Ecovista-Skandal eskaliert: Lohnverzug und marode Busse im Schienenersatzverkehr
Ecovista-Skandal: Lohnverzug und marode Busse in MV

Zoff um Schienenersatzverkehr eskaliert: Ecovista-Skandal wird immer heftiger

Schwerin/Berlin • Was als heile Welt präsentiert wurde, entpuppt sich als handfester Skandal. Noch Mitte Januar ließ sich Mecklenburg-Vorpommerns Verkehrsminister Wolfgang Blank (parteilos) öffentlichkeitswirksam von Ecovista-Geschäftsführer Michael Bader den Schienenersatzverkehr erklären. Doch hinter den Kulissen brodelt es gewaltig. Das Busunternehmen Ecovista kämpft nicht nur mit massiven Problemen bei den Ersatzbussen, sondern auch mit erheblichen finanziellen Schwierigkeiten, die sogar zu Lohnverzug bei den Mitarbeitern führen.

Internes Dokument enthüllt: Schweigegebot und marode Busflotte

Wie brisant die Situation tatsächlich ist, zeigt ein internes Dokument, das dem Nordkurier vorliegt. In der „Information der Geschäftsführung zum SEV-Projekt“ macht Ecovista-Geschäftsführer Michael Bader unter Punkt 5 unmissverständlich klar: „Bitte kommuniziert keinerlei Informationen nach außen – weder an Presse, Öffentlichkeit noch Partnerunternehmen.“ Den Adressaten wird damit verboten, über die aktuellen Probleme des Unternehmens zu sprechen.

In dem Schreiben räumt die Geschäftsführung ein, dass Ecovista aufgrund von „Unstimmigkeiten zwischen uns und unserem Investor“ gezwungen war, seine gesamte Busflotte zum 1. März auszutauschen. Dieser Austausch hatte landesweit für Aufsehen und Entrüstung bei Politik und Deutscher Bahn gesorgt. Weiter heißt es: „Aufgrund der kurzfristigen Umsetzung werden es keine Neufahrzeuge sein, sondern Fahrzeuge aus dem Gebrauchtmarkt. Die Ausstattung liegt teilweise nicht ganz auf dem Niveau der neuen SEV Busse.“

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Die Formulierung „nicht ganz auf dem Niveau“ erweist sich als erstaunliche Untertreibung. Dem Nordkurier liegen Schilderungen und Bilder von regelrecht vergammelten Fahrzeugen vor, die nun im Schienenersatzverkehr eingesetzt werden.

Lohnverzug und ausweichende Antworten

Besonders heikel ist ein weiterer Punkt der Mitarbeiterinformation. Auf die Frage „Was ist mit den Lohnzahlungen?“ antwortet Bader: „Es kommt derzeit zu einer Verzögerung, da der Investor die angewiesenen Löhne aufgrund der Streitigkeiten zurückhält. Wir haben eine Lösung gefunden, damit wir am Montag oder spätestens Dienstag die Löhne auszahlen können.“

Auf eine direkte Anfrage des Nordkuriers vom Mittwoch dieser Woche, ob die Lohnzahlungen bei Ecovista aktuell und künftig gesichert seien, antwortete die Pressestelle des Busunternehmens ausweichend: „Alle Mitarbeiter haben aktuell ihren Lohn bzw. ihr Gehalt erhalten und werden das auch in Zukunft tun.“ Diese Aussage steht im krassen Widerspruch zu den internen Dokumenten.

Deutsche Bahn als kritischer Auftraggeber

Gleichzeitig räumte Ecovista auf Nordkurier-Anfrage ein, dass es am vergangenen Wochenende zu Fahrtausfällen gekommen sei. Bezüglich der von der Deutschen Bahn als Auftraggeber scharf kritisierten, nicht eingehaltenen Qualitätsstandards sagte die Pressestelle: „Alle eingesetzten Fahrzeuge werden von uns vor Inbetriebnahme überprüft und entsprechen den Anforderungen an den Linienverkehr.“

Der Zoff zwischen Ecovista und der Deutschen Bahn wegen der Ersatzbusse in Mecklenburg-Vorpommern schwelt schon länger. Jetzt erlebten zwei Schweriner eine schockierende Fahrt, die die prekäre Situation verdeutlicht. Der Schienenersatzverkehr, mit dem die Deutsche Bahn Ecovista aufgrund der neunmonatigen Vollsperrung der Bahnstrecke Berlin-Hamburg beauftragt hat, gerät immer mehr außer Kontrolle.

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