Bürokratie-Kampf auf Ostseeinseln: Kurorte in Mecklenburg-Vorpommern wehren sich
Bürokratie-Kampf: Ostsee-Kurorte wehren sich gegen Überregulierung

Bürokratie-Kampf auf Ostseeinseln: Kurorte in Mecklenburg-Vorpommern wehren sich

Die Kur- und Erholungsorte an der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns schlagen Alarm: Ausufernde Bürokratie erstickt ihrer Ansicht nach selbst einfache Veranstaltungen wie Strandfeste. Beim 29. Bädertag des Bundeslandes auf der Insel Hiddensee starteten sie am Donnerstag eine konzertierte Offensive gegen das, was sie als "Bürokratiemonster" bezeichnen.

Vom Sandburgen-Wettbewerb zur Behördenodyssee

Ein besonders anschauliches Beispiel für die Überregulierung liefert Thomas Heilmann, Kurdirektor der Kaiserbäder auf Usedom. "Wenn man einen simplen Sandburgen-Wettbewerb am Strand organisieren möchte, muss man bereits fünf verschiedene Behörden konsultieren", erklärt er. Zu den beteiligten Stellen gehören:

  • Das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt Vorpommern
  • Die untere Naturschutzbehörde
  • Die zuständige Gemeinde
  • Weitere Fachbehörden mit spezifischen Zuständigkeiten

Heilmann plant mittlerweile für solche Veranstaltungen ein halbes Jahr Vorlauf ein – eine Zeitspanne, die viele spontane Ideen im Keim erstickt. "Das wird von Jahr zu Jahr schlimmer", klagt der erfahrene Kurdirektor. Nicht selten scheiterten Events allein an den zeitlichen Abläufen der Genehmigungsverfahren.

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Workshop gegen die "Bürokratiemonster"

Genau diesem Problem widmete sich ein spezieller Workshop beim Bädertag auf Hiddensee. Unter der Leitung von Dennis Rudolf von der Stabstelle Bündnis für Entlastung im Schweriner Wirtschaftsministerium diskutierten die Teilnehmer Strategien zur Bürokratie-Reduktion. Annette Rösler, Geschäftsführerin des Bäderverbands Mecklenburg-Vorpommern, betonte die Dringlichkeit: "Für ein Tourismusland wie Mecklenburg-Vorpommern ist dieser Zustand nicht der richtige Weg."

Neben dem Bürokratie-Thema standen weitere Herausforderungen auf der Agenda:

  1. Der Neustart nach der Ablösung des Tourismusverbands (TMV) durch eine neue Gesellschaft
  2. Die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum in touristischen Regionen
  3. Das sensible Miteinander von Küstenschutz und Tourismusentwicklung

Logistische Herausforderungen beim Bädertag

Ironischerweise bekamen die Teilnehmer des Bädertags selbst bürokratiefreie, aber logistische Herausforderungen zu spüren. Wegen Flachwassers fanden am Donnerstag keine regulären Fährfahrten zwischen Hiddensee und Schaprode auf Rügen statt. Die Reederei Hiddensee musste den Fahrplan anpassen, sodass viele Teilnehmer bereits am Mittwoch anreisen mussten – ein praktisches Beispiel für die Flexibilität, die im Tourismusalltag oft gefordert wird.

Die Kurorte Mecklenburg-Vorpommerns machen deutlich: Sie wollen nicht länger in Formularen und Genehmigungsverfahren ersticken, sondern ihren Gästen unbeschwerte Ostsee-Erlebnisse bieten. Der Kampf gegen die Bürokratie ist für sie zu einer Überlebensfrage geworden.

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