mängel gesetzt wurde. Sollte das Unternehmen nicht unverzüglich vertragskonforme Fahrzeuge mit ausreichenden Platzkapazitäten und klarer Fahrzielauskunft einsetzen, werde die Bahn die umgehende Beauftragung anderer Schienenersatzverkehrsanbieter erwägen.
Bahn-Vorstand spricht von Erpressung und Missbrauch der Fahrgäste
Gerd-Dietrich Bolte, Vorstand für Infrastrukturplanung und -projekte der DB InfraGO, äußerte einen schwerwiegenden Vorwurf: „Es ist nicht hinnehmbar, dass Ecovista unsere Fahrgäste zum Faustpfand für Vertragsverhandlungen mit uns oder seinem Leasinggeber missbraucht.“ Der Bahn-Manager betonte weiter: „Wir setzen alles daran, für die Fahrgäste eine zuverlässige und qualitativ hochwertige Lösung zu finden, aber wir lassen uns nicht erpressen.“
Die DB InfraGO hat Ecovista bereits formell abgemahnt und fordert den sofortigen Einsatz einwandfreier Busse. Interessanterweise sollen die bisher genutzten, mangelhaften Fahrzeuge sogar noch vor Ort verfügbar sein, was die Situation zusätzlich verschärft.
Hintergrund: Vertragsstreit und europaweite Bus-Suche
Der eigentliche Grund für die katastrophale Situation scheint in einem Vertragsstreit zwischen Ecovista und seinem Leasinggeber zu liegen. Der Vertrag für die rund 200 Ersatzbusse wurde zum 28. Februar gekündigt, was Ecovista nun vor enorme logistische Herausforderungen stellt. Das Unternehmen muss händeringend deutschlandweit und in ganz Europa nach Ersatzfahrzeugen suchen, um den Schienenersatzverkehr aufrechtzuerhalten.
Dabei hatte die Deutsche Bahn ursprünglich klare Qualitätsstandards für den Schienenersatzverkehr rund um die Sanierung des Bahnkorridors Hamburg–Berlin vorgegeben. Diese umfassten unter anderem ein einheitliches Design in Verkehrspurpur, standardisierte Außenanzeigen und einen professionellen Reiseinformationsdienst. Von diesen Vorgaben ist Ecovista derzeit meilenweit entfernt.
Die aktuelle Entwicklung zeigt, wie fragil das System des Schienenersatzverkehrs sein kann, wenn Vertragspartner ihre Verpflichtungen nicht erfüllen. Für die betroffenen Fahrgäste bleibt vorerst nur die Hoffnung, dass die Deutsche Bahn ihre Drohung wahr macht und schnellstmöglich für zuverlässige Alternativen sorgt.



