Plötzlicher Buswechsel bei Ecovista: Deutsche Bahn droht mit rechtlichen Schritten
Ecovista tauscht Busflotte aus – Bahn droht mit Klage

Plötzlicher Wechsel der Busflotte im Schienenersatzverkehr

Von einem Tag auf den anderen hat das Busunternehmen Ecovista die purpurfarbenen Busse im Ersatzverkehr zwischen Berlin, Hamburg und Schwerin durch eine bunt zusammengewürfelte Flotte ersetzt. Die Deutsche Bahn reagierte mit scharfer Kritik und drohte mit rechtlichen Konsequenzen, während Ecovista sich über die genauen Gründe ausschweigt.

Unklare Gründe für den überraschenden Tausch

Am vergangenen Samstag teilte Ecovista völlig überraschend mit, dass statt der einheitlich lackierten und größtenteils neuen Busse nun eine gemischte Flotte mit teils über zehn Jahre alten Fahrzeugen zum Einsatz kommt. Als Begründung nannte das Unternehmen lediglich „Änderungen beim Fahrzeugleasing“. Auf Nachfrage des Nordkurier wollte Ecovista keine weiteren Details preisgeben.

Die Deutsche Bahn zeigte sich verärgert über diese Entwicklung. In einer außergewöhnlich scharfen Pressemitteilung kritisierte der Staatskonzern das Vorgehen von Ecovista und warnte davor, andere als die vertraglich vereinbarten Busse einzusetzen. „Dieses Vorgehen werden wir nicht tolerieren“, ließ sich Gerd-Dietrich Bolte, Vorstand Infrastrukturplanung der DB InfraGO, zitieren.

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Spekulationen über mögliche Hintergründe

Aus der Busbranche verlautet, dass Ecovista in den vergangenen Wochen bundesweit händeringend nach Ersatzbussen gesucht habe. Ob das Unternehmen mit Mietzahlungen für die geleasten Busse im Rückstand ist, bleibt unklar. Ecovista bestreitet jedenfalls, dass der Wechsel kurzfristig erfolgt sei, und spricht von „einigen Wochen Vorlauf“.

Fest steht, dass die bisherigen 200 Busse im Ersatzverkehr geleast waren und Ecovista nun nicht mehr zur Verfügung stehen. Das Unternehmen versichert zwar, dass die neue Flotte stehe und der Beförderungsauftrag erfüllt werde, doch die Qualitätsstandards entsprechen nicht den vertraglichen Vereinbarungen mit der Bahn.

Fahrgäste zeigen sich desillusioniert

Die Reisenden an den Stationen des Ersatzverkehrs zeigten sich von den Veränderungen weitgehend unbeeindruckt. Der Ärger über den monatelangen Schienenersatzverkehr ist unvermindert hoch, und auf die Qualität der Busse kommt es den meisten Fahrgästen nicht mehr an. Einige äußerten sich sogar positiv über einzelne neue Fahrzeuge, weil diese – anders als bisher – über Toiletten verfügen.

Vor Ort bestätigte sich, dass statt der einheitlichen purpurfarbenen Busse nun ein buntes Sammelsurium verschiedener Modelle mit Kennzeichen aus dem gesamten Bundesgebiet im Einsatz ist. Die Fahrgäste scheinen nach den zahlreichen Pannen der vergangenen Monate einfach nichts mehr schockieren zu können.

Weitere Blamage für die Bahnstrecke Hamburg-Berlin

Für die Deutsche Bahn sind die Kapriolen von Ecovista die nächste schwere Blamage in der bereits von Pleiten, Pech und Pannen geprägten Generalsanierung der Strecke zwischen Hamburg und Berlin. Der Staatskonzern wird nun gegenüber den Fahrgästen wortbrüchig, was die vereinbarten Komfortmerkmale der Busse angeht.

Diese sollten eigentlich einheitlich ausgestattet sein und unter anderem über Monitore mit Echtzeit-Informationen zur Fahrtzeit und zu Anschlussverbindungen verfügen. Nach Nordkurier-Informationen drohen Ecovista nun empfindliche Vertragsstrafen, weil Busse eingesetzt werden, die nicht dem vereinbarten Standard entsprechen.

Beide Unternehmen ließen Fragen nach einem möglichen Streit zwischen Ecovista und dem Leasinggeber der Busflotte unbeantwortet. Die Bahn wollte auch nicht kommentieren, ob sie gegebenenfalls eigene Busse zum Ausgleich einsetzen könnte. Damit bleibt unklar, wie es mit dem Ersatzverkehr auf der wichtigen Nord-Süd-Verbindung weitergeht.

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