Gestrandete Dubai-Urlauberin aus MV wehrt sich gegen Kritik
Kathleen Grams und ihr Partner Dieter sollten längst wieder in Deutschland sein. Stattdessen sitzen die beiden seit Tagen in Dubai fest – gestrandet wegen des militärischen Konflikts zwischen den USA, Israel und dem Iran. Die 48-jährige Unternehmerin, die ursprünglich aus Mecklenburg-Vorpommern stammt und heute bei Aachen ein Kosmetikstudio führt, erzählt von einer dramatischen Urlaubswende, die sie so schnell nicht vergessen wird.
Urlaubsträume werden zum Albtraum
Eigentlich sollte es eine entspannte Reise werden: Eine Woche Kreuzfahrt auf der „Mein Schiff 5“, gefolgt von drei Nächten in Dubai. „Für Sonntag hatten wir unsere Rückflüge gebucht“, berichtet Grams. Doch dann kam alles anders. Die Fluggesellschaften stornierten die Flüge nach dem Angriff auf den Iran, und seitdem versucht das Paar verzweifelt, einen Heimflug zu organisieren – gemeinsam mit zwei befreundeten Pärchen aus der Nähe von Aachen, die sie zufällig in Dubai trafen.
„Wir unterstützen einander. Unsere Freundschaft wird dadurch vertieft. Eine solche Erfahrung prägt uns“, erklärt Grams die ungewollte Verlängerung ihres Aufenthalts.
Explosionen und nächtliche Luftabwehr
Der Samstag begann noch idyllisch mit einem Spaziergang auf der Palmeninsel Jumeirah. Doch gegen 13.30 Uhr rissen zwei heftige Explosionen die Ruhe entzwei. „Es wurde kurz still, jeder schaute sich um, zuckte mit den Schultern und setzte seinen Tag wie gewohnt fort“, erinnert sich Grams. Erst Stunden später erfuhren sie von Israels Präventivschlag gegen den Iran – und dass die Geräusche von der Luftabwehr stammten.
Die Nacht wurde zum Albtraum: „Bevor wir schlafen gehen wollten, nahm ich noch ein Bad in der Wanne. Doch das Vergnügen währte nur kurz. Plötzlich hörte ich wieder einen fürchterlichen Knall.“ Vor ihren Augen schossen Feuerfunken durch die Luft, einige stürzten ins Meer. „Noch nie in meinem Leben hatte ich solche Angst“, gesteht die 48-Jährige.
Kritik in sozialen Medien trifft ins Mark
Während sie auf ihrem Handy nach Informationen sucht, stößt Grams auf zahlreiche Posts in sozialen Medien – und auf harsche Kritik an den Dubai-Urlaubern. Viele User schreiben, die Reisenden seien selbst schuld und sollten nun nicht um Hilfe bitten.
„Ja, ich habe entschieden, meinen Urlaub hier zu verbringen, und niemand hat das Recht, darüber zu urteilen“, wehrt sich Grams energisch. „Ich finde es nur schade, dass ein Austausch mit Deutschland kaum möglich ist. Ich hätte mir in dieser Hinsicht mehr Ansprache und Informationen gewünscht.“
Die Kommentare liest sie mittlerweile nicht mehr: „Die hasserfüllten Meinungen der User machen mich traurig.“
Dubai reagiert organisiert auf die Krise
Trotz der angespannten Lage betont Grams, dass die Behörden vor Ort die Situation gut im Griff hätten. „Wir finden, dass Dubai die Lage hervorragend im Griff hat“, sagt sie. Auch die Information, dass Menschen, die sich Zusatzkosten nicht leisten können, ebenfalls in Hotels unterkommen, wo ihnen geholfen wird, zeige das Engagement für gestrandete Urlauber.
Die Erfahrung mit Krisen habe Dubai schon während der Corona-Pandemie unter Beweis gestellt: „Schon damals hat sich gezeigt, dass Dubai auf Krisen gut reagiert. Sie hatten zu dieser Zeit schon mit Wärmebildkameras gearbeitet.“
Familie in Mecklenburg-Vorpommern in Sorge
In Ueckermünde machen sich Grams‘ Mutter und Geschwister Sorgen um die Gestrandeten. „Ich telefoniere regelmäßig mit meiner Mama. Sie braucht sich keine Sorgen zu machen, uns geht es gut. Aber ich möchte gerne schnell nach Hause“, erzählt die Unternehmerin.
Der Alltag in Dubai geht unterdessen weiter – mit Einschränkungen. „Wir fühlen uns hier sicher“, sagt Grams. Dennoch erschrickt sie bei jeder Erschütterung der Flugabwehr. Besonders nachts falle es schwer: „Bei jedem Geräusch horche ich auf und hoffe, dass es nur ein Auto ist, das stark beschleunigt.“
Ungewisse Rückkehr und ungeklärte Kosten
Täglich hofft das Paar auf einen Flug, täglich folgt die Absage. „Vielleicht können wir am Freitag nach Frankfurt fliegen. Wir werden sehen, denn bislang hat es schon dreimal nicht geklappt“, berichtet Grams. Familie und Freunde in Deutschland versuchen, Flüge zu organisieren – doch die Leitungen sind überlastet.
Die Kosten für die ungeplant verlängerte Reise müssen Grams und ihr Partner bisher aus eigener Tasche bezahlen. „Zwar berichten einige, dass jemand die Kosten übernimmt, aber wir haben dazu keine Informationen“, erklärt sie.
Zukunft ungewiss – Heimkehr hat Priorität
Ob sie noch einmal nach Dubai reisen wird, weiß Grams nicht. „Wir mögen Dubai und würden jederzeit gerne in Frieden dort Urlaub machen. Das Erlebte werde ich nie vergessen, hauptsächlich nicht die erste Nacht. Aber jetzt möchten wir nur noch nach Hause“, sagt die 48-Jährige.
Die Erlebnisse werden sie noch lange begleiten: „Wir hoffen jetzt alle, dass wir am Freitag gemeinsam im Flieger sitzen und gesund und munter in Deutschland landen. Ein bisschen Angst habe ich schon vor dem Start.“
Unterdessen sind erste Flugzeuge aus Dubai in Deutschland gelandet – in Frankfurt am Main, München und Düsseldorf. Für Kathleen Grams und ihren Partner Dieter bleibt die Heimkehr vorerst ein unerfüllter Wunsch.



