Ein erotisches Abenteuer im Schatten der preußischen Königin
Im Jahr des 250. Geburtstags von Königin Luise von Mecklenburg-Strelitz erlebt die populäre Monarchin nicht nur biografische Würdigungen, sondern inspiriert auch literarische Neuerscheinungen. Der Rostocker Hinstorff Verlag, der größte Verlag Mecklenburg-Vorpommerns, hat mit dem Genre des historischen Liebesromans neues Publikum erschlossen und präsentiert pünktlich zum Luise-Jahr Frank Pergandes neuestes Werk: „Die Hofdame der Königin Luise“.
Sinnliche Begegnung im nächtlichen Schlosspark
Die Handlung nimmt ihren Anfang im Hohenzieritzer Schlosspark, kaum dass Königin Luise im Hochsommer 1810 einem Lungenleiden erlegen ist. Hier widerfährt der leicht gewandeten Hofdame Ulrike von Bredow bei der Suche nach nächtlicher Ruhe eine sinnliche Überraschung, die ihre Gedanken und Gefühle in Aufruhr versetzt. „Er roch nach Lavendel, ein wenig auch nach einem harten Arbeitstag, er roch atemberaubend männlich“, beschreibt Pergande den zunächst unerkannt bleibenden Verursacher dieser Begegnung, die ganz sicher nicht standesgemäß war.
Fiktion verwoben mit historischer Realität
Frank Pergande, der bereits mit „Sommerliebe auf Schloss Bothmer“ Erfolge feierte, lässt seine erfundene Protagonistin als Schwester der realen Caroline von Briest agieren, der Ehefrau des Romantik-Dichters Friedrich de la Motte Fouqué. Dadurch eröffnet sich dem Autor die Möglichkeit, zahlreiche reale Persönlichkeiten der Zeitgeschichte in die Handlung einzubinden:
- Der Dichter Friedrich de la Motte Fouqué
- Agrarprofessor Albrecht Daniel Thaer
- Baumeister Friedrich Wilhelm Dunkelberg
- Bildhauer Christian Philipp Wolff
Durch Gespräche mit adligen Freundinnen auf deren Wohnsitzen in Galenbeck, Köpernitz und Berlin sowie durch die Einbindung des Hohenzieritzer Pächters Hoth, der ein Faible für englische Landwirtschaft besitzt und mit der Ausbildung von Ulrikes Sohn betraut ist, entfaltet sich ein dichtes Geflecht aus historischen Fakten und fiktiven Entwicklungen.
Lokalkolorit und regionale Geschichte
Der Autor schwelgt ausgiebig im Lokalkolorit der Region: Seine Figuren treffen sich am Marktstand, reiten zur unscheinbaren Havelquelle, speisen in Neustrelitz' „Goldener Kugel“ oder im Berliner Kaffeehaus Möhring. Sie erregten sich über die betrügerischen Prillwitzer Idole, hören in Galenbeck vom Feldherrn Blücher und erschrecken im Ägyptischen Saal von Schloss Hohenzieritz – jenem Raum, der jüngst durch die Forschung der Heidelberger Kunsthistorikerin Friederike Werner neue Aufmerksamkeit erhielt.
Moderne Elemente in historischem Gewand
Bemerkenswert ist Pergandes Einsatz von neuzeitlichem Vokabular wie „Bückware“ oder „Fake“ sowie die erstaunlich modernen Verhaltensweisen seiner Figuren. In Ulrikes Ehe mit dem liebevollen Leberecht oder in Dialogen mit erstaunlich nahbaren Hoheiten zeigt sich eine Gesellschaft, die trotz historischer Einbettung zeitlose Themen behandelt: Heimatgefühle, das Begehren und Begehrt-Werden, aber auch Gespräche über Schönheit und Nützlichkeit der Natur oder die Gefahren sorglosen Wohlstands.
Präsentation und Verfügbarkeit
Der Roman mit 269 Seiten ist zum Preis von 18 Euro unter der ISBN 9783356025743 erhältlich. Das Buch wurde auf der Leipziger Buchmesse präsentiert und ist seit Montag im Handel. Autor Frank Pergande wird sein Werk am 17. Mai um 15 Uhr im Ägyptischen Saal von Schloss Hohenzieritz persönlich vorstellen.
Weitere Aktivitäten im Luise-Jahr
Parallel zum Roman gibt es weitere Veranstaltungen im Gedenken an Königin Luise:
- Am 19. Juli, dem königlichen Todestag, findet der Vortrag „Wirklichkeit und Vorstellung – Königin Luise im Porträt“ mit Schloss-Leiterin Susanne Bocher und Kunsthistoriker Jörg Meiner statt.
- Die Luisen-Gedenkstätte im Schloss ist im April und Oktober an Wochenenden von 10 bis 16 Uhr geöffnet, von Mai bis September dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr.
- Der seit zwei Jahren wegen gefährdeter Bäume gesperrte Park ist im oberen Bereich wieder zugänglich.
Zu den literarischen Neuerscheinungen des Luise-Jahres gehört zudem „Königin Luise – Leben und Mythos“ von Rudolf G. Scharmann aus dem Be.Bra Verlag. Der Autor wird am 24. April um 18 Uhr im Schlosscafé Ludwigslust aus seinem vorherigen Buch „Preußische Prinzessinnen. Leben in Schlössern und Gärten der Romantik“ lesen.
Brandenburg würdigt den königlichen Geburtstag
Auch im Nachbarland Brandenburg wird der Geburtstag der Königin gewürdigt: Auf Schloss Paretz im Havelland, dem einstigen ländlichen Wohnsitz von Luise und ihrem Mann Friedrich Wilhelm III., zeigt vom 1. April bis 1. November die Ausstellung „Ungeheuer trifft Papagei“ Luises Begegnung mit Napoleon 1807 in Tilsit. Begleitend gibt es Sonderführungen – beispielsweise am 12. April über „Die Bibliothek der Königin Luise“ – sowie musikalische Veranstaltungen.



