Vollsperrung Berlin-Hamburg: Ersatzverkehr-Chaos als Armutszeugnis für Bahn und Politik
Berlin-Hamburg: Ersatzverkehr-Chaos als Armutszeugnis

Vollsperrung Berlin-Hamburg: Ersatzverkehr im absoluten Chaos

Der Schienenersatzverkehr für die vollgesperrte Bahnstrecke zwischen Hamburg und Berlin ist vollständig aus dem Gleis gerollt. Was als temporäre Lösung gedacht war, hat sich zu einem Desaster entwickelt, das die Hilflosigkeit und Verantwortungslosigkeit von Deutscher Bahn sowie Bundes- und Landesverkehrsministerium schonungslos offenbart.

Fehlentscheidung mit fatalen Folgen

Der Kardinalfehler wurde bereits vor anderthalb Jahren begangen, als die Deutsche Bahn den Auftrag für den Ersatzverkehr auf der fast 300 Kilometer langen Strecke an die Ecovista e.K vergab. Dabei handelt es sich um einen einzelnen eingetragenen Kaufmann, Michael Bader, dessen unternehmerische Vorgeschichte bereits vor der Vergabe Bedenken weckte.

Ralf Damde, Betriebsrat der Bahntochter DB-Regio, warnte damals vor dem „schillernden Ruf des Unternehmers in der Branche“. Bader war zuvor an anderen Busunternehmen in führender Position beteiligt, darunter die Baderbus GmbH und Baderbus Nord GmbH, die beide Insolvenz anmelden mussten.

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Warum nicht die bewährte DB Regio?

Die Frage drängt sich auf: Warum kam die erfahrene Bahntochter DB Regio nicht zum Einsatz, die den Ersatzverkehr für die Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim erfolgreich organisiert hatte?

Jürgen Lenz, DB-Regio-Gesamtbetriebsratsvize, erklärte laut Medienberichten: „Die DB Regio wurde unterboten. Beim Riedbahn-Ersatzverkehr haben wir Sozialstandards für die Fahrerinnen und Fahrer durchgesetzt, wie anständige Unterbringung in Hotels nahe am Einsatzort. Das war der DB InfraGO beim Auftrag für den Ersatzverkehr Hamburg-Berlin aber anscheinend zu teuer.“

Politisches Versagen auf allen Ebenen

Besonders erschreckend ist das Verhalten der Politik in dieser Krise. Aus dem Verkehrsministerium von Ex-Minister Volker Wissing (FDP) hieß es seinerzeit: „Ein Notfallplan ist nicht vorgesehen, da dies voraussetzt, dass Busse und Fahrpersonal an anderer Stelle vorgehalten werden.“

Das jetzt von Patrick Schnieder (CDU) geführte Bundesverkehrsministerium hält sich auffällig im Hintergrund, obwohl der Bund 100-prozentiger Eigentümer der Deutschen Bahn ist. Auch das Landesministerium in Schwerin agiert, als habe es nichts mit den Problemen der Pendler in Mecklenburg-Vorpommern zu tun, die täglich stundenlange Umleitungen und ausgefallene Busse ertragen müssen.

Bauverzögerung und Sicherheitsbedenken

Die Situation hat sich in den letzten Wochen weiter verschärft:

  • Die Bauarbeiten auf der seit August vergangenen Jahres gesperrten Strecke verzögern sich um „Wochen“
  • Seit einer Woche wachsen die Sicherheitsbedenken bezüglich des eingesetzten Busmaterials
  • Die Begründung der Bahn für die Verzögerung wirkt wie Hohn: Weil im Winter Winter war, können die Arbeiten nicht rechtzeitig abgeschlossen werden

Ein Systemversagen mit Langzeitfolgen

Die Hilf- und Ratlosigkeit der Politik bei diesem praktischen Problem der Bürger ist beängstigend. Noch ist völlig unklar, wie lange die Bauverzögerung andauern wird und ob der Ersatzverkehr überhaupt noch aufrechterhalten werden kann.

Dieses Debakel zeigt ein grundlegendes Systemversagen: Die Priorisierung von Kosteneinsparungen vor Qualität und Zuverlässigkeit, gepaart mit politischer Untätigkeit, lässt tausende Pendler im Stich. Die Geschichte ist noch lange nicht auserzählt, aber sie offenbart schon jetzt erschreckende Defizite in der deutschen Verkehrsinfrastruktur und -politik.

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