Center-Manager Moritz Dressel über Herausforderungen und Chancen in Neubrandenburg
Seit August 2025 leitet Moritz Dressel das Marktplatz-Center in Neubrandenburg, das täglich rund 17.000 Besucher anzieht. In einem aktuellen Podcast mit Unternehmensberater Christian Atzl äußerte sich der Manager ausführlich zu Leerstandsquoten, neuen Geschäften und seiner Vision für die Zukunft des Einzelhandels in der Region.
Positive Bilanz trotz leerstehender Flächen
Dressel räumt ein, dass jeder Leerstand grundsätzlich problematisch ist, betont jedoch, dass dies kein spezifisch Neubrandenburger Phänomen sei. Als Beispiel nennt er die Schließung der Gamestop-Filiale vor gut einem Jahr, die Teil einer deutschlandweiten Strategie des Videospielhändlers war. Trotz der Schließungen von BoboQ und McDonalds konnte der Center-Manager bereits drei neue Mieter gewinnen: den Videospiel- und Anime-Händler Figuya x Konsolenkost, das Eis/Broiler-Doppelkonzept von Joho und Hungry Ninja. „Wenn du eine Nische hast, die du gut bedienst und das mit ganz viel Herz, Leben und Inhalt füllst, aktivierst du jede Zielgruppe“, erklärt Dressel die erfolgreiche Ansiedlung von Figuya, die eine jüngere Käuferschicht anspricht.
Lob für die Stadt und ihre Zusammenarbeit
Der Manager zeigt sich beeindruckt von der Atmosphäre in Neubrandenburg: „In solchen kleineren Städten ist die Welt einfach noch sehr, sehr heile und sehr, sehr in Ordnung.“ Er lobt ausdrücklich die gute Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung und den Entscheidungsträgern, die er als „einzelhandelskompetent und einzelhandelsfreundlich“ wahrnimmt. Diese positive Grundstimmung sieht er als wichtigen Faktor für die weitere Entwicklung des Standorts.
Zukunftsvision: Menschlicher Kontakt statt Roboterhallen
Besonders deutlich wird Dressels Haltung bei der Frage nach der Zukunft des Einzelhandels. Die Vorstellung von vollautomatisierten Einkaufszentren, in denen Kunden nur noch über Touchpads bestellen und Roboter die Ware übergeben, findet er „ganz gruselig“. Für ihn ist der persönliche Kontakt zwischen Verkäufern und Kunden ein entscheidender Unterschied zum Online-Handel: „Dafür würde ich nicht in die Innenstadt fahren, da kann ich auch online bestellen.“ Seine Hoffnung für das Jahr 2040: „Ich habe die ganz dolle Hoffnung, dass es den ganz klassischen Handel noch in 14 Jahren in der Innenstadt gibt.“
Verbesserungspotenzial in Gastronomie und Tourismus
Trotz der positiven Entwicklungen sieht Dressel noch Verbesserungsbedarf. Gastronomisch könnte Neubrandenburg seiner Meinung nach „nochmal eine Schippe drauflegen“. Auch bei der touristischen Erschließung der Stadt gebe es Potenzial. In der Weihnachtszeit wünscht er sich einen „echten Weihnachtsmarkt“, der Besucher aus der gesamten Region anlockt.
Ungewisse Zukunft, klare Ziele
Ob das Marktplatz-Center jemals zu 100 Prozent vermietet sein wird, hält Dressel für „unprognostizierbar“. Marktmechanismen und Unternehmensentscheidungen seien schwer vorhersehbar. Dennoch betont er: „Es ist auf jeden Fall unser Anspruch.“ Sein primäres Ziel bleibt, zufriedene Kunden zu haben, die gerne in das Einkaufszentrum kommen. Der einstündige Podcast mit Christian Atzl bietet weitere Einblicke in Dressels Strategien und ist auf Plattformen wie Spotify verfügbar.



