Historischer Segler kehrt ins Wasser zurück
Nach Jahren auf dem Trockendock hat das einzige in der DDR gebaute Segelschulschiff „Greif“ endlich wieder seinen natürlichen Lebensraum erreicht. Auf dem Gelände der Stralsunder Volkswerft wurde der traditionsreiche Rahsegler nach umfassenden Sanierungsmaßnahmen per Schiffslift feierlich ins Wasser gelassen. Ein besonderer Moment für alle Beteiligten, wie Friedrich Fichte, Betriebsleiter des Seesportzentrums Greif, betonte: „Das ist ein besonderer Tag für uns. Die ‚Greif‘ ist das erste Mal seit drei Jahren wieder in ihrem Element.“
Umfangreiche Sanierungsarbeiten
Der rund 75 Jahre alte und 41 Meter lange Segler wurde von Grund auf erneuert. „Die Stahldecks wurden komplett ausgetauscht, das Schiff erhielt neue Aufbauten, und die Masten wurden sorgfältig restauriert“, erläuterte Fichte. Allerdings ist die „Greif“ noch nicht seetüchtig. Für den Einsatz als Segelschulschiff fehlt es noch am notwendigen Innenausbau und einem funktionstüchtigen Motor. Die Sanierung, ursprünglich als Sprint geplant, entwickelte sich zu einem wahren Marathon, nicht zuletzt aufgrund der Insolvenz des beauftragten Unternehmens Fosen in Stralsund.
Emotionale Bedeutung und historischer Hintergrund
Heinz Bartsch, erster stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins Rahsegler Greif, zeigte sich tief bewegt: „Das ist heute ein sehr freudiger Tag. Mit dem Schiff verbindet mich meine Jugendzeit.“ Als 17-Jähriger segelte er 1967 erstmals mit, damals noch als Ausbilder der Gesellschaft für Sport und Technik. Die „Greif“, 1951 in Rostock gebaut und ursprünglich nach dem ersten DDR-Präsidenten Wilhelm Pieck benannt, diente zur Ausbildung von Seeleuten. 1991 übernahm Greifswald das Schiff und taufte es um. Als Denkmal von nationaler Bedeutung verlor es Anfang 2020 aufgrund erheblicher Schäden seine Fahrtgenehmigung.
Finanzielle Herausforderungen und Zukunftspläne
Die Sanierung war von einem ständigen Ringen um Finanzmittel begleitet. Ende 2025 bewilligte die Greifswalder Bürgerschaft zusätzliche 2,9 Millionen Euro. Oberbürgermeister Stefan Fassbinder (Grüne) bezifferte die Gesamtkosten auf rund vier Millionen Euro, finanziert durch:
- 1,8 Millionen Euro von der Stadt Greifswald
- 1,9 Millionen Euro von Bund und Land
- 300.000 Euro aus Spenden und Stiftungsgeldern
Trotz dieser Unterstützung steht die Zukunft des Schiffes noch in den Sternen. Die Stadt sucht einen neuen Betriebsleiter, nachdem Fichte um Vertragsauflösung bat. Grund ist das von der Bürgerschaft geforderte Betriebskonzept, das den jährlichen städtischen Zuschuss auf 250.000 Euro begrenzen soll – eine Forderung, die Fichte für unrealistisch hält. Dennoch bleibt die Hoffnung, dass die „Greif“ 2027 wieder in See stechen kann, um ihre Tradition als Segelschulschiff fortzusetzen.



