DDR-Schiff vor Indonesien versenkt: Die Geschichte der „Cottbus“
DDR-Schiff vor Indonesien versenkt: Die Geschichte der Cottbus

Ein früheres Schiff der DDR-Volksmarine ist vor der Küste Indonesiens versenkt worden. Bei einer Marineübung wurde die ehemalige „Cottbus“, die zuletzt unter dem Namen „Teluk Hading“ im Dienst stand, als Zielschiff eingesetzt und mit einer Rakete beschossen. Damit endete die bewegte Geschichte eines in Vorpommern gebauten Landungsschiffes, das nach der Wiedervereinigung ein zweites Leben auf der anderen Seite der Welt erlebte.

Gebaut in Wolgast: Die Entstehung der „Cottbus“

Das Schiff wurde in den 1970er-Jahren auf der Peene-Werft in Wolgast gebaut. Es gehörte zur Hoyerswerda-Klasse, die im Westen auch als Frosch-Klasse bezeichnet wird. Zwischen 1974 und 1980 entstanden dort zwölf Landungsschiffe und zwei Hochseeversorger dieses Typs. Die „Cottbus“ war knapp 98 Meter lang und verdrängte rund 1.980 Tonnen. An Bord war Platz für bis zu 280 Soldaten und mehrere gepanzerte Fahrzeuge. Be- und Entladen erfolgte über eine Bugrampe, die ein dichtes Heranfahren an flache Küsten ermöglichte. Auffälligstes Merkmal war die große Bugklappe. Bei der Volksmarine lief die „Cottbus“ unter der Kennung 614 und blieb bis zum Ende der DDR im aktiven Dienst.

Nach der Wende: Verkauf nach Indonesien

Am 1. Oktober 1990 wurden die Schiffe der Klasse außer Dienst gestellt. Die „Cottbus“ wurde entwaffnet und für den Verkauf vorbereitet. Später ging die gesamte Klasse nach Indonesien, wo die Schiffe ohne ihre frühere Bewaffnung übergeben und neu ausgerüstet wurden. Die ehemalige „Cottbus“ erhielt den Namen „Teluk Hading“. In dem Inselstaat wurden solche Landungsschiffe weiterhin dringend benötigt, um Soldaten, Fahrzeuge und Material zwischen den Inseln zu transportieren. So begann für das in Vorpommern gebaute Schiff ein neuer Abschnitt auf der anderen Seite der Welt. Der Name änderte sich, die Aufgabe blieb ähnlich.

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Ein Brand beendet die aktive Laufbahn

Ein schwerer Zwischenfall leitete das Ende ein. Im Jahr 2023 brach an Bord der „Teluk Hading“ ein Feuer aus. Alle Menschen an Bord konnten gerettet werden, doch das Schiff wurde erheblich beschädigt und kehrte nicht mehr in den aktiven Dienst zurück. 2024 wurde die Einheit offiziell außer Dienst gestellt. Danach war nur noch offen, wie das letzte Kapitel dieses Schiffes aussehen würde.

Versenkt bei einer SINKEX-Übung

Nun wurde die frühere „Cottbus“ bei einer SINKEX-Übung (Sinking Exercise) verwendet. Solche Manöver dienen dazu, die Wirkung von Antischiffswaffen auf echte Schiffsrümpfe zu testen. Dafür werden ausgemusterte Einheiten vorbereitet und anschließend als Ziel eingesetzt. Nach Berichten wurde das Schiff mit einer Exocet-MM40-Block-3-Rakete getroffen und versenkt. Damit endete die Geschichte eines Schiffes, das in Wolgast gebaut wurde und später unter indonesischer Flagge fuhr.

Weitere Schiffe der Klasse gingen verloren

Mit der „Teluk Hading“ ist bereits das vierte Landungsschiff dieser früheren DDR-Klasse verloren gegangen. Die „Teluk Berau“ (früher „Eberswalde/Finow“) wurde bereits 2012 bei einer ähnlichen Übung als Zielschiff versenkt. Die „Teluk Peleng“ (einst „Lübben“) sank 2013 nach einem Unfall im Hafen. Die „Teluk Jakarta“ (früher „Eisenhüttenstadt“) ging 2020 nach einem Sturm verloren. Von den ursprünglich zwölf Landungsschiffen der Klasse stehen damit noch acht im Dienst: die frühere Hoyerswerda, Hagenow, Frankfurt/Oder, Schwerin, Neubrandenburg, Anklam, Schwedt und Grimmen. Dass diese in Wolgast gebauten Schiffe noch immer in Indonesien fahren, gehört zu den eher ungewöhnlichen Nachgeschichten ostdeutscher Marinetechnik.

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